11. November 2020 / 13:40 Uhr

Erster HSV-Verfolger: Was hat Osnabrück, was 96 nicht hat? Vorn einen Granatowski!

Erster HSV-Verfolger: Was hat Osnabrück, was 96 nicht hat? Vorn einen Granatowski!

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nico Granatowski ist für den Platzwart ein Grund dafür, dass der VfL Osnabrück erster Verfolger des HSV ist - und nicht Hannover 96.
Nico Granatowski ist für den Platzwart ein Grund dafür, dass der VfL Osnabrück erster Verfolger des HSV ist - und nicht Hannover 96. © imago images/Nordphoto/Florian Petrow
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Der erste Verfolger des Hamburger SV in der 2. Bundesliga ist aktuell der VfL Osnabrück. Wie bitte, fragt der Platzwart: Das müsste doch Hannover sein. Was haben die in Osnabrück, was 96 nicht hat? Die Antwort: Stürmer Granatowski, klingt explosiv. Bei den Roten schießt Marvin Ducksch hingegen verlässlich neben das Tor...

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70. Minute im Zweitligaclásico Hannover gegen Aue, der Gästespieler Ben Zolinski wechselt kurzentschlossen die Sportart. Aus dem Hintergrund müsste Ducksch schießen, als Zolinski mit seinen Stollen das linke Ohr von Niklas Hult provisorisch vom Schwedenkörper trennt. Erzgebirge Aua. Die Nachricht geht sofort per Ohrpost in die Präsidenten-Suite. Läppchen weg? Das ist in Hannover Chefsache. Martin Kind schickt sofort seine Ear Force 1 auf den Platz, retten, was zu retten ist, Menschen ohne Ohren sind erfahrungsgemäß schlecht für Geschäft und Aufstieg.

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Im Hintergrund schießt Marvin Ducksch auf das Tor von Erzgebirge Aue oder zumindest in die Richtung. An der Seitenlinie Aufatmen: Bis Niklas Hult wieder bei „Stille Post“ mitmachen kann, wird zwar einige Zeit vergehen. Aber er kann bald wieder Brille mit zwei Bügeln tragen und muss beim Musikhören auch nicht auf Monopods umsteigen. Und wer befürchtet hatte, Hult bekomme bei 96 keinen Stich – es sind jetzt schon 15. Hannover ist auch ein Ort der kleinen Erfolge.

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Ein Unentschieden gegen die Macht aus dem Schacht ist so ein kleiner Erfolg. Nicht verloren, und Marvin Ducksch hat sich für Würzburg warmgeschossen – immerhin. Aber ist das genug? Wir schauen nach Osnabrück. Zweiter Platz, ungeschlagen nach sieben Spieltagen, erster HSV-Verfolger. Wir sind sechster HSV-Verfolger. Normalerweise sollte der HSV erster 96-Verfolger sein. Was ist da schiefgelaufen? Was hat der VfL Osnabrück, was Hannover 96 nicht hat?

Nun, Osnabrück hat den Angriffsspieler Granatowski. Das klingt explosiv. Wir haben keinen Granatowski, bei uns schießt Marvin Ducksch aus dem Hintergrund verlässlich neben das Tor oder dahin, wo der Männel steht. Die anderen Stürmer? Egal. Osnabrück arbeitet mit einem Drittel des Etats, über den 96 verfügt. Warum sind wir nicht dreimal zu gut? Sondern verlieren gegen die 1:2, wie wir doch 3:1 gewinnen müssten?


Normalerweise hebt in Hannover in solchen Situationen reflexartig eine routinierte Trainerdiskussion an, Peter Neururer macht sich die Fingernägel, und Mirko Slomka wäscht sich das Haupthaar mit Alpecin Powergrau. Zudem sind gerade zwei Übungsleiter frisch frei.

Kleiner Haken: Beides sind Ex-Trainer von Peine-Ost, die in Hannover geradezu explosive Energie freisetzen könnten. Torsten Lieberknecht kennt Hannover wie kein Zweiter. Und Marco Antwerpen hat in Würzburg unter Sportchef Felix Magath gearbeitet, wenn auch nur 42 Tage. Und beide sehen optisch, oben wenig, drunter sehnig, aus wie Bernhard Trares, Peter Bosz, Pep Guardiola und Zinedine Zidane, also wie typische Zweitligatrainer.

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Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©

Aber normal ist nichts im Jahr 2020, deshalb darf Trainer Kenan Kocak in der Länderspreadpause weiterarbeiten, am Team und an Marvin Ducksch. Ducksch ist quasi der Gegenentwurf zu HSV-Stürmer Simon Terodde.

Gut, Terodde ist in der Krise (ein Spiel in Folge ohne Tor), aber ansonsten zeichnet sich der Mann durch 0,02 Prozent Ballbesitz, 88 Minuten weitgehende Unsichtbarkeit und 100 Prozent Trefferquote aus. Würde Ducksch dagegen seine Ballkontakte in Tore ummünzen, könnten sie ihm jetzt schon die Torjägerkanone schicken. Tut er aber nicht, weder an der Seite von Hendrik Weydandt noch an der von Patrick Twumasi.

Vielleicht sollte man John Guidetti zurückholen, der alte Schwede sitzt gerade bei Twumasis Ex-Verein Alavés im spanischen Erstligakeller auf der Bank rum und guckt Joselu zu, der mit einem Tor nach acht Spielen bester Torschütze seiner Truppe ist. Vielleicht sollte Guidetti seinem Kumpel Ducksch ab der Winterpause helfen und seinem Landsmann Hult ein Ohr leihen. Oder wie der Schwede sagt: låna sitt öra till någon.