08. Januar 2017 / 11:30 Uhr

Der neue starke Mann beim VfL Wolfsburg: Wer ist Olaf Rebbe?

Der neue starke Mann beim VfL Wolfsburg: Wer ist Olaf Rebbe?

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Olaf Rebbe
Olaf Rebbe
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Er hat den Verkauf von Julian Draxler und den Einkauf von Riechedly Bazoer abgewickelt, er hat mit Yunus Malli einen richtigen Transfercoup gelandet und ist urplötzlich zum Gesicht des VfL geworden: Olaf Rebbe.

Noch vor wenigen Wochen kannte den Sportlichen Leiter des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten fast niemand, jetzt steht er im Rampenlicht.

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Gesteigerten Wert auf Öffentlichkeit legte Rebbe bisher allerdings nicht. Als sich der VfL von Manager Klaus Allofs getrennt hatte, wurde er zwangsläufig zum beliebten Fotomotiv und am Rande des Spiels gegen Eintracht Frankfurt so oft geknipst wie wohl noch nie in seinem Leben. Er guckt aufgeschlossen, intelligent, irgendwie versteckt freundlich, ist dabei gestenarm, reserviert und beherrscht. Abwechslungsreiche Fotomotive? Eher nicht.

Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich viele VfL-Fans vor allem eine Frage stellten, als Rebbe in Wolfsburg nach und nach die Rolle von Allofs übernahm: Wer ist das? Kann der Fußball? Die Antwort ist einfach: Er kann. Weil er es gelernt hat - auf anderem Wege allerdings als viele andere Bundesliga-Manager.

1978 wird Rebbe im schwäbischen Waiblingen geboren, als Jugendlicher kommt er mit den Eltern in die Lüneburger Heide, später geht‘s nach Hamburg. Die aktive Karriere („Als Laufziege im Mittelfeld“) endet mit 20 in der Bezirksoberliga - Kreuzbandriss. „Da habe ich entschieden, dass ich das Thema Fußball eher mit den Kopf bearbeiten möchte.“ Rebbe wird ehrenamtlich Fußball-Obmann beim TSV Auetal, der jüngste seiner Art weit und breit. Er organisiert unter anderem ein Freundschaftsspiel gegen Hannover 96 für seinen Verein, knüpft dort bereits Bundesliga-Kontakte.

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Olaf Rebbe Jugendfoto
Olaf Rebbe Jugendfoto ©

Vom Fußball infiziert ist er da schon längst, sein Schülerpraktikum hat er bei Borussia Dortmund absolviert. „Ich habe mich damals einfach beworben.“ Einfach mal machen - so geht es weiter: Abi, Studium (Marketing und Kommunikation), zwischendurch Hospitanz bei Arsenal und Celtic Glasgow, anschließend der erste Job in der Agentur von Werner Köster, die unter anderem Sportgrößen wie Franziska van Almsick und Regina Halmich betreut.

Das Herz gehört aber dem Fußball. Lieblingsklub? „Ich liebe den Fußball insgesamt. Der VfB Stuttgart war mein Heimatverein, ich habe aber Bayern München bewundert - weil die alles richtig machen, zumindest in dem Bereich, der mich fasziniert.“ Er knüpft weiter Kontakte, schaut sich um. 2002 ist er beim ersten Spiel in der Volkswagen-Arena dabei. Als Stuttgart-Fan? „Nein, es hat mich einfach interessiert, was da entstanden ist.“

2004 wagt er den Schritt aus dem vergleichsweise sicheren Agenturjob in die Fußball-Bundesliga, heuert bei Werder Bremen an - zunächst ohne Festanstellung. „Sie haben gesagt, du kannst dich bei uns empfehlen und mitarbeiten.“ Klaus-Dieter Fischer, Präsident des Vereins, hat Rebbe empfohlen. Eine klare Aufgabenverteilung im Management war bei Fußball-Klubs damals noch nicht gänzlich üblich. Bei Werder gibt es Allofs als Chef, der Verein steht im Umbruch und Aufbau. Für Rebbe fiel viel an. Er fliegt mit zu Champions-League-Auslosungen, verhandelt mit Chelsea oder dem FC Barcelona spielorganisatorische Abläufe. 2006 nimmt er sich Urlaub, um bei der Weltmeisterschaft für das WM-OK in Leipzig als „Info- und Entertainment-Manager“ (Rebbe: „Alles, was man im Stadion hört und sieht“) in verantwortlicher Position zu arbeiten. Bei der EM 2008 macht er das für die UEFA in Basel nochmal.

Claudio Pizarro (FC Bayern München) und Olaf Rebbe (Leitender Assistent des Geschäftsführers Sport,VfL Wolfsburg) - 1. Fußball Bundesliga Punktspiel Saison 2013-2014 VfL Wolfsburg vs. FC Bayern München in der Volkswagen Arena in Wolfsburg - Deutschland, Fußball, Mann, Männer,08.03.2014Claudio Pizarro FC Bavaria Munich and Olaf  senior Assistant the Managing Director Sports VfL Wolfsburg 1 Football Bundesliga Point game Season 2013 2014 VfL Wolfsburg vs FC Bavaria Munich in the Volkswagen Arena
Claudio Pizarro (FC Bayern München) und Olaf Rebbe (Leitender Assistent des Geschäftsführers Sport,VfL Wolfsburg). © imago sportfotodienst

Bei Werder ist er immer eng dran am Fußball, in verschiedenen Bereichen und Positionen. Spieler wie unter anderem Clemens Fritz und Per Mertesacker werden zu engen Freunden. Und immer häufiger ist er in die Themen mit eingebunden, die er heute „die Essenz des Fußballs“ nennt: Teammanagement, Kaderplanungen und Transfers sowie Medien und Marketing. Bremen ist zu der Zeit Dauergast in der Königsklasse, Fußball auf allerhöchstem Niveau ist für Rebbe Arbeitsalltag. „Damals ist mir immer klarer geworden, dass ich so direkt und intensiv wie möglich am Fußball arbeiten will.“

Es gibt immer wieder Angebote für ihn von anderen Klubs. Rebbe bleibt - bis ihn Allofs 2012 fragt, ob er mit nach Wolfsburg kommen will. Den VfL kennt er ein bisschen, hat mit Wolfsburger Kollegen 2009 den inoffiziellen VW-Supercup organisiert. Sein Eindruck damals: „Ein Verein, in dem sehr professionell und zielorientiert gearbeitet wird - und in dem man Fußball gestalten kann.“ Das lockt. Und: „Nach zehn Jahren Werder war es an der Zeit sich zu verändern…“

In Wolfsburg zieht Rebbe an den Steimker Berg, wird Allofs‘ rechte Hand, erst als Assistent und 2015 als „Leiter Sport“ mit größerer Verantwortung. Profiteam, Nachwuchs und U 23, Scouting und Platzpflege gehören zu seinen Aufgabenbereichen. Er verhandelt bei Transfers, strukturiert den sportlichen Bereich um und baut sich vor allem weiter ein umfangreiches Netzwerk auf. Bei der Verpflichtung von Mario Gomez ist er im Sommer schon maßgeblich beteiligt - sein bis dahin größter Coup. „Es hört sich vielleicht etwas platt an“, sagt er heute, „aber diese Art von Arbeit war immer mein Traum.“


Was ihm fehlt, ist „Stallgeruch“. Anders als Max Eberl, Michael Preetz, Michael Zorc und Co. hat er nie ein Profispiel bestritten. Ist das ein Problem? Bei dieser Frage zieht Rebbe die Augenbrauen hoch. „Ich glaube, es sind in der Liga immer mehr Menschen unterwegs, die diese Art von Stallgeruch nicht haben. Ich bin da kein Sonderfall. Ich habe zwar nicht in der Bundesliga gespielt, aber ich bin seit über zwölf Jahren auf einem hohen Niveau im Profifußball tätig.“

Dass er kaum älter als die Spieler ist, ist für ihn kein Problem - Rebbe ist ohnehin keiner, der seine Ziele mittels übersteigerter Autorität erreicht. Er ist eher der konsequent-sachliche Überzeuger und ein Teamplayer, und damit eine Figur, die dem VfL nach dem Chaos der letzten Monate guttut. Die Sprache der Spieler spricht er ohnehin, und mit dem liebsten Hobby der heutigen Profi-Generation kennt er sich auch aus: Zur Entspannung zockt er gern mal eine Runde FIFA auf der Playstation. Steuert er dabei den VfL? „Nein“, sagt er und grinst, „ich nehme lieber kleinere Klubs - da kann man aus weniger viel machen …“

von Andreas Pahlmann

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