23. September 2020 / 17:05 Uhr

Der Platzwart: Der Hexenkessel im Osten bringt die Nordkurve zum Verstummen 

Der Platzwart: Der Hexenkessel im Osten bringt die Nordkurve zum Verstummen 

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind mit Altkanzler Gerhard Schröder. Zum Auftaktspiel gegen den KSC durften nur einige auserwählte VIP-Fans. Vielen Fans stieß das sauer auf.
Martin Kind mit Altkanzler Gerhard Schröder. Zum Auftaktspiel gegen den KSC durften nur einige auserwählte VIP-Fans. Vielen Fans stieß das sauer auf. © Rainer-Droese
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Erst gewinnt Hannover 96 das Erstrundenspiel im DFB-Pokal und dann folgt auch noch der Auftaktsieg in der Liga gegen Karlsruhe. Kenan Kocak ist mit seiner Mannschaft nunmehr seit 17 Spielen zu Hause ungeschlagen - zumeist vor leeren Rängen. Ein Modell für die Zukunft? Der Platzwart berichtet.

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Schon wieder ein Sieg. Ratlosigkeit in Hannover. 96 hat doch schon entgegen aller Gewohnheit das Erstrundenspiel im Pokal gewonnen. Und jetzt auch noch das Auftaktspiel? Zu null! Und alles in einer Saison! Man könnte verrückt werden vor Freude, wären da nicht einige Konstanten.

Zum Beispiel die Zuschauerzahl. 500 im Stadion, 96 meldet: ausverkauft! In der Tat: Alle Logen voll, Kundengedrängel im Kuchenblock wie bei Karstadt in der Georgstraße. Der Hexenkessel im Osten bringt die Nordkurve zum Verstummen, selbst vom Gemecker auf der West ist nichts mehr zu hören. Ein Modell für die Zukunft? Vielleicht. Es sieht so aus, dass viele Zuschauer nur den Spielbetrieb stören. Seit 17 Spielen ist Kenan Kocak zu Hause ungeschlagen, zumeist vor leeren Rängen, mit oder ohne Corona.

Eine Galerie zum Schmunzeln und für Nostalgiker: Das sind die größten Kuriositäten aus der Geschichte von Hannover 96!

Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  Zur Galerie
Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©

Selbst die Großen kopieren das Modell. Beispiel Bayern: Keine Zuschauer, keine Heizkosten, weil alle Offiziellen sich auf der Corona-Tribüne gegenseitig wärmen, dazu Fleischfürst Tönnies, von Wurstwesir Hoeneß eingeladen, im Königsblau-Block, Schalke am Ende zweimal 04. Bayern im Start-Ziel-Modus. Prognose: 34 Spieltage Tabellenführung, 272 zu null Tore, Torjägerkanone für die gesamte Mannschaft, Deutscher Fernsehpreis, Meisterschaft, Pokal, Champions League. Kaiser Franz ist stolz auf die Truppe.

Womit wir wieder bei 96 wären. Hannover 96 hat auch Kaiser Frantz. Als hochaktive Seniorenachse einer quickfidelen Truppe mit Durchschnittsalter 28+. Selbst Hans Siemensmeyer hat zum 80. Geburtstag die alten Stollentreter noch mal rausgestellt. Falls Zuber Maina noch verkaufen sollte.

Neuzugang Jaka Bijol ist 21. Er soll vor allem den Schnitt senken, den alten Herren im Team beim Internet helfen, Einkäufe tragen, und wenn Kaiser und Frantz ihre Lesebrillen verlegt haben, die Aufstellung vorlesen. Ach ja, und Kicken kann er auch, das war Zuber und Kocak wichtig.

Der junge Mann kommt aus dem Fußballer-Paradies Slowenien und hat in der Champions League schon mal gegen Luka Modric gespielt, auch wenn er Modric wahrscheinlich gar nicht gesehen hat. Unser Mann! Bijol soll der neue Waldi werden, weil Waldi-Nord seit ein paar Wochen Waldi-Süd ist und dort versucht, das Schicksal von Kocka Rausch und Moa Abdellaoue und Ron-Robert Zieler zu vermeiden.

Interessanterweise hat Jaka Bijol seine Freundin Neza mit nach Hannover gebracht. Im Winter war Hannover 96 bekanntermaßen das Künstlerpaar Aogo abhandengekommen – ob Jaka und Neza als Celebrity-Ersatz taugen, muss sich zeigen. Sie studiert Medizin in Maribor und kann Google bedienen – scheint eine Intellektuelle zu sein, was bei Spielerfrauen kein Vorteil sein muss.

Als die Leihe ihres Freundes näher rückte, hat sich die junge Frau erstmal im Netz informiert. Von Berlin, Hamburg, München und Köln habe sie gehört, von Hannover noch nie, sagte Neza am Wochenende. Nach ersten Touren durch die Stadt findet sie Hannover „very nice“. Und dann folgt ein Satz, der aufhorchen lässt: „Wir werden uns hier sicher wohlfühlen. Die Menschen sind so freundlich. Auch der Boss.“ Zwei Fragen: a) Wo war sie mit ihrem Freund? b) Wen hält sie für den Boss?

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