28. April 2021 / 16:09 Uhr

Extravaganz zum Ehrentag: 96-Boss Kind wirft Trainerkarussell "Gerry-go-round" an

Extravaganz zum Ehrentag: 96-Boss Kind wirft Trainerkarussell "Gerry-go-round" an

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
... und ab geht die wilde Fahrt! 
... und ab geht die wilde Fahrt!  © IMAGO/AFLO/Noah Wedel
Anzeige

Martin Kind hat Geburtstag, der 96-Boss wird 77. Der Platzwart gratuliert - und deckt auf, welche Extravaganz sich der Fußball-Patriarch zum Ehrentag ausnahmsweise gönnt. Ein altes Trainerkarussell, das er auch gleich mal anschmeißt, nachdem er es zuvor in "Gerry-go-round" umgetauft hat.

Martin Kind hat Geburtstag – herzlichen Glückwunsch! 77 Jahre, eine Schnapszahl, genau das Ding von Martin Kind. Das letzte Mal, dass der 96-Boss indirekt Kontakt mit Alkoholika hatte, war beim Verkauf von Füllkrug an Werder. Bei Kinds daheim wird das Wiegenfest gewohnt unprätentiös begangen, der Jubilar nimmt den Akku aus seinem Handy, stellt die Haustürklingel auf stumm, Gurkenwasser auf ex und Licht aus.

Anzeige

Statt Geschenke bittet Kind um Spenden auf das Vereinskonto unter dem Stichwort „Arbeitsgericht & Abfindungen“. Ein Freund hat ihm einen Bildband geschenkt, „125 Jahre Stadtentwässerungsamt Hannover“. Martin Kind wusste nicht, dass das Stadtentwässerungsamt Hannover genauso alt ist wie Hannover 96 – interessant. Kind sucht nach Parallelen zwischen den Institutionen. Er findet welche.

Mehr über Hannover 96

Einzige Extravaganz, die sich der Fußball-Patriarch zum Ehrentag leistet: ein Trainerkarussell vor dem Haus, das pünktlich zum Geburtstag angeworfen wird und das er in Anspielung auf seinen aktuellen Sportdirektor in „Gerry-go-round“ umgetauft hat.

Es ist ein historisches Fahrgeschäft, auf dem 1968 schon Tschik Cajkovski saß, der seinerzeit wegen des reichen Angebots an Geschäften für Herrenoberbekleidung und Calenberger Pfannenschlag von der Karussell-Figur „Bayerische Bierzeltgarnitur“ auf das Niedersachsenross wechselte. Ja, Hannover 96 konnte schon immer alle haben.

Folge: Die Bayern mussten sich fortan wohl oder übel mit Trainernovizen wie Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und dem Ex-96er Jupp Heynckes behelfen. Schlimm. Höhepunkt: Am Ende wechselt ein junger Mann von der Karussell-Figur „Brausedose“ auf die bayerische Bierzeltgarnitur, und die Brausedose bekommt dafür sogar noch Geld – verrückte Zeiten. Wer wird sich dann noch daran erinnern, dass das alles 1968 mit einem molligen Kroaten angefangen hat, der unbedingt seinen Traum Hannover 96 leben wollte?

Das Karussell dieser Tage sieht anders aus, bis auf eine Ausnahme: Im kleinen, roten Feuerwehrauto sitzt wie immer Stammgast Peter Neururer. Neben ihm sitzt diesmal Bruno Labbadia, der normalerweise im April knietief im Abstiegskampf steckt und erst im Herbst wieder Karussell fahren kann. Dahinter, in einem stilisierten Fisch, dreht Florian Kohfeldt seine Runden, er muss nach jeder Fahrt schauen, ob er einen neuen Chip bekommt. José Mourinho steigt gerade auf eigenen Wunsch aus einem Auto mit Rechtslenker aus, Jürgen Klinsmann fährt in einer kaputten Tonne und hebt den Finger.


Mehr Berichte aus der Region

Das Niedersachsenross ist leer, weil Kenan Kocak sich für die klassische Karussell-Figur „Schleudersitz“ entschieden hat. Über ihm ist alles offen, es heißt, Kocak lande bei Betätigung des Buzzers direkt im Auto von Torwarttrainer Moßmann, der mit laufendem Motor und offenem Schiebedach wartet und „Mannheim“ ins Navi getippt hat.

Neu auf dem Karussell ist ein Mann, dem zuletzt ein Punkt immer zu wenig war, der aber mit der Tagesschau-Schlagzeile „Augsburg entlässt Trainer. Herrlich.“ auch nicht zufrieden ist. Der Mann stammt ebenfalls aus Mannheim, das passt.

Kind mag sein „Gerry-go-round“, auch wenn er es demnächst wieder umbenennen muss. Es rostet nicht, ständig wollen wieder neue Trainer mit viel Zeit aufspringen, weil es in Hannover immer was zu erleben gibt. Kurz vor der Ausgangssperre fährt Kind selbst noch eine Runde. Seine Lieblingsfigur auf dem Karussell ist Methusalem. Methusalem wurde nach der Überlieferung 969 Jahre alt. Er soll viel Gurkenwasser getrunken haben.