25. März 2020 / 08:58 Uhr

Der Platzwart: Das Motto der 96-Quarantäne? Je suis Felipe!

Der Platzwart: Das Motto der 96-Quarantäne? Je suis Felipe!

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bekommt zahlreiche Unterstützung im Lazarett: 96-Dauerpatient Felipe.
Bekommt zahlreiche Unterstützung im "Lazarett": 96-Dauerpatient Felipe. © Florian Petrow / Peter Adrian / transfermarkt.de
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Bei Hannover 96 wird laut über einen Salary Cap nachgedacht. Felipe fällt bei transfermarkt.de mit seinem Verletzungssymbol nicht mehr auf. Auch sonst sind diese Zeiten verrückt. Der Platzwart sorgt für Orientierung im Corona-Dickicht - oder auch nicht.

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Die Zeiten werden immer seltsamer. Früher wollten begabte kleine Jungs Profikicker werden und unbegabte kleine Jungs Spielerberater. Heute wollen alle Virologe werden. Früher war Seuchenvogel ein Schimpfwort. Heute wissen wir: Das kann man studieren. Mit ein bisschen Timing und einem Job an der Scharritee kommt man groß raus.

Oder Viren und Olympia – schon vor knapp 50 Jahren ein Thema. Früher mit dem Vornamen Lasse, Langlauf, ein Bärtiger aus Finnland, der am liebsten allein im Wald trainierte – viermal Gold.

96 mit Abstand März-Spitzenreiter

Heute sagen sie lieber die Olympischen Spiele ab, als Viren noch mal laufen zu lassen und schicken stattdessen die Bevölkerung in den Wald. Natürlich allein. Ansonsten sollen alle versuchen, drinzubleiben. Hannover 96 versucht das schon seit Jahren, mit unregelmäßigem Erfolg. Im Moment nehmen die Profis von vielem Abstand – und schon läuft’s. Ungeschlagener Spitzenreiter des Monats März, die Bundesliga fühlt sich schon wieder ganz nah an.

Apropos nah: Im Süden von Hannover gibt es ein kleines Geschäft, einen Rewe-Ableger, nennt sich „nahkauf“. Immer proppenvoll. Man fragt sich, ob die Leute immer noch nichts begriffen haben. 96-Boss Martin Kind ist erwiesenermaßen Experte für Nahkauf. Immer, wenn eine Saison naht, wird gekauft. Wenn ein Abstieg naht, wird sowieso gekauft, und zwar wie verrückt. Anders sind die Verpflichtungen von Adam Szalai und Hugo Almeida bis heute nicht zu erklären. Erinnert sich noch jemand an Hotaru Yamaguchi? Außer Genki Haraguchi?

"Salary Cap"? So beliebt wie ein "Sellerie Wrap"

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Martin Kind will die Krise nutzen und neu denken. Jetzt also Denken – die Zeiten werden wirklich immer seltsamer. Was man so hört, denkt der Boss über einen „Salary Cap” nach, eine Gehaltsobergrenze für Profikicker. Der „Salary Cap“ soll für alle Profispieler gelten, im Gegensatz zum „Salary Gap”, der hauptsächlich für Frauen und den Osten gilt. Der „Salary Cap“ ist unter Kickern in etwa so beliebt wie ein „Sellerie Wrap“, Konditionstraining bei Felix Magath und ein Vieraugengespräch mit Ralf Rangnick.

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700.000 Euro Obergrenze? Das fordert Verzicht

Kenan Kocak hat gesagt, jetzt sei solidarisches Handeln gefragt, man dürfe nicht nur an sich denken, er verzichte auf Teile seines Gehalts. Es stimmt also, was alle immer schon vermutet haben: Der Mann ist nicht erstligatauglich! Dass Kocak, dessen Vertragsmodell sich an einem Netflix-Abo orientiert, bei 96 überhaupt ein Gehalt bezieht, hat zumindest in Hannover Nachrichtenwert.

Kind will die Gehaltsobergrenze bei 700.000 Euro einziehen. Sollten DAX-Vorstände mitlesen: Der Kind meint pro Jahr, nicht pro Woche. Aber mal ehrlich: 700.000? Da verdient ja jeder Spargelstecher mehr. Zumindest in dieser Saison. Oder Messi. Pro Minute. Um den Lebensstandard halten zu können, werden sich nicht wenige Fußballer von lieben Dingen trennen müssen. Zum Beispiel von ihrem Instagram-Account, wo man diese coolen Millionen-Dinge postet. Oder ihrer Freundin. Nicht selten geht das eine mit dem anderen. 700.000 Euro – da lohnt sich das Zählen gar nicht. Kind würde eventuell bis 700 000 +1 hochgehen. Wenn jemand gute Argumente liefert. Wie Altersarmut oder Hörgerätebedarf.

Bei transfermarkt.de sind alle 96-Spieler mit dem Verletzungs-Symbol markiert – wegen der Quarantäne. Motto der Aktion: Je suis Felipe!