13. November 2019 / 11:42 Uhr

Der Platzwart: Mal angenommen - die 2. Bundesliga

Der Platzwart: Mal angenommen - die 2. Bundesliga

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Normalerweise schickt die DFL einen Transporter mit den Unterlagen zu den Neuzweitligisten. Aber Marvin Bakalorz weiß: Wir haben die 2. Liga noch nicht angenommen.“
Normalerweise schickt die DFL einen Transporter mit den Unterlagen zu den Neuzweitligisten. Aber Marvin Bakalorz weiß: "Wir haben die 2. Liga noch nicht angenommen.“ © Philipp von Ditfurth/Florian Petrow/Bodo Marks
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Kapitän Marvin Bakalorz sagte nach dem 0:4 in Heidenheim, dass Hannover 96 "die 2. Liga noch nicht angenommen" habe. Ein kurzer Satz für den Menschen, ein großer Satz für den Fußball. Doch warum hat 96 sie noch nicht angenommen? Der Platzwart hat gleich drei Erklärungsversuche parat.

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Eine 0:4-Pflichtspielniederlage beim 1. FC Heidenheim, 14 Punkte und 22 Gegentore am 13. Spieltag – da fragen sich selbst Fans von Hannover 96: Wie kann es dazu kommen? Kapitän Marvin Bakalorz weiß es: „Wir haben die 2. Liga noch nicht angenommen.“

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Ein kurzer Satz für den Menschen, ein großer Satz für den Fußball. Und Hannover 96. Wenn man ihn verstehen würde. Was hat der Satz genau zu bedeuten? Warum hat Hannover 96 die 2. Liga noch nicht angenommen? Weil es sich für die paar verbleibenden Spieltage in dieser Liga sowieso nicht mehr lohnt? Weil Meppen und Unterhaching ohnehin die spannenderen Auswärtsfahrten sind? Weil es da auch was zu holen gäbe? Drei Erklärungsversuche.

Zwischen Braunschweig und Osnabrück

1. Wahrscheinlich spielt Bakalorz auf eine DFL-Formalie an. Normalerweise schickt die DFL einen DHL-Transporter mit den Unterlagen zu den Neuzweitligisten. Wenn bei Hannover 96 keiner aufmacht, weil zum Beispiel gerade der Trainer entlassen worden ist, dann wird die 2. Liga bei den Nachbarn auf der rechten oder linken Seite abgegeben. Hannover wohnt profifußballerisch bekanntlich zwischen Braunschweig und Osnabrück. Braunschweig hat aber schon die 3. Liga angenommen. Und Osnabrück hat schon 2. Bundesliga, zweimal braucht das keiner. Die überzählige 2. Liga geht also im Zweifel zurück zum Absender oder, wahrscheinlicher, liegt noch im Hauptpostamt oder im nächsten DHL-Paketshop. Von der 96-Geschäftsstelle aus wäre das beispielsweise der Kiosk an der Ricklinger Straße. Lösung: Einfach nachfragen, Ausweis einstecken, 2. Liga annehmen, noch ’ne bunte Tüte mitnehmen – und der nächste Gegner, in diesem Fall der SV Darmstadt 98, kann sich warm anziehen.

Die Suche nach einem Hörgerätehersteller

2. Wie Belit Onay das Oberbürgermeisteramt, muss auch Hannover 96 als Neuling zum Beginn der Saison den Status eines Zweitligisten, als Absteiger den eines Oberzweitligisten, offiziell annehmen. Hannover 96 wird also ins Rathaus bestellt, wo der DFL-Notar die offizielle Frage an den Mannschaftskapitän stellt, die dieser dann binnen einer Frist von sieben Tagen mit dem Mannschaftsrat, dem Trainer (falls vorhanden) und einem Hörgerätehersteller seiner Wahl besprechen kann. Das ist in diesem Fall offensichtlich nicht geschehen, oder man sucht noch nach einem Hörgerätehersteller. Es sind also organisatorische Hürden. Lösung: Einfach mal in den Gelben Seiten oder in Großburgwedel nachschauen, dann kann Darmstadt 98 einpacken.

Skills, die man als Erstligist nicht braucht

3. Offensichtlich fällt Hannover 96 die Umstellung auf Zweitligafußball schwer. Rennen, kämpfen, grätschen, nachsetzen – alles Skills, die man als Erstligist nicht zwingend braucht. Eine Leistung wie am Sonntag, nur gegen Hoffenheim, Leverkusen oder die 0:4-Kumpel von Borussia Dortmund – offener Schlagabtausch, Hackespitze einszweidrei oder bella fraktura, wie Felipe sagen würde: Es wäre ein rassiges Bundesliga-Spiel mit knappem Ausgang geworden. Aber in Heidenheim greifen Hannovers Bundesliga-Mechanismen nicht, 96 spielt quasi an Heidenheim vorbei. Dabei hatte man durchaus zweitklassig eingekauft und sich auch zweitklassig vorbereitet. Gegen Mitabsteiger Nürnberg hatte man kurzzeitig die leise Hoffnung, auf Erstligaaugenhöhe vorspielen zu dürfen. Aber dann zeigte Nürnberg seine hässliche Zweitligafratze. Hat 96 natürlich keine Chance – 0:4.

Vielleicht hilft in dieser ausweglos erscheinenden Situation ein Blick in die Geschichte, gern auch abseits des Fußballs. Vielleicht sollte man dem „Wir haben die 2. Liga noch nicht angenommen“ (Marvin Bakalorz) das überzeugte, selbstbewusste, Mut machende „Ick bün ein Zweitligist“ von John F. Kennedy gegenüberstellen. Oder „Wer mit dem Arsch zu spät hochkommt, den bestraft das Leben!“ (Michail Gorbatschow). Auf jeden Fall die Hoffnung nicht aufgeben. Denn: „I Have a Team!“ (Martin Luther Kind).