21. Oktober 2020 / 15:41 Uhr

Der Platzwart: Der Kokenhof wechselt den Besitzer - was wird aus der Säbener Straße des Nordens?

Der Platzwart: Der Kokenhof wechselt den Besitzer - was wird aus der Säbener Straße des Nordens?

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wo tagt künftig der 96-Krisenstab um Kocak und Kind? Der berühmt-berüchtigte Kokenhof wechselt den Besitzer.
Wo tagt künftig der 96-Krisenstab um Kocak und Kind? Der berühmt-berüchtigte Kokenhof wechselt den Besitzer. © Moritz Frankenberg / Florian Petrow / Maike Lobback
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Die Länderspielpause sorgte bei Hannover 96 für Gesprächsbedarf. Dafür setzt man sich normalerweise im altbewährten Kokenhof zusammen. Doch der berühmt-berüchtigte 96-Schauplatz gehört nicht mehr Martin Kind. Was sich deshalb alles ändert, darüber spekuliert der Platzwart.

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Zwei Partien ohne Länderspielpause? Daran muss Hannover 96 sich erst mal gewöhnen. Jedes zweite Spiel auswärts? Auch daran arbeitet 96. Zwei Punkte pro Spiel, wie sie Sportchef Gerhard Zuber für den Aufstieg fordert – gegen Düsseldorf vier Punkte, und man wäre voll im Soll.

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Bis dahin feiert Hannover 96 weiter seine Siegesserie gegen Peine-Ost. Die verbleibende Saison? Pillepalle, wie man in Fußballerkreisen sagt. Kenan Kocak könnte sich aufregen.

Haraguchi und der Mindestabstand

Die Nationaltrainer sehen das sowieso anders. Sie sind froh, dass sie ihre Teams bereits in drei Wochen wieder zusammenhaben und ihre Spieler sicher quer durch Europa reisen lassen können, anstatt sie von ihren Vereinen verantwortungslos zu nutzlosen Pflichtspielen in Risikogebiete wie Paderborn oder Osnabrück zu schicken.

Beispiel Genki Haraguchi: Bleibt vor dem 0:1 in Paderborn mit vorbildlichem Mindestabstand zu Gegenspieler und Mitspieler stehen. Das wäre ihm auf der Länderspielreise nicht passiert. Da waren gegen Kamerun mit Abstrichen alle sicher, es hieß ja schon „Testspiel“.

Wie lautet eine alte japanische Weisheit: Willst du dir was Gutes tun, tu es gegen Kamerun. Und weil der japanische Nationaltrainer bei allem Testspielstress sogar an die Vereinskarriere seines Spielers und an Hannover 96 gedacht hat, hat er Haraguchi geschont und ihn in der 88. Minute vom Feld genommen.

Klares Zugeständnis bei Bijol

Genau wie der Coach von Slowenien. Anstatt Jaka Bijol drei wichtige Freundschaftsspiele durchspielen zu lassen, setzt er ihn nur zweieinhalb Spiele innerhalb von acht Tagen ein. Ein klares Zugeständnis an Hannover 96 und dessen Trainer.

Und Neuzugang Simon Falette hat sich gewissenhaft in der Quarantäne auf sein 96-Debüt vorbereitet, weil er mit Guinea gegen Kap Verde spielen durfte – seit frühester Jugend Falettes Traum. Kenan Kocak könnte sich aufregen.

Da ist Gesprächsbedarf, und wenn bei 96 Gesprächsbedarf ist, zieht man sich normalerweise in die Beschaulichkeit des Luftkurortes Großburgwedel an der A 7 zurück und tagt im Kokenhof, also quasi bei Martin Kind zu Hause. Früher zumindest. Doch das wird nun kompliziert. Denn Martin Kind hat verkauft. Ausnahmsweise mal keine Leistungsträger und Publikumslieblinge, sondern die Pacht für den Kokenhof, die Säbener Straße des Nordens.

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Kokenlöwe in Großwildwedel

Hier, wo schon Thomas Brdaric, Mike Hanke und unzählige Hörgerätevertreter saßen, wo Dieter Schatzschneider das „All you can eat“ und Martin Kind das „All you can meet“ erfunden haben und die Peter-Neururer-Suite mit der Jeanstapete nur an Staatsgäste vermietet wird, residiert ein neuer Pächter: der Partylöwe.

Vielleicht heißen Kokenhof und Kokenstube bald also Partyhof oder Löwenhof. Wobei Löwenhof aus Sicht von Hannover 96 pietätlos gegenüber den Serienverlierern aus dem Osten wäre. Denkbar wäre deshalb auch Partystube oder Kokenlöwe. In Großwildwedel. Klingt hinreichend exotisch und verweist dezent auf den Vorbesitzer.

Unabhängig von der Namenswahl müssen sie bei Hannover 96 in Zukunft während der Transferphase die Geschäftsstelle heizen – es könnte ja jemand vorbeikommen und unterschreiben wollen. Aber vielleicht finden die vertraulichen Gespräche demnächst einfach hinter zugezogenen Jalousien in einem Ladenlokal in der Innenstadt inmitten von lauter Hörgeräten statt und alles bleibt beim Alten. Kenan Kocak könnte sich aufregen.