13. März 2019 / 11:45 Uhr

Der Platzwart: Präsidentensuite legt Schalter um - außer Besen nichts gewesen

Der Platzwart: Präsidentensuite legt Schalter um - außer Besen nichts gewesen

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Präsident Martin Kind legte in seiner Suite kurzerhand den Schalter um - es wurde Schnee. Das half den Roten und wurde ihnen gleichzeitig zum Verhängnis. Beweis? Haraguchi hätte fast ein Tor gemacht. Der Platzwart analysiert.
96-Präsident Martin Kind legte in seiner Suite kurzerhand den Schalter um - es wurde Schnee. Das half den Roten und wurde ihnen gleichzeitig zum Verhängnis. Beweis? Haraguchi hätte fast ein Tor gemacht. Der Platzwart analysiert. © imago/Montage
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Ein Mann sorgte für freie Linien auf dem Geläuf der HDI-Arena. Ein anderer Mann sorgte für "Scheißwetter". Kein Dreier, zwei Helden und eine Niederlage. Es war kein normaler Sonntag, dabei waren die Vorzeichen doch ganz andere. Der Platzwart schildert seine verschwommene Sicht. 

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Ein Märzsonntag in Hannover. Die Kleingärtner schneiden das Obstgehölz und nähren die Zucchinibeete mit Schafdungpellets, in der Singvogelszene beginnen die Proben für die Konzertsaison. Im Fußballstadion von Hannover 96 reisen gut gelaunte Männer aus dem Rheinland an, im Gepäck kurze Hosen, im Kopf Gedanken von Tabellenplätzen an der Sonne.

Präsident ruft Qualitätswolken auf den Plan

Da greift ein älterer Herr mit Gelegenheitsbart in der 96-Präsidentensuite zum Hebel, mit dem man von „Frühling“ auf „Scheißwetter“ stellen kann. Automatisch werden alle Qualitätswolken aus der Region und dem gesamten südöstlichen Niedersachsen außer Braunschweig zusammengezogen. Gegen 18 Uhr soll ein Fußballspiel beginnen, ein normales Fußballspiel eines Europapokalanwärters bei einem Abstiegskandidaten. Aber es kommt anders.

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Entweder man guckt 96 oder Fußball

Schon seit einigen Tagen sind sich die 96-Verantwortlichen nicht einig, ob die Mannschaft lebt (Version Trainer, manche Spieler) oder kaputt und gescheitert ist (Version Präsident) und sich ein Vierteljahr vor Schluss aufgeben und den Wiederaufstieg planen sollte. Schwierige Bedingungen. Für alle. Nun schneit es. Unten auf dem Rasen laufen rot gekleidete Männer herum. Ein Fußballspiel findet hier augenscheinlich nicht statt, denn 1) sind keine Leverkusener zu sehen, 2) ist kein Ball zu sehen, 3) sind keine Linien zu sehen oder dem Platzwart ist der Kreidewagen explodiert und 4) guckt man in dieser Saison entweder Hannover 96 oder Fußball.

Leverkusen getarnt

Dann wird ein Ball eingewechselt. Nach einer halben Stunde steht es 0:2, die Roten müssen also 96er sein. Die Leverkusener, für die Schnee im Umfeld von Fußball nichts Neues ist, geben vor, nur die weißen Sportsachen dabeizuhaben. Die blau-gelben Auswärtstrikots bleiben aus Sicherheitsgründen im Bus und ohne weitere Erwähnung.

Der Schneefall wird dichter. Die Rasenheizung in Hannover ist klimawandelbedingt an umliegende Kleingärtner vermietet worden, die unter dem Stadion HDI-Tomaten und Zucchini ohne Schafdungpellets anbauen. An diesen Stellen wird der Rasen warm, es bilden sich Pfützen. Pech für Genki Haraguchi. Sein Vollspannschuss bleibt auf der Linie im Schmelzwasser liegen. Ein Bild für die Ewigkeit. Thomas Doll wäre ein Tor angeblich lieber gewesen.

Eine Szene für die Ewigkeit im Ablauf: 96-Profi Genki Haraguchi trifft fast gegen Bayer Leverkusen

Genki Haraguchi lenkt den Ball nach rechts. Lukas Hradecky ist auf dem Weg Richtung Ball.  Zur Galerie
Genki Haraguchi lenkt den Ball nach rechts. Lukas Hradecky ist auf dem Weg Richtung Ball.  ©
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Ein "Kachelschrubber" sind zehn zu wenig

Kurz vor der Halbzeit ordnet der Schiedsrichter die Freilegung der Spielfeldlinien an. Das Problem: Im Stadion befindet sich zu diesem Zeitpunkt genau ein Besen. Ein alter Kachelschrubber des früheren 96-Arztes Fego Kregehr. Oben tagt der Krisenstab. Es gäbe auf den Herrentoiletten etwa 300 Klobürsten, fast alle unbenutzt. Es wird als Scheißidee verworfen.

Der Herr der Linien

Mitarbeiter werden ausgesandt. Kurz vor 19 Uhr öffnet ein älteres Ehepaar in der Stammestraße einem jungen Mann, der nach einem Besen für das Spielfeld in der HDI-Arena fragt. Es wird als schlechtester Enkeltrick aller Zeiten in die Geschichte von ­Ricklingen eingehen. Währenddessen realisiert der Mann mit dem einzigen Besen im Stadion, dass er nun der Herr der Linien ist. Er könnte den Leverkusener Strafraum einfach vergrößern: Foul an Bakalorz kurz hinter der Mittellinie – Elfmeter. Gedankenbesoffen legt er eine spielerische Linie am Mittelkreis frei, es ist die erste für Hannover 96 in dieser Saison. Am Ende bleiben ein denkwürdiges Spiel, ein wenig Hoffnung und mit Blick auf die Tabelle die Erkenntnis: Außer (einem) Besen nichts gewesen.

Info: Karten für die Platzwart-Lesungen am 25./31. Mai und 1. Juni gibt es am Sonnabend ab 13.30 Uhr in der Kneipe Nordkurve am Stadion.

Bilder vom Spiel der 1. Bundesliga zwischen Hannover 96 und Bayer 04 Leverkusen

Leverkusens Kai Havertz (links) ist deutlich vor Hannovers Walace am Ball. Zur Galerie
Leverkusens Kai Havertz (links) ist deutlich vor Hannovers Walace am Ball. ©

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