10. Februar 2016 / 10:53 Uhr

Der Platzwart: Haben Felipe, Prib und Klaus als Vorbilder etwa ausgedient?!?

Der Platzwart: Haben Felipe, Prib und Klaus als Vorbilder etwa ausgedient?!?

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Junge Fußballer wollen nicht mehr sein wie Hans Siemensmeyer. Oder wenigstens wie Edgar Prib. Sie wollen sein wie die Panzerknacker.

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Fußball ist zurzeit ein heikles Thema in Hannover. Zumindest wenn man es mit 96 hält und in Zukunft auch mal gegen die Bayern spielen möchte, ohne auf die erste Pokalrunde hoffen zu müssen. Aktueller Stand: sechs Spiele ohne Sieg, die Staatsanwaltschaft ermittelt, wobei die Ermittlungen angeblich in keinem Zusammenhang mit den gezeigten Leistungen der „Roten“ stehen sollen. Was eigentlich schade ist.

Hoffnungslosigkeit? Noch ist die Europa League drin!

Eine gewisse Hoffnungslosigkeit hat sich breit gemacht in Hannover. Obwohl rechnerisch noch die Europa League drin wäre, reden Menschen schon jetzt offen von Abstieg, Sandhausen und Montagsspiel, gehen statt ins Stadion zum hannoverschen Straßenkarneval oder zum 8. Internationalen Garnelenchampionat auf der abf und diskutieren die Frage, ob man Platz 17 im direkten Duell mit Hoffenheim als Prestigeerfolg einstufen kann. Aber: Um 96 im Augenblick Mut zu machen, reicht ein Blick in die Geschichte. Denn es stand schon mal ähnlich schlimm um die „Roten“.

Februar 1972, 96 kassiert ein 2:3 gegen Rot-Weiß Oberhausen, das entscheidende Gegentor schießt ausgerechnet der Valderrama der frühen Siebziger, der Berliner Föhnturm Uwe Kliemann. Allein das schon – eine Demütigung. Hannover hat 1972 nach dem 22. Spieltag 15 Niederlagen auf dem Konto, der Abstieg scheint besiegelt. Und dann folgt ein Zwischenspurt auf dem Rasen und in der Tabelle, am Ende rettet sich 96 auf Platz 16. Es steigen 1972 ab: Arminia Bielefeld und … Borussia Dortmund. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist Hannover 96 am Sonnabend beim BVB leichter Favorit.

Billy the Kid statt Hans Siemensmeyer

Einer der Führungsspieler bei 96 war seinerzeit Hans Siemensmeyer. Alle jungen Kicker in Hannover wollten sein wie Hans Siemensmeyer. Oder Jürgen Bandura. Oder Willi Reimann. Oder wenigstens wie Gerd Müller oder Katsche Schwarzenbeck. Heute, so scheint es, wollen junge Fußballspieler in Hannover sein wie Billy the Kid. Ihre Vorbilder heißen offensichtlich Al Capone, Ronald Biggs und Panzerknacker. Felipe, Edgar Prib und Felix Klaus scheinen als Identifikationsfiguren ausgedient zu haben. Warum auch immer.

2016 hat Hannover 96 14 Spieltage vor Schluss 14 Punkte und erst 14 Niederlagen auf der Uhr. Verglichen mit 1972 eine Top-Bilanz. Trotzdem scheint es im Nachwuchsbereich der „Roten“ erste Zweifel am Berufsbild „96-Profifußballer“ zu geben. Alternativen werden ausgelotet. Ein Trio aus der U19 hat sich jetzt selbstständig gemacht. Wäre der nächste Transfer bei 96 ausschließlich mit Münzgeld bezahlt worden, man hätte eine Ahnung gehabt, warum.

Medienpräsenz dank Nachwuchskickern - na endlich!

Im weitesten Sinne sind die drei Nachwuchskicker dem gelernten Metier und dem Bereich Glücksspiel treu geblieben, nur dass der Arbeitsplatz Spielhölle nicht mehr am Maschsee liegt, sondern irgendwo außerhalb der Region. Die Spielgeräte sind nicht rund, sondern eckig und machen auch Geräusche, wenn man nicht dagegen tritt. Als neue Arbeitskleidung hatten die drei ein Trikot ins Visier genommen, das schwarz-weiß quergestreift gewesen wäre, Massivhaus nicht als Schriftzug auf der Brust, sondern drumherum. Schon vor Abschluss der Ermittlungen ist ein Ergebnis zu verzeichnen: 96 mit deutlicher Präsenz in den Medien, bundesweit. Das haben die Profikicker in der Rückrunde bislang nicht geschafft.

Auch dieses Jahr: Platzwart live – die Saisonbilanz am 20., 26. und 27. Mai in der Fußballkneipe „Nordkurve“. Vorverkaufstermin vor Ort: 21. Februar, 14.30 Uhr, Robert-Enke-Straße 2.