21. April 2015 / 22:12 Uhr

Der Platzwart: 96 wird für einen Tag zum Club Panamera

Der Platzwart: 96 wird für einen Tag zum Club Panamera

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Der 20. April 2015. Das Protokoll eines außergewöhnlichen Tages in Gelsenkirchen, Gladbach und Hannover.

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7 Uhr: Die Sonne lacht, Europa-League-Wetter beim Tabellenfünfzehnten in Hannover. Tayfun Korkut zieht sich den Trainingsanzug an. Die Mannschaft wird per Sammel-SMS geweckt. Text: „Wir brauchen Willen, Mumm und Eier und endlich wieder mal ‘nen Dreier“. Der Inhalt der SMS ist seit Dezember unverändert.
7.30 Uhr: Alle stehen auf.
8.00 Uhr: Schmiedebach steht auf.
9 Uhr: In Gelsenkirchen wird eine staubige Plane langsam von einem alten Porsche gezogen.
9.30 Uhr: Der Porträtmaler wird in die 96-Geschäftsstelle bestellt. In der Galerie Ex-Trainer wird ein leerer Rahmen neben dem Slomka-Konterfei aufgehängt. Tayfun Korkut ahnt nichts Gutes.
10 Uhr: 96 teilt mit: Training fällt aus. Stattdessen eine Laufeinheit. Ohne Korkut. Rechtsverteidiger João Pereira hat den Ernst der Lage erkannt. Er postet seine neuen Fußballschuhe „Puma Dragon, Special Edition“ auf Instagram und Twitter.
10 Uhr, Gelsenkirchen: Ein eleganter Mann steigt in seinen Porsche. Polo-Shirt Fruit of the Loom, Barock-Skinny Jeans Palomino Adult, edle Halbschuhe aus handgewürgtem Nilpferdleder. Er richtet Innen-, Seiten- und Schminkspiegel aus, glättet sein Gesichtshaar und drückt den Anlasser. Nichts passiert.
11 Uhr: Tayfun Korkut verabschiedet sich vom Kader. Später wird von einem emotionalen Moment die Rede sein, schweißgebadete Spieler sollen minutenlang nach Luft gerungen haben. Lauftrainer Zembrod guckt schuldbewusst zu Boden. João Pereira zeigt Korkut seine neuen Schuhe.
12 Uhr: Ein Garten in Gladbach, Michael Frontzeck mäht den Rasen.
13 Uhr: Der Porsche läuft. Der Kompass ist auf Nordost eingestellt. Reicht. Das Fahrzeug verfügt über das Assistenzsystem ACC (Adaptive Coach Control), es steuert Geschäftsstellen von trainerlosen Vereinen vollautomatisch an. Höhe Kamener Kreuz klingelt das Bordtelefon. Wie erwartet. Hannover ruft. Der Fahrer spuckt sein Kaugummi lässig aus dem Fenster. Leider ist die Scheibe zu.
14 Uhr: In Hoffenheim wird die Nachricht, dass in Hannover die Ultras ins Stadion zurückkehren, als Bestätigung der eigenen Attraktivität interpretiert.
14.30 Uhr: Mirko Slomka sagt 96 ab. Er hat einen Vorvertrag über die letzten drei Spiele beim HSV in der Tasche.
15 Uhr: Ein Garten in Gladbach, Michael Frontzeck schneidet die Buchsbaumhecke.
15 Uhr, Hannover: Vor dem Haupteingang des Courtyard-Hotels am Maschsee steht ein schwarzer Porsche Panamera mit Kaugummi an der Seitenscheibe. ER ist da. Peter Neururer parkt unauffällig, wie immer bei Geheimverhandlungen. Erste Pressekonferenz im Stehen, dann ab zu den 96-Unterhändlern, die mit dem Geldkoffer im Hotel warten. Eine halbe Stunde nach Beginn des Gesprächs kommt Martin Kind erstmals zu Wort.
15.45 Uhr: In einem Garten in Gladbach stellt Michael Frontzeck die familieneigenen Gartenzwerge auf – im klassischen 4-4-2. Zehn Minuten später bekommt Martin Kind einen Zettel, auf dem „Frontzeck, 4-4-2“ steht. Derweil zeigt Peter Neururer in Photoshop, wie lustig er mit roten Haaren aussähe.
16 Uhr: Zweite Spontanpressekonferenz vor dem Hotel. Neururer freut sich auf den Job, gibt Saisonziele für 2015/2016 aus, schlägt Club Panamera und Petersburg als neue Rufnamen für Verein und Stadion vor. Kurz darauf verlassen Stefan Effenberg und Lothar Matthäus ihr Zweimannzelt im Maschpark und fahren nach Hause.
16.30 Uhr: Martin Kind ruft in Gladbach an, Michael Frontzeck sagt Ja.
20 Uhr: Kind, Dufner und Frontzeck treffen sich in der hannoverschen Traditionsgaststätte „Da Lello“, es gibt „Calenberger Pfannenschlag alla romana“. Kind freut sich, dass seine Frisur im Verein mittlerweile mehrheitsfähig ist.
20.30 Uhr: Peter Neururer ist noch in Hannover, er erfährt auf dem Frühlingsfest bei einer Runde „Crazy Mouse“ von Frontzecks Verpflichtung für fünf Spiele. Neururer überlegt, ob er warten soll, bis sie ihn wieder anrufen. Später am Abend, Neururer entdeckt ein verwaistes Zweimannzelt im Maschpark. Er kauft sich eine Zehner-Karte „Crazy Mouse“. Er bleibt.
23.59 Uhr: João Pereira macht das Licht aus, seine „Puma Dragon Special Edition“ fest im Arm. Er wundert sich. Alle waren so aufgeregt heute. Was ein Paar neue Schuhe doch alles bewirken kann.