05. Februar 2020 / 08:42 Uhr

Der Platzwart: 2046: Hannover 96 wird 150 Jahre alt - und Martin Kind braucht kein Vitamin Zäh

Der Platzwart: 2046: Hannover 96 wird 150 Jahre alt - und Martin Kind braucht kein Vitamin Zäh

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
2046: Auch im hohen Alter wird 96-Profichef Martin Kind noch an der Spitze des Vereins wirken, ist sich der Platzwart sicher. Sein potenzieller Nachfolger Dr. Alexander Kind darf warten - und ist mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste.
2046: Auch im hohen Alter wird 96-Profichef Martin Kind noch an der Spitze des Vereins wirken, ist sich der Platzwart sicher. Sein potenzieller Nachfolger Dr. Alexander Kind darf warten - und ist mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste. © imago/Panthermedia/Petrow/Montage
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Ein Blick in die Glaskugel: Amerika hat seine Mauer, Merkel trifft sich immer noch mit Putin und auch Martin Kind hat noch den Hut auf. Zumindest bei Hannover 96. Er hat ja keine Wahl. Wo die Roten im Jahr 2046 stehen und was sich alles (nicht) verändert hat, das hat der Platzwart mal skizziert.

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Die Welt im Jahre 2046: US-Präsident Ronald Trump feiert Richtfest. Die Mauer, die sein Großvater Amerika, dem „Land of the freak“, versprochen hatte, ist fast fertig. Wladimir Putin empfängt in der russischen Hauptstadt Tripolis die Gesandte des Oblasts Germanija, Angela Merkel. Beide schwören auf Vitamin Zäh.

5.000 Rubel für ein Bier

In Hannover, der Kulturhauptstadt von 2025, hat der drittgrößte Fußballverein Jubiläum: Hannover 96 wird 150 Jahre alt. An seiner Spitze sitzt einer, der braucht zum Weitermachen kein Vitamin Zäh – Martin Kind. Der 101-Jährige unterstützt seit 70 Jahren den Club, in schlechten wie in ganz schlechten Zeiten.

Nach einer Phase des Aufbruchs und der Erstklassigkeit war es ab 2019 mit dem Verein steil bergab gegangen: Zweitklassigkeit, Drittklassigkeit, vierte Liga und Derbys gegen Arminia, dem inzwischen zweitgrößten Verein der Stadt. Im Stadion, der Kukident-Arena, trotzdem immer konstant 22.400 Fans, und das, obwohl ein Bier und die Hirsebratwurst mittlerweile 5.000 Rubel kosten.

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Martin Kind wäre gern in die zweite Reihe gerückt, aber den Verein im Niedergang zu verlassen? Unmöglich! Außerdem musste eine Hannover-Philosophie erarbeitet werden, ständig gab es Neuanfänge, Sponsoren kamen und gingen, und mit den ganzen Lohnfortzahlungen kannte sich nur noch einer aus – da konnte er nicht einfach hinschmeißen. Am Ende hätten der Zuber und der Kocak wieder geklagt wie zwischen 2019 und 2037 – eine schlimme Zeit für 96.

96 in der Luft-raus-Liga

Beide waren irgendwann zur Konkurrenz gewechselt, Spartak Bemerode, dem größten Verein der Stadt, eine Franchise des russischen Großkomödianten Igor Insterburg. 96 spielte mittlerweile in der Federal Former Famous Football Teams-Liga, kurz Fffft, genannt die Luft-raus-Liga, zusammen mit Größen aus der Zeit des 4:3-Fernsehens: Honved Budapest, ZSKA Sofia, Dnipro Dnipropetrowsk, Nottingham Forest, Bayer Uerdingen, Hayduk Split, Jeunesse Esch und Cosmos New York. Aktuell Platz 16, aber man kann nicht absteigen.

Dr. Alexander Kind wartet seit 2019 auf Beförderung zum 96-Chef, „Charles“, wie er gerufen wird, verkauft zum Zeitvertreib analoge Hörgeräte bei Ebay. Doch Vater Martin bleibt. Billy the Kind, wie er genannt wird, weil er in 70 Jahren 72 Trainer abgeschossen hat. Sein Label „KMW“ (Kind macht weiter) hat er sich schützen lassen, im barrierefreien Old-Ultra-Block H31 hat man das nie richtig verdaut.

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Die Mannschaft war seit 2020 weitgehend zusammengeblieben und wurde 2022 offiziell als regionales Kulturerbe im Ganzen für unverkäuflich erklärt. Matthias Ostrzolek und Miiko Albornoz arbeiten bis heute als Performance-Coaches und sind in der Lage, passives Abseits auf 14 Sprachen zu erklären.

Auch wirtschaftlich hatte Kind Recht behalten. Kaum war 50+1 gefallen, strömte das Geld lokaler Investoren zu Hannover 96: Das Mäntelhaus Kaiser ist Trikotsponsor, der Schlüsseldienst Laatzen präsentiert die Zuschauerzahl, Gerhard Schröder ist Markenbotschafter – was will man mehr? Manche sagen: Wie wäre es mit einem Nachfolger? Als ob das so einfach wäre. Martin Kind wundert sich auch 2046 noch, wie wenig Ahnung die Menschen in Hannover von Fußball haben.