18. Dezember 2020 / 10:35 Uhr

Fußball kein Eiskunstlauf? Trotzdem will 96 den Doppelflip machen!

Fußball kein Eiskunstlauf? Trotzdem will 96 den Doppelflip machen!

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dirigent an der Bande, pardon, am Spielfeldrand: Kenan Kocak nimmt nur scheinbar Anleihen aus dem Eiskunstlauf.
Dirigent an der Bande, pardon, am Spielfeldrand: Kenan Kocak nimmt nur scheinbar Anleihen aus dem Eiskunstlauf. © imago images/AFLOSPORT/Florian Petrow
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Nach der Niederlage in Heidenheim sprach Kenan Kocak davon, dass Fußball kein Eiskunstlauf sei. Den Platzwart stimmen diese Worte nachdenklich. Ist Handball dann etwa auch kein Tauziehen? Und außerdem weiß er: Der 96-Trainer will mit seinem Team in Regensburg den Doppelflip schaffen. 

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Hannover nach dem 0:1 in Heidenheim? Praktisch abgestiegen. Auf Augenhöhe mit Kickers Offenbach und dem FK Pirmasens. Kocaks Kanonenfutter ohne Torschuss und ohne Chance gegen die Elf von Heidenheim-Trainer Frank Schmidt, dem Mann, dessen ausgebeulte Jeans die Zier eines jeden Textilmuseums wären. Materialverschwendung, klar. Aber auch der Style der Sieger. Mit Bollerjeans in die 1. Bundesliga, die waren schon mal nah dran. Und was die Hosenmode angeht, da haben an der Seitenlinie schon ganz andere gepunktet.

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Hannover 96 ist seit Heidenheim weit weg von der 1. Bundesliga. Obwohl Cheftrainer Kenan Kocak der Mannschaft trotz fehlender Chancen in der zweiten Hälfte ein „Riesenspiel“ attestierte und dazu noch anmerkte: „Fußball ist kein Eiskunstlauf!“ Klare Worte. Die nachdenklich machen.

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Wenn Fußball kein Eiskunstlauf ist, ist dann etwa Handball auch kein Tauziehen, wie man jahrelang vermutet hat? Stellt sich der Trainer der Kegelbrüder der SK Münstermaifeld nach einer Niederlage gegen den KSC Hüttersdorf vor die Weltpresse und sagt: „Wir haben in der zweiten Halbzeit ein Riesenspiel geliefert, aber Kegeln ist nun mal kein Karate?“

Und was machst du als Eiskunstläufer, wenn der Herr Kocak mit so einem Satz um die Ecke kommt? Vor der nächsten Kür beim Einlaufen einfach mal den Gegner abgrätschen? Es hat sogar Vorteile, Eiskunstläufer zu sein und sich beispielsweise nicht zu schnäuzen, indem man ein Nasenloch zuhält und den Rotz dann durchs andere rausbläst. Das und Spiele wie in Heidenheim sind am Fußball durchaus verzichtbar. Jedenfalls für Tabellenoberhälfteaspiranten wie Hannover 96.

Denn von Aufstiegsaspiranten wollen wir nicht mehr oder noch nicht wieder sprechen. Wäre Hannover 96 ein Aufstiegsaspirant, hätten die völlig überforderten Bochumer am Dienstagabend gegen die Doppelzopf-Runde Ducksch-Sulejmani die Hütte richtig voll bekommen. Aber wenn du in zwei Spielen vorher drei Torchancen hattest und dann nach 92 Sekunden ein Tor gegen die Mannschaft der Stunde schießt, dann lässt du das im Kölner Keller selbst überprüfen, weil das eigentlich gar nicht angehen kann.

Und wenn der Weydandt kurz vor der Pause wie beim Penalty allein auf den Torwart zuläuft, ist das so ungewohnt, dass er das Denken anfängt und sich zu besinnen versucht, wie er das damals gemacht hat beim TSV Groß Munzel. Wäre Fußball Eiskunstlauf, hätte Weydandt mit einer eingesprungenen Waagepirouette den Torwart verladen und dann eiskalt eingenetzt.

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Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©

Hätte 96 das Spiel gegen Bochum nicht gewonnen – der 13. Spieltag hätte wie in der Vorsaison zum Black Friday für den Trainer werden können. Fußball ist Ergebnissport, hat Kenan Kocak gesagt. Sagen eigentlich alle Trainer, vor allem deshalb, weil es stimmt.

Und genau deshalb kann 96 mit nur halb so viel Chancen nun gegen Regensburg einen Doppelflip in der Tabelle machen und zu Weihnachten den Großen winken, also Kiel und Osnabrück. Und wenn es kommende Woche nicht um die dritte Runde im DFB-Pokal gehen würde, deren Nichterreichen vor einigen Jahren offiziell in der 96-Satzung verankert worden ist, müsste Werder Bremen vor dem 23. Dezember zittern.

Werder kommt mit der Empfehlung von vier Niederlagen am Stück und davor fünfmal 1:1, macht neun Spiele ohne Sieg. Normalerweise ist 96 der ideale Gegner für Mannschaften mit langen Durststrecken. Aber was ist schon normal in diesem Jahr?