18. Januar 2022 / 23:34 Uhr

Der Mix passt: Wie sich Deutschlands Handballer bei EM auch von Corona nicht stoppen lassen

Der Mix passt: Wie sich Deutschlands Handballer bei EM auch von Corona nicht stoppen lassen

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
 Deutschlands Handball-Nationalmannschaft befindet sich trotz aller Schwierigkeiten in der Erfolgsspur.
Deutschlands Handball-Nationalmannschaft befindet sich trotz aller Schwierigkeiten in der Erfolgsspur. © IMAGO/Kolektiff
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Die Liste der coronabedingten Ausfälle ist lang - und doch sind die deutschen Handballer bei der EM weiter in der Erfolgsspur. Auch nach den zahlreichen Nachnominierungen passt die Mischung in der Mannschaft.

Axel Kromer hatte sich vor der Europameisterschaft in einem launigen Moment als "Karl Lauterbach des deutschen Handballs" bezeichnet, weil er sich seit einem Jahr nur zum Thema Corona äußert. Da ahnte der Sportvorstand des Deutschen Handballbundes (DHB) noch nicht, welche Dimensionen sein Job in den Tagen von Bratislava annehmen würde. Da reißen die Hiobsbotschaften seit der Ankunft nicht ab.

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Unmittelbar vor dem Vorrunden-Finale gegen Polen, das die Deutschen am Dienstag mit 30:23 (15:12) gewannen, fühlte sich Kromer sogar berufen, die Medien in einem eilig anberaumten Interview auf den neuesten Corona-Stand zu bringen. Denn kurz zuvor hatte der DHB die Ausfälle acht und neun, Torhüter Till Klimpke und Außen Marcel Schiller, vermeldet. Ein EM-Rückzug war plötzlich kein Tabuthema mehr.

Immerhin: Das am Abend zuvor nachnominierte Quintett – Torhüter Johannes Bitter, Linksaußen Rune Dahmke, Kreisläufer Sebastian Firnhaber sowie die Rückraumspieler Paul Drux und Fabian Wiede – war nach negativen Tests einsatzbereit. Das DHB-Team hatte so 14 Spieler beisammen. "Das habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Die Vorbereitung haben wir per Video auf den Zimmern gemacht, uns alle erst zur Abfahrt gesehen", sagte Trainer Alfred Gislason.

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Und der in der Not zusammengewürfelte Mix aus jungen Wilden und alten Hasen besiegte die favorisierten Polen. Es könnte die Geburtsstunde von etwas Großem sein. Deutschland zieht so mit 2:0-Punkten in die Hauptrunde ein. Nächster Gegner: Titelverteidiger Spanien am Donnerstag. Weitere Gegner sind Norwegen (Freitag/0:2-Punkte), Schweden (Sonntag/0:2) und Russland (Dienstag/2:0).

Zum Spiel: Das DHB-Team startete überzeugend, wacher als in den Partien zuvor. Die Abwehr – beweglich, die Räume gut verdichtend. Der Angriff: ansehnlich, flexibel und diszipliniert. Christoph Steinert erwischte an seinem 32. Geburtstag einen Sahnetag. Elf Würfe, neun Treffer. In Zahlen las sich das so: 8:5 nach 19 Minuten und 15:12 zur Pause. Und es wurde noch besser. Bitter legte mit Paraden nach, Köster (6) und Golla (6) mit Toren. Die Abwehr gab keinen Zentimeter preis. Polen war völlig von der Rolle (23:16/18.). "Man hat gesehen, was so eine besondere Situation aus der Mannschaft machen kann. Jetzt wollen wir weiter auf der Welle surfen", sagte Kapitän Johannes Golla.

Nachnominierungen: Bundestrainer Alfred Gislason reagierte auf den weiteren personellen Aderlass und nominierte Linksaußen Patrick Zieker vom TVB Stuttgart sowie Torwart Daniel Rebmann von Frisch Auf Göppingen nach. Eine Torhüter-Überraschung. Der Hintergrund: Die geplante Nachnominierung von Silvio Heinevetter (MT Melsungen) war nicht möglich, da sein PCR-Test in der Heimat auch positiv ausgefallen war.

Corona-Lage: "Wir wissen, dass es bei uns aktuell nicht sicher ist. Wir tun aber alles dafür, dass es sicher wird. Die Jungs haben ihre Hände mehr im Desinfektionswasser als in Harztöpfen", erklärte Kromer. Im Teamhotel ist der DHB-Tross auf den Etagen neun (Offizielle), zwölf (Spieler) und 13 (Aufenthaltsbereich) untergebracht – in Einzelzimmern und mit eigenem Speiseraum. Neben den PCR-Tests hat das deutsche Team auf eigene Kosten alle zwei Tage eigene Tests angesetzt, fliegt am Mittwoch zudem einen Internisten aus Hamburg ein, der alle infizierten Spieler nach der Quarantäne durchchecken soll. Einen EM-Rückzug schloss Kromer auch im Falle weiterer Infektionen aus.