26. Februar 2020 / 11:47 Uhr

Der Platzwart: Die "Lex Zuber" und ihre Folgen - Wie viele Sportchefs hat Hannover 96?

Der Platzwart: Die "Lex Zuber" und ihre Folgen - Wie viele Sportchefs hat Hannover 96?

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wie viele Sportchefs muss Hannover 96 unbefristet wiedereinstellen? Der Platzwart spekuliert über mögliche Folgen der Lex Zuber.
Wie viele Sportchefs muss Hannover 96 unbefristet wiedereinstellen? Der Platzwart spekuliert über mögliche Folgen der "Lex Zuber". © Katrin Kutter / Florian Petrow / imago images/Sven Simon / Ulrich zur Nieden / Madsack-Archiv
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Hannover 96 und die Gerichte, das ist eine "never ending story". Das jüngste Streitthema: Die Laufzeit der Verträge ehemaliger und aktueller 96-Manager. Der Platzwart schaut sich mal an, was die "Lex Zuber" nach sich ziehen könnte.

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Hannover, Leonhardtstraße 15, ein Vormittag. Im Arbeitsgericht Hannover legt der Hausmeister einen Stapel neuer Vordrucke im Foyer aus. Es sind Klagevordrucke für wiederkehrende Verfahren vor dem Arbeitsgericht Hannover. Ein großer Stapel. Die neuen Vordrucke heißen „Klage gegen eine Befristung eines Arbeitsvertrages als Sportlicher Leiter“. Rechtliche Grundlage ist die „Lex Zuber“, wonach man als Sportlicher Leiter von Hannover 96 nicht entlassen werden kann, solange Martin Kind im Amt ist. Juristen sprechen von einer Ewigkeitsklausel, Laien von Festanstellung. Nachmittags, die Formulare sind weg. Alle.

"Zuber libre" an der Vereinsbar

Bingen am Rhein, Morschfeldweg 24, das Haus der Familie Schlaudraff. Der Sohn des Hauses hat neuerdings Tagesfreizeit und schmutzige Wäsche mitgebracht. Der junge Mann beugt sich über das Kleingedruckte in der „Klage gegen eine Befristung eines Arbeitsvertrages als Sportlicher Leiter“. Jan Schlaudraff ist froh, das letzte Exemplar ergattert zu haben. In der Drehtür der Leonhardtstraße 15 wäre er fast mit Dirk Dufner und Martin Bader zusammengestoßen, beide auf der Durchreise, beide in Eile und mit einem Stapel Papier unter den Armen.

Tags zuvor war Schlaudraff von seinen Aufgaben bei 96 freigestellt worden, weil aus dem Hannover-Modell ein Auslauf-Modell geworden ist. Am gleichen Tag hatten Gerhard Zuber und Kenan Kocak zwei „Zuber libre“ an der Vereinsbar bestellt und sich gläserklirrend zur Kaderplanung verabschiedet. Das Nachmittagstraining durfte Rolf Moßmann leiten, dunkle Brillen für alle – Vorbereitung auf das nächste „Flutlichtspiel“ in Cottbus, alles nur eine Frage der Zeit. Zuber trägt auch eine Sonnenbrille – er ist Tageslicht im Büro noch nicht so gewohnt.

Muss 96 bald anbauen?

Hannover, Robert-Enke-Straße 3, 96-Headquarter, Außenstelle der Deutschen Fußball-Liga für Rechtsfragen mit Blick auf die BGB-Arena. Hobbyjurist Martin Kind klärt neuerdings wichtige juristische Sachverhalte für den deutschen Profifußball, weil es sonst nichts zu tun gibt. Bei 50+1 hat das schon mal ganz gut geklappt, wenn auch nicht in seinem Sinne – abgelehnt. Der Einspruch gegen das Ausgleichstor von Wiesbaden – abgelehnt. Die Befristung von Zubers Vertrag – abgelehnt. Seitdem hat Hannover 96 zwei Sportchefs. Mindestens. Wenn die Entscheidung des Arbeitsgerichts rückwirkende Wirkung hat, muss 96 anbauen, am besten irgendwas Ebenerdiges mit vielen Zimmern.

Bielefeld, Melanchthonstraße 31a, Alm. Zur Abwechslung fährt Hannover 96 zum Fußballspielen nach Ostwestfalen. Wegen der Sintflut „Ansgar“ wird das Spiel um eine halbe Stunde nach hinten verschoben. In Bielefeld haben sie Zeit: Das Maskottchen der Arminia ist ein 94 Jahre alter Bulle, Name: Herr Lohmann. Law-Man, Martin Kind findet’s gut.

Torschütze in Bielefeld ist Reinhold Yabo. Er darf das. Hätte Yabo 2017 den BTSV nicht im Alleingang zerlegt, wäre 96 damals nicht aufgestiegen und Sandhausen hätte noch ein Stadion. Jetzt sorgt Yabo dafür, dass Kenan Kocak ein neues Vertragsangebot bekommt. Man muss das nicht verstehen. Kocak soll den Originalvertrag unterschrieben zurückschicken – und die Kopie in die Leonhardtstraße 15.

Wie viele Sportchefs entscheiden künftig bei 96 mit?

Bingen am Rhein, Morschfeldweg 24, die Entscheidung ist gefallen. Jan Schlaudraff will weiter Sportlicher Leiter sein und damit Nachfolger seines Vor- und Doppelgängers werden. Will Zuber auch – Doppelspitze. In der Politik total angesagt. Oder ein Triumvirat, sollte Ilja Kaenzig Interesse bekunden. Und dazu Christian Hochstätter? Modell „Vier gewinnt“? Mit Horst Heldt – „Fünf Freunde“? Jörg Schmadtke noch dabei – die 96-Sportchef-Lotterie „6 aus 49“? Reicht bei Transfers die einfache Mehrheit der Sportchefs? Oder braucht es eine Zweidrittelentscheidung? Wo sollen die alle sitzen, und wer bekommt das Diensthandy? Kein Problem, lässt sich alles regeln, die Vordrucke sind in Arbeit, Leonhardtstraße 15.

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