13. Mai 2014 / 14:33 Uhr

Der Ostfußball liegt am Boden

Der Ostfußball liegt am Boden

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Der Ostfußball liegt am Boden
Der Ostfußball liegt am Boden
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Fünf Jahre kein Erstligist und nun auch nur noch drei Zweitligisten! Wie soll es weiter gehen?

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Ein Trabant steht für das Ende des DDR-Fußballs. Hans-Georg Moldenhauer, der Chef des Verbandes, schenkte dem Deutschen Fußball-Bund 1990 zum Beitritt das Ost-Auto. „Das war eine spontane Idee, den habe ich über Nacht noch Schwarz-Rot-Gold lackieren lassen“, erinnert sich der 72 Jahre alte Magdeburger. Damals war der frühere Torwart für sein Verhandlungsergebnis kritisiert worden. Drei bis vier Ostvereine in der Bundesliga, zehn in der zweiten Liga – das war der Vereinigungs- Wunsch. Am Ende spielten Hansa Rostock und Dynamo Dresden in der Bundesliga. Stahl Brandenburg, der Chemnitzer FC, Carl Zeiss Jena, der VfB Leipzig, der Hallesche FC und Rot-Weiß Erfurt durften in der 2. Bundesliga antreten. „Heute würden wir darüber jubeln“, sagt Moldenhauer über die „Zwei-plus-sechs-Lösung“.

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Denn die Bestandsaufnahme ist ernüchternd: Die fünf neuen Länder sind seit fünf Jahren nicht mehr im Oberhaus vertreten. Nach dem Abstieg von Energie Cottbus und Dynamo Dresden kicken in der kommenden Saison nur noch drei Clubs des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) in der zweiten Liga: Union Berlin, Erzgebirge Aue und RB Leipzig. Viele Vereine aus dem Osten konnten im Profifußball nicht dauerhaft Fuß fassen. „Der Ostfußball liegt am Boden“, sagt der frühere DDR-Auswahltrainer Eduard Geyer über das Tief zwischen Kap Arkona und Erzgebirge. Manch Traditionsclub ist sogar bis ins Amateurlager abgerutscht.

Mal waren es unfähige Funktionäre, die in den Vereinen mehr Frust als Lust hinterließen. Etwa der Baulöwe Rolf-Jürgen Otto in Dresden. Oft ist sind es die strukturellen Nachteile, die nicht kompensiert werden können. „Es sind Fehler im Management gemacht worden. Dass es kein Ostteam in der Bundesliga gibt, liegt aber auch an den wirtschaftlichen Problemen“, unterstreicht NOFV-Präsident Rainer Milkoreit. „Viele große Sponsoren haben ihren Hauptsitz im Westen und nur Dependancen im Osten. Sie kümmern sich lieber um Vereine in ihrer Nähe“, ergänzt Moldenhauer.

Wirtschaftswissenschaftler Michael Schädlich rechnet vor: „Wenn die Leistungskraft der Wirtschaft nur bei 80 Prozent des Westens liegt, kann auch das Sponsoring nur 80 Prozent betragen.“ Schädlich ist Präsident des Drittligisten Hallescher FC. Vor einem Jahr hat er eine Osthilfe des Deutschen Fußball-Bundes gefordert. Das Echo war vergiftet. „Ich wollte nichts geschenkt haben“, betont Schädlich nun. Es ging um Kredite für Investitionen in die Infrastruktur der Vereine.


Doch eine „Lex Ostfußball“ ist nicht mehr vermittelbar. Das räumt selbst NOFV-Boss Milkoreit ein: „Auch im Westen gibt es hilfsbedürftige Vereine. Daher können wir nicht auf eine Ost-Hilfe vom DFB hoffen. Wir müssen mit der Strukturschwäche leben.“

Energie Cottbus und Hansa Rostock haben bewiesen, dass die Rückstände zumindest vorübergehend zu kompensieren sind. Die Hanseaten hielten sich 20 Jahre in der ersten oder zweiten Bundesliga, die Lausitzer kommen immerhin auf 17 Spielzeiten im Profilager. „Den Abstieg von Cottbus habe ich überhaupt nicht erwartet“, staunt Moldenhauer. „Energie war ein Vorzeigeverein, die Arbeit hat mir imponiert.“ Rostock und Cottbus haben ein vernünftiges Stadion. Doch ohne regelmäßige überregionale Fernsehübertragungen kneifen Sponsoren schnell. So dürfte die sofortige Rückkehr kompliziert werden.

Bei den Drittligisten Erfurt, Chemnitz und Halle weiß man, wie eng der Flaschenhals nach oben in die zweite Liga ist. „Im Mittelfeld stoßen wir an unsere Grenzen“, sagt HFC-Präsident Schädlich. Bei Verhandlungen mit potenziellen Verstärkungen zieht er oft aus finanziellen Gründen den Kürzeren.