03. Juni 2020 / 08:58 Uhr

Diese Erkenntnis ist Gold wert: 96 sollte Fahrten nach Sandhausen bleiben lassen!

Diese Erkenntnis ist Gold wert: 96 sollte Fahrten nach Sandhausen bleiben lassen!

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mit Schuhen, aber ohne Power - Felipe (links) und Florent Muslija in Sandhausen.
Mit Schuhen, aber ohne Power - Felipe (links) und Florent Muslija in Sandhausen. © Ronald Wittek/epa/Pool/dpa
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In 124 Jahren hat Hannover 96 noch nicht gegen Sandhausen gewonnen. Der Platzwart zieht, wie von Kenan Kocak avisiert, die richtigen Schlüsse aus dem dürftigen Auftritt: einfach aufsteigen und damit Fahrten nach Sandhausen vermeiden. Schade nur, dass das in dieser Saison nicht mehr möglich ist...

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Sandhausen? War da was? Zum Beispiel vor drei Jahren, Ende Mai? Ach ja, 8000 „Rote“ besuchen den beschaulichen Weiler südlich von Heidelberg und nehmen zum Dank für den Aufstieg in die 1. Liga als kleine Erinnerung das halbe Dorf mit in den Norden. Drei Jahre später sind die „Roten“ schon wieder da. Das Dorf ist mithilfe der Chinesen notdürftig rekonstruiert worden, die Bewohner kennen die Geschichten, die die Alten über Hannover erzählen – sie schnüren ihre Bündel und verstecken sich im Forst.

Aber: Fehlalarm. Die Männer aus dem Norden kommen ohne Gefolge, müde und ausgelaugt. Die Anreise. Die Mannschaft war sieben Stunden im klimatisierten Reisebus mit Komfortbestuhlung, Minibar, Dolby-Surround und Duftkerzen unterwegs – das kann 23-jährige Fußballprofis schnell an den Rand der physischen Möglichkeiten bringen. Dazu, um fit und beweglich zu bleiben, eine schweißtreibende Trainingseinheit auf dem Autohof Gießen-Lützellinden, auf dem auch Borussia Dortmund schon trainiert haben soll.

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Letzter Eindruck, danach entscheidet sich Trainer Kocak für Rotation: Franke, Albornoz, Bakalorz, Maina, Guidetti und Teuchert haben beim Gammeleck in der Waschstraße den besten Eindruck gemacht – Startelf. Später wechselt der 96-Trainer noch Felipe und Muslija ein, die beiden sind so überrascht, sie haben nicht mal eigene Fußballschuhe dabei. Das letzte Mal, dass bei aufeinanderfolgenden Spielen sechsmal in der 96-Startformation gewechselt wurde, war 1999, da spielte Igoris Morinas noch in Hannover.

Nach dem Spiel sagte Kenan Kocak zwei entscheidende Sätze. Erstens, man habe das Spiel in den Sand gesetzt. Schon mal ein Volltreffer. Und zweitens, aufs Spiel bezogen: „Es kann Gold wert sein!“ Man wolle aus der Partie die richtigen Schlüsse ziehen. Kluge Menschen haben herausgefunden, dass es fast immer gut ist, wenn die richtigen Schlüsse gezogen werden und nicht die falschen. Wie Hannover 96 das traditionell seit Vereinsgründung mehrheitlich macht. Kocak scheint Reformer zu sein und den unbequemen Weg gehen zu wollen. Alle Achtung.

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Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  Zur Galerie
Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©

Scheißspiel mit hohem Erkenntnisgewinn? Okay, aber welche güldenen Erkenntnisse könnten es wert gewesen sein, Sandhausen nach dem Motto „Drei Ecken, ein Tor!“ die drei Punkte geschenkt zu haben? Ein paar Vorschläge:

Konfuzius sagt: Es bringt nichts, die halbe Mannschaft auszuwechseln, wenn die Eingewechselten nicht besser sind als die Ausgewechselten. Training auf Autohöfen bringt auch nichts, selbst wenn dort schon mal der BVB trainiert hat. Genauso wenig bringt das Einwechseln von Felipe und Muslija, leider. Und Linton Maina ist kein Verteidiger.

Wenn man ehrlich ist, bringen Fahrten nach Sandhausen insgesamt wenig. Außer vielleicht das Stadionschild, aber gewonnen hat 96 gegen Sandhausen noch nie in 124 Jahren. Erkenntnis: Man sollte das deshalb einfach sein lassen. Aufsteigen und fertig, wie wäre es damit?

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Dazu bräuchte es ein paar Punkte aus den verbleibenden sechs Spielen. Man könnte im Quarantäneduell gegen Dynamo Dresden anfangen. Wenn die denn überhaupt antreten, das weiß man bei den Dresdnern nie. Das Infektionsgeschehen ist dort so unberechenbar wie Donald Trump auf Twitter. SGD-Trainer Kauczinski sagte vor dem Spiel: „Wir haben Probleme.“ Dabei hat Dresden nur acht Punkte Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Aber vielleicht sind sie in Sachsen mit ihren Erkenntnissen auch nur ein Stückchen weiter als wir in Niedersachsen.

Prognose: Hannover 96 wird am Ende Vierter. Blech statt 1. Bundesliga. Total doof. Kann aber, das wissen wir seit Sandhausen, Gold wert sein. Vielleicht macht man beim nächsten Mal nicht den Erstbesten zum Cheftrainer, nur weil er gerade in der Kokenstube Kaffee trinkt. Und vielleicht wartet man nicht bis zum 12. Spieltag, um zu erkennen, dass das so im Leben nichts wird. Wir sind gespannt auf das Hannover 96 nach Sandhausen!