11. Juni 2020 / 11:03 Uhr

Der neue 96-Style: Immer gewinnen! Die richtigen Vorbilder sollen dabei helfen...

Der neue 96-Style: Immer gewinnen! Die richtigen Vorbilder sollen dabei helfen...

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das neue 96-Gefühl: Über Siege jubeln, wie hier Edgar Prib (l.) und Jannes Horn.
Das neue 96-Gefühl: Über Siege jubeln, wie hier Edgar Prib (l.) und Jannes Horn. © Pool-Foto
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Vorbilder schaden nicht, meint der Platzwart. Leider hat Hannover 96  bei der Wahl derer schon das ein oder andere Mal daneben gelegen. Jetzt wird sich bei der Kaderplanung an den Bayern orientiert. Das kann nicht schaden, denn die Münchener gelten als halbwegs erfolgreiche Truppe im Fußballgeschäft. 

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Braucht man Vorbilder, um durch das Leben zu kommen oder durch was auch immer? Um durch die 2. Bundesliga zu kommen, können Vorbilder nicht schaden. Hannover 96 ist gerade durch, was nicht heißt, dass man die 2. Liga in Richtung Oberhaus verlässt, wie es sich unverbesserliche Optimisten vor der Saison erhofft hatten. Aber es heißt eben auch nicht Durchreiche in Liga drei, wie unverbesserliche Pessimisten noch vor einer Woche befürchtet hatten.

Hannover feiert in diesen Tagen, was man kriegen kann. Also in diesem Fall: Sieg gegen den Haushoch-Favoriten Heidenheim, Tor-Tribbl von Pribbl und den eher unerwarteten vorzeitigen Klassenerhalt 2020. Jubel, Autokorso und wie üblich eine Kiste stilles Gurkenwasser, abgefüllt und handverkorkt von Martin Kind persönlich.

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Kind hat nun seine geliebte Planungssicherheit, die Mission „Aufstieg 20+x“ kann beginnen. Dazu braucht man Geld und Vorbilder. Vorbilder? Gar nicht so einfach. Aber Kind lässt sich da nicht lumpen. Lange Zeit war für den Elfmade-Millionär Werder Bremen ein Vorbild. Folge: Thomas Schaaf und ein Jahr 2. Liga.

Später nannte Eintracht Braunschweigs Klubchef Sebastian Ebel 96 ein Vorbild, eine besonders perfide Form subtiler Demoralisierung. Folge: Thomas Doll, noch ein Jahr 2. Liga. Martin Kinds Lieblingsvorbild bis vor Kurzem: RB Leipzig. Begründung: „Wenn ausreichend Kapital bei professionellen Leuten ist, kann eine Erfolgsstory entstehen.“

Ausreichend Kapital bei professionellen Leuten? Wir alle wissen: Hannover 96 geht konsequent einen anderen Weg. Auch Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim, die mit den „klaren Eigentümerstrukturen“, konnten Kind nur übergangsweise als Leitbild dienen. Denn jetzt hat Kind für die anstehende Kaderplanung in Sachen Charaktereigenschaften einfach mal ins oberste Regal gegriffen: Bayern München!

Dessen Spieler „lassen sich nicht gehen, zeigen immer volle Einsatzbereitschaft, haben das Sieger-Gen und wollen alle Titel holen und immer gewinnen“. Immer gewinnen. Das ist gut. Merke: Wenn du immer gewinnst, holst du auch Titel. Und zwar alle! Automatisch. DFB-Pokal, Meisterschaft, Weltpokal, Champions League und Alpencup, sogar der Aufstieg in die 1. Bundesliga wäre auf diese Weise kein Hexenwerk.

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Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. Zur Galerie
Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Die Bayern haben es vorgemacht. Die sind auch mal in die 1. Liga aufgestiegen, 1965. Seitdem Sieg auf Sieg, Titel auf Titel. Guck mal in deren Vitrine. Alles da. Und dann in die von 96: Dritter beim Alpencup 2003, Sparkassen-Cup 2014, dazu alte Bahntickets nach Trier und Elversberg (Gruppe, einfache Fahrt). Bei den Bayern laufen sie sogar, wenn sie zwischen 5 und 20 Millionen Euro pro Saison kassieren. Das hat Martin Kind am meisten beeindruckt.

Beispiel Lewandowski: steinreich und torhungrig ohne Ende. Vielleicht ist das der Weg zum Erfolg. Aufstriche beim Gehalt statt Corona-Abstrichen. Wenn 96 demnächst auf der Suche nach einem funktionierenden Rechtsverteidiger für die Aufstiegssaison bei Benedikt Höwedes anklopft und der bloß 2 Millionen im Jahr fordert, dann weiß Martin Kind: Achtung, der wird nicht alles geben.

Wenn Julian Korb nach zwei gelungenen Spielen in drei Jahren für die anstehende Vertragsverlängerung 10 Millionen Jahresgehalt aufrufen sollte, dann könnte man das einfach nur als Vorschuss für viele, viele Traumvorlagen bezeichnen.

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Der Mann, der sogar Korb zum Laufen brachte, hat übrigens auch ein Vorbild. Kenan Kocak blickt voll Bewunderung auf Bielefeld. Bielefeld gibt es wirklich, es ist das Bayern der 2. Liga. Wobei es den Bayern nur ein einziges Mal gelang, in die 1. Liga aufzusteigen. Anfänger. Bielefeld bringt es in dieser Kategorie auf stattliche sieben. Sieben Erstligaaufstiege – es wäre ein Traum für Kenan Kocak und ganz Hannover.