19. Mai 2019 / 13:32 Uhr

Der MSV Neuruppin rückt als Verein ganz eng zusammen (mit Galerie)

Der MSV Neuruppin rückt als Verein ganz eng zusammen (mit Galerie)

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Vor dem Spiel präsentierten die Neuruppiner bei der Schweigeminute ein Banner, dass an Olaf Weckwerth erinnert. Sohnemann Marcel (l.) und weitere Spieler kämpften mit den Tränen.
Vor dem Spiel präsentierten die Neuruppiner bei der Schweigeminute ein Banner, dass an Olaf Weckwerth erinnert. Sohnemann Marcel (l.) und weitere Spieler kämpften mit den Tränen. © Marius Böttcher
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Brandenburgliga: Die tiefe Trauer um Olaf Weckwerth wandeln die Kicker in Kraft um und besiegen den BSC Preußen.

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Der Blick ging diesmal nicht raus zur Tribüne – er ging gen Himmel. Denn Olaf Weckwerth wird seinem Sohnemann nie mehr vom angestammten Sitzplatz im Volksparkstadion unterstützen können. Vor acht Tagen, am Muttertagssonntag, wurde der Papa von MSV-Kapitän Marcel Weckwerth zwischen Biesen und Wittstock mit dem Fahrrad von einem Auto erfasst und kam ums Leben. Olaf Weckwerth, der unter anderem lange Jahre beim Pritzwalker FHV als Nachwuchstrainer aktiv war und sogar dem eigenen Spross das Fußball-Abc beibrachte, wurde 56 Jahre alt. Die Traurigkeit war allen 135 Zuschauern am Sonnabend beim Brandenburgliga-Heimspiel gegen den BSC Preußen 07 Blankenfelde-Mahlow anzumerken, der sportliche Aspekt rückte weit in den Hintergrund.

Erst Stunden vor Beginn der Partie informierte Marcel Weckwerth Trainer Henry Bloch, dass er spielen möchte. Der MSV-Coach, dem in jungen Jahren ein ähnliches Schicksal widerfuhr, erklärte: „Ich habe Marcel die freie Wahl gelassen, nur er kann und soll entscheiden, was das Richtige ist. Ich hätte es auch akzeptiert, wenn er in dieser Saison nicht mehr auf dem Platz hätte stehen wollen.“ Der 28-Jährige aber wollte auflaufen – vielleicht für das Team, vielleicht für sich selbst, vielleicht aber auch für seinen Papa, für den vor Spielbeginn eine Schweigeminute abgehalten wurde. Dazu präsentierte die Heimelf ein Plakat, auf dem die Botschaft geschrieben stand: „Dein leerer Platz bleibt unbesetzt, doch Du bleibst für uns unvergessen.“

Fotos: Der MSV Neuruppin besiegt den BSC Preußen 07 nach Halbzeitrückstand.

Alexander Riehl und Marcus Lemke schießen die Fontanestädter in einem emotionalen Spiel nach der Pause zu drei Punkten. Der sportliche Aspekt rückte nach einem Todesfall in der MSV-Familie jedoch in den Hintergrund. Zur Galerie
Alexander Riehl und Marcus Lemke schießen die Fontanestädter in einem emotionalen Spiel nach der Pause zu drei Punkten. Der sportliche Aspekt rückte nach einem Todesfall in der MSV-Familie jedoch in den Hintergrund. © Marius Böttcher
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Olaf Weckwerth war fester Bestandteil der MSV-Familie, neben Sohnemann Marcel standen ihm etliche weitere Neuruppiner sehr nah. Egal wohin, egal wie weit – bei nahezu jeder Partie der ersten Männermannschaft war er anwesend und analysierte gemeinsam mit seinem Sohn nach dem Abpfiff die vorangegangenen 90 Minuten. Beim 2:1-Erfolg am Sonnabend schaute Olaf Weckwerth von oben zu, der unfassbar tapfere Marcel zeigte nach den zwei MSV-Treffern mit den Zeigefingern Richtung Himmel und ließ bei seiner Auswechslung nach 82 Minuten seinen Gefühlen freien Lauf.

Aufgrund der traurigen und dadurch schwierigen Umstände war Henry Bloch extrem stolz auf seine Schützlinge, die mehrere Nackenschläge weggesteckt haben: „An Fußball war die ganze Woche nicht zu denken. Du bist mit dem Kopf nicht voll da, was man auch niemandem verübeln kann. Man hat es einigen Spielern angemerkt, Marcus Lemke hat mir nach dem Spiel auch zugegeben, dass mental einfach nichts drin war.“ Und dennoch war der Gastgeber vom Anpfiff weg das tonangebende Team, einzig die Durchschlagskraft fehlte im letzten Drittel. Zu allem Überfluss lief man aber der 31. Minute einem Rückstand hinterher. Der fleißige Onur Bas brachte sich mit einer einfachen Körpertäuschung in Schussposition, fand seinen Meister aber in MSV-Keeper Philipp Müller. Jean-Marc Soine reagierte aber am schnellsten und nickte das runde Leder mit Hilfe der Latte hinter die Linie.

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„Der Planet hat gebrannt, du liegst 0:1 hinten. Motivierende Worte für die zweiten 45 Minuten zu finden, war sehr schwer“, sagte Henry Bloch, dessen Mannschaft aber große Moral zeigte. Hochverdient gelang nach einer Stunde durch Alexander Riehl der Ausgleich, 13 Minuten später köpfte Marcus Lemke nach perfekter Flanke von Yulian Vladimirov zur Führung ein. Dass es bis zum Ende spannend blieb, hatte man sich selbst zuzuschreiben. „Es gab mehrere Kontermöglichkeiten, die wir allesamt ganz schlecht ausspielen. Wir sind aber hochzufrieden mit den drei Punkten, die man nach dieser Woche nicht fest einplanen konnte“, so Bloch, dem wie dem Rest der Mannschaft deutlich anzumerken war, dass der Fußball an diesem Wochenende nicht an erster Stelle stand.

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