01. Juli 2020 / 11:48 Uhr

Die 96-Erfolgsformel von A(ogo) bis Z(uber libre) - oder: 9 Gründe für Platz 6

Die 96-Erfolgsformel von A(ogo) bis Z(uber libre) - oder: 9 Gründe für Platz 6

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Platzwart hat die Aogos und Gerhard Zuber als Gründe dafür ausgemacht, dass Hannover 96 sein Saisonziel im Grunde sogar übertroffen hat.
Der Platzwart hat die Aogos und Gerhard Zuber als Gründe dafür ausgemacht, dass Hannover 96 sein Saisonziel im Grunde sogar übertroffen hat. © imago images/Noah Wedel/Future Image
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Saisonziel erreicht: Platz 6. Hatte 96 noch nicht - jedenfalls seit Einführung der Bundesliga. 96-Boss Martin Kind hatte in seiner Neujahrsansprache einen "mittleren Mittelfeldplatz" gefordert. So gesehen ist 96 sogar übers Ziel hinausgeschossen. Der Platzwart nennt die 9 Gründe für Platz 6.

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Das Hannover-Modell

Nach dem Abstieg setzt Martin Kind voll auf das Hannover-Modell: Trainer aus Hannover, Manager aus Hannover, Stürmer aus Groß Munzel. Dazu Waldemar Anton, Linton Maina und Dieter Schatzschneider als Spiritus Rector. Was soll da schiefgehen? Um voll auf Nummer sicher zu gehen, landet Jan Schlaudraff einen echten Überraschungscoup und verpflichtet – Ron-Robert Zieler. Ein Hammer, die Konkurrenz ist geschockt. Die anderen 96-Torhüter auch.

Das Personal-Puzzle

Frenkie de Jong ist auf dem Markt, aber Managerjungfuchs Schlaudraff holt Franke und Jung. Padauz, 75 Millionen gespart! So geht das, Zuber. Den besten Deal tütet Schlaudraff Anfang September ein: Aogo! Und Ehemann Dennis kommt auch mit, für Fußball und so. Mit Ina Aogo ist Hannover 96 auf einem Schlag Glamourklub und Vokalsieger der Herzen. Auch stark: Beim 2:1-Sieg gegen Kiel steht Aogo 90 Minuten auf dem Platz.

Das Trainer-Karussell

Drei Siege nach zwölf Spielen, es könnte eng werden mit dem mittleren Mittelfeldplatz. Slomka ist raus, gegen Heidenheim darf Co-Trainer Asif Saric ran – 0:4, Saric muss keine neuen Passfotos machen. Neuer Trainer wird Kenan Kocak. Es heißt, der habe schon im Sommer einen guten Eindruck hinterlassen. Der Eindruck war so gut, dass sie sich dann für Mirko Slomka entschieden haben. Kocak kennt mittlere Mittelfeldplätze wie kein Zweiter, und er bringt von dort eine Übung aus dem hinteren Mittelfeld mit: Arschboken.

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Neue Trainingsinhalte

Zwei Tage trainingsfrei nach einer Niederlage? Nicht mit Kenan Kocak! Die Spieler müssen sich umstellen. Auch im Training. Die Verlierermannschaft des Trainingsspiels muss sich ins Tor stellen und die Hinterteile rausstrecken, während die Siegertruppe aus zehn Metern den Ball volles Brett auf die Kehrseite der Kameraden dreschen darf. Schüsse für’n Arsch – da sind die Roten in dieser Saison voll im Thema. Normalerweise sehr schmerzhaft, nicht so bei 96. Die meisten Schüsse verfehlen das Tor. Noch.

Stabiler Zuschauerschnitt

Die Heimpremiere von Kocak gegen Darmstadt im November verfolgen offiziell 22 000 Zuschauer. Viele sind offensichtlich an der Bierbude verlorengegangen oder haben sich als blaue Sitzschalen verkleidet. Egal. Heimspiele vor Geisterkulisse erweisen sich im weiteren Verlauf der Saison als prima Vorbereitung für die Corona-Spiele. Die Heimatmosphäre am Ende der Saison unterscheidet sich in Hannover zum Saisonauftakt vor allem dadurch, dass zur Halbzeit nur noch einer pfeift – der Schiri. Folge: kein verlorenes Heimspiel, vier Siege.

Zuber libre

Zur Saisonmitte wird aus dem Hannover-Modell ein Auslauf-Modell. Auch Schlaudraff muss Platz machen, und zwar für: Gerhard Zuber. Der Assistent von Horst Heldt arbeitet seit Wochen in einem fensterlosen, feuchten Keller-Büro mit Olympia-Schreibmaschine im Kerzenschein. 96 und er streiten vor Gericht. 24 Stunden nach der Verhandlung ist Zuber neuer Sportchef von 96. Für Martin Kind optimale Voraussetzungen für eine reibungslose Zusammenarbeit. Peinlich? Purer Pragmatismus! Es folgen Kaiser als Königstransfer, dazu Guidetti – Konfetti.

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Die Corona-Pause

Hannover 96 redet nicht nur von Corona, Hannover 96 hat Corona. Erst Hübers als erster Profi in Deutschland, dann Horn, später ist 96 der erste Verein, dessen Gegner lieber in Quarantäne geht als gegen Hannover anzutreten. Anders als die Konkurrenz müssen die 96er Abstand nicht erst lernen – das war schon in der Hinrunde Teil der 96-DNA. Vorteil Hannover. Borussia Dortmund muss sich mühsam an eine leere Südtribüne gewöhnen. Bei 96 kennen sie es nicht anders.

Der Team-Spirit

Kocak hat aus dem Abstiegsgespenst Teamgeist gemacht. Wie sehr die 96er zusammenhalten, zeigt das Heimspiel gegen Heidenheim. Soto, Albornoz, Elez, Felipe und Stehle nicht im Kader, also gucken sie gemeinsam das Spiel im Fernsehen Niemals allein! Zu fünft geht’s maskenfrei im Auto ins Courtyard, Fußball gucken, Platz sparen, Sprit sparen, Luft sparen.

Im Polizei-Protokoll wird später stehen, dass der Mann auf dem Beifahrersitz widersprüchliche Angaben gemacht habe. Er sei Brasilianer. Und Italiener. Komme aber aus Belgien. Und der Chilene neben ihm sei übrigens auch Schwede und habe eine finnische Mutter. 250 Euro Strafe. Für jeden!

Der Man-Bun-Man

Marvin Ducksch hat sich in der Corona-Pause einen Dutt wachsen lassen, sie nennen es Man Bun. Ducksch, der Man-Bun-Man, sieht jetzt so aus wie eine Mischung aus Zlatan Ibrahimovic und Heidi Kabel in „Manda Voss wird 106“. Aber er trifft, in jedem Spiel mittlerweile. Hält er das bis Mitte nächsten Jahres durch, darf er die Haare wie Pippi Langstrumpf tragen. Selbst Niclas Füllkrug möchte mittlerweile aussehen wie Ducksch, sieht aber aus wie eine Mischung aus Diane Krüger und Oliver Pocher in „Martin Kind wird 106“.