30. September 2020 / 17:41 Uhr

Der Platzwart: Das Jonathas-Paradox - oder die vierte Transferphase bei Hannover 96

Der Platzwart: Das Jonathas-Paradox - oder die vierte Transferphase bei Hannover 96

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Viel Geld, wenig Sinn: Das ist üblicherweise die Marschroute bei Hannover 96, wenn der Transferschluss bevorsteht - auch Jonathas-Paradox genannt.
Viel Geld, wenig Sinn: Das ist üblicherweise die Marschroute bei Hannover 96, wenn der Transferschluss bevorsteht - auch Jonathas-Paradox genannt. © Florian Petrow / imago images
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Kenan Kocak wartet bei Hannover 96 vergeblich auf weitere Verstärkungen für die Abwehr, dabei müsste man sich einfach mal auf die unerschlossenen Märkte in Smyrnis oder Woldograd konzentrieren. Der Platzwart nimmt die 96-Transferpolitik gewohnt scharfsinnig unter die Lupe.

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Warum steht ein Pils im Wald? Weil Tannen zapfen! Unter anderem mit diesem Witz wurde am vorigen Sonntag unser Sonnyboy Timo Hübers am späten Abend dem norddeutschen Fernsehpublikum vorgestellt.

Glücklicherweise durfte Hübers danach ein Interview geben und mit ein paar klugen Antworten (96? Tolle Menschen! Viel Spaß! 1. Liga! Derbysieg!) einiges geraderücken, sonst würden die Fernsehzuschauer im Norden für alle Zeiten denken, dass das Heizen mit Torf in Hannover Standard ist.

Apropos Standard. Einstelliger Tabellenplatz, irgendwo da, wo auch der große FC Bayern München in diesen Tagen zu finden ist: Man könnte schlechter in eine Saison starten. Trotzdem ist man bei 96 unzufrieden. Drei Pflichtspiele, immer noch nicht aufgestiegen oder zumindest den Pokal gewonnen, dafür schon vier Gegentore, alle nach Standards, konkret Ecken und Elfmeter. Es ist, als seien Felipe und Zieler nie weggegangen.

Das Jonathas-Paradox

Trainer Kenan Kocak möchte deshalb in der Abwehr personell gern nachlegen, ganz besonders, seit er aus dem Fernsehen am Sonntagabend weiß, dass der Hübers ein Studierter ist. Aber: Komischerweise stocken die Transfers bei 96. Obwohl a) Vorbereitung, b) Trainingslager und c) Saison begonnen haben – das Transfer-Triple-Drei-Phasen-Versprechen bei 96, man kennt es.

Die vierte, ultimative Phase ist die Panik-Phase kurz vor Transferschluss, erkennbar an Verpflichtungen, in denen Geld und Sinn sich verlässlich diametral verhalten. In Hannover spricht man vom „Jonathas-Paradox“. Diesen Sommer ist Jonathas in die Vereinigten Arabischen Emirate gewechselt. Jonathas Jesus spielt jetzt statt für die 96-Traditionsmannschaft für Sharjah FC. Wir wünschen ihm viel Glück.

Der Blick geht nach Wolgograd

Die aktuell heißesten 96-Kandidaten am Verstärkungshorizont sind ein Typ aus Frankfurt, der 1. Liga spielen will, und für den ein Wechsel von der Eintracht zu 96 selbst bei längerem Nachdenken und viel Fantasie wenig Sinn macht. Kleiner Tipp: Auch andere Länder haben 1. Ligen – Apollon Smyrnis in der ersten griechischen Liga könnte Hilfe gebrauchen, gar nicht zu reden von Rotor Wolgograd.

Der andere Wunsch-Kandidat von Kocak ist angeblich ein Abwehrspieler aus Sandhausen. Die kolportierte Ablösesumme beinhaltet aber offensichtlich auch die Stadion-Reparaturkosten aus dem Jahr 2017 sowie diverse Straßen- und Gleisarbeiten rund um die Hardtwald-Metropole – da könnte man auch gleich die gesamte Abwehr von Rotor Wolgograd kaufen, wäre günstiger.

Santos im Getriebe

Das verlorene Testspiel gegen den VfL Osnabrück und ein Blick in Liga eins lassen in Hannover Wehmut aufkommen. Während 96 an der Bremer Brücke Santos im Getriebe hatte, drehte der Bremer Lücke gegen Schalke 04 voll auf. Der Hattrick wäre eine prima Startelfempfehlung gegen Peine-Ost, wenn Niclas Füllkrug nicht dummerweise mittlerweile bei einer designierten Vahr-Stuhlmannschaft spielen würde.

Mehr vom Platzwart

Kenan Kocak hat zu Hause einen Trainer-Schrein – Fotos von Korkut, Klinsmann und Slomka, dazu Räucherkerzen auf einer Taktiktafel. Seit sie im Bezahlfußball vier Trainer-Kollegen nach gerade mal zwei Spieltagen entlassen haben, weiß der Übungsleiter, was die Stunde geschlagen hat. Klar, Hannover ist anders. Kocak sitzt nach zwei Spieltagen noch fest im Sattel. Selbst das Pferd scheint noch zu leben. Aber es ist Derbyzeit. Pflichtsiegzeit. Martin Kinds Lieblings-Akustik-Witz im Moment: Was ist grün und steht vor der Tür? Ein Neuzugang im 96-Auswärtstrikot? Nein, Klopfsalat!