26. Januar 2022 / 16:43 Uhr

Der Platzwart: Mit Schmalstieg als 96-Geschäftsführer raus aus dem Heiden-Heim?

Der Platzwart: Mit Schmalstieg als 96-Geschäftsführer raus aus dem Heiden-Heim?

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Herbert Schmalstieg wird 96-Geschäftsführer und aus der Heinz von Heiden-Arena das Niedersachsenstadion. Eine Ahnung vom Platzwart...
Herbert Schmalstieg wird 96-Geschäftsführer und aus der Heinz von Heiden-Arena das Niedersachsenstadion. Eine Ahnung vom Platzwart... © picture alliance/dpa / IMAGO/Noah Wedel
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Der rastlose Martin Kind sucht einen Nachfolger, die 96-Fans würden ihre Mannschaft gern wieder im Niedersachsenstadion, das auch so heißt, unterstützen. Der Platzwart meint: Mit Herbert Schmalstieg ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappen schlagen...

In der Bundesliga ist Abstellungsperiode. Abstellungsperiode ist eine Länderspielpause ohne Länderspiel, jedenfalls wenn man Spieler bei Hannover 96 ist. Dabei ist in Hannover streng genommen immer Abstellungsperiode, irgendwas muss immer abgestellt werden: die Standardschwäche, die Torflaute, das Wasser, und den Chef würde einige auch gern mal kurz irgendwo abstellen, und wenn es nur für eine Stadionnamenvergabe wäre.

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Aber Martin Kind ist der Duracell-Hase des deutschen Fußballs, er läuft autonom mit Kind-Energie, die ist bekanntlich erneuerbar und lässt sich nicht abstellen. Seit einem Vierteljahrhundert trommelt er für die Marke Hannover 96 und wirkt regulierend auf jedes drohende Hochgefühl ein. Jüngstes Beispiel: der DFB-Pokal, die Roten kegeln sensationell die erste Herrenmannschaft von Borussia Mönchengladbach aus dem Pokal – Party!

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Selbst Gästetrainer Adi Hütter muss nach dem verdienten Ausscheiden und der folgenden Niederlage im Ligaspiel feststellen, dass man jetzt als Gladbach – Platz 12 in der Tabelle – nicht mehr nach oben schauen müsse. 7,5 Millionen haben sie am Niederrhein für Hütter als Ablöse gezahlt – jetzt weiß man, warum. Man sieht sich nächste Saison im Punktspielbetrieb.

Währenddessen buchen Hannoveraner Hotels für das vorletzte Mai-Wochenende in Berlin. Die Pokal-Euphorie ist für Hannover-Verhältnisse grenzenlos, vereinzelt wird gelacht und geklatscht. Bis Martin Kind vors Mikro tritt: neuer Namenssponsor. Leider wieder nicht das Bundesland, in dem das Stadion steht, was logisch wäre, nein: Heinz von Heiden. Massivhaus-Heiden, die Firma mit Schotter. Für Martin Kind ein guter Deal, auch wenn er dafür in die Vereinshymne die gesponserte Zeile „Stark wie eine Wand“ einfügen musste.

In einer Umfrage bezeichneten zwei Drittel aller Befragten bezeichnen den neuen Stadion-Namen als „Katastrophe“, was Kind nicht anders erwartet hat und ihm völlig egal ist. Kleines Problem: Wie bekommt man den Namen des neuen Sponsors in Leuchtbuchstaben aufs Dach des Heiden-Heims, ohne dass das große „H“ am Nordeingang leuchtet und das kleine „a“ von „Arena“ auf dem Kassenhäuschen vorm Südeingang steht?

Am nächsten Tag der Abstellwoche stellt Martin Kind seinen Nachfolger ab. Er kündigt Robert Schäfer, dem Twumasi der Geschäftsführer-Gilde. Königstransfer und Bestverdiener ohne Bindung zu Hannover 96, manche sagen: ohne Bindung zu Fußball. Jetzt muss Kind wieder ran. Der sagt, dass er den Job nicht noch zehn Jahre machen will, auch nicht fünf oder drei. Das klänge nach klarer Zukunftsorientierung, wenn er das nicht alle fünf oder drei Jahre sagen würde. Wie wir ihn kennen, macht er nochmal 25 Jahre. Hinten neue Batterien rein, Trommel vorn Bauch, weiter geht’s.


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Vielleicht mit Herbert Schmalstieg als neuem Geschäftsführer. Der 79-Jährige feiert gerade 50 Jahre Amtsantritt als Oberbürgermeister von Hannover, hat noch Power wie ein 69-Jähriger und würde perfekt ins Anforderungsprofil von Martin Kind passen. Mit Schmalle könnte das Niedersachsenstadion auch endlich Wirklichkeit werden – wenn man das Bundesland bis dahin nicht aufgelöst oder fusioniert hat. Und Anhalt-Arena klingt ja eher nicht nach Fortschritt.

Der spannendste Augenblick der Abstellungsperiode: die Auslosung zum DFB-Viertelfinale. Eigentlich gibt es das freie Wochenende nur, weil man sich in Hannover ganz auf die Ziehung mit Glücksfelix Neureuther konzentrieren will. Unser Wunschgegner: Gladbach. Wenn das nicht geht: St. Pauli. Favoritenbesieger können wir.