04. August 2016 / 07:54 Uhr

Der Platzwart: Im Gegensatz zu Schalke haben wir einen Sané, oder?

Der Platzwart: Im Gegensatz zu Schalke haben wir einen Sané, oder?

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bleibt an der Leine: 96 unternimmt so ziemlich alles, um Salif Sané in Hannover zu halten.
Bleibt an der Leine: 96 unternimmt so ziemlich alles, um Salif Sané in Hannover zu halten. © imago/Kaletta
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Hannover 96 geht in die Offensive: Aufstieg, Hurrafußball, Felipe in die Stammelf. Weniger als drei erzielte Tore pro Spiel gelten als Arbeitsverweigerung, ein Spiel ohne Gegentor als langfristiges Ziel.

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Hannover 96 ist in der 2. Liga angekommen. Während sich im Oberhaus die großen Namen des deutschen Fußballs tummeln – Darmstadt, Hoffenheim, Ingolstadt, Freiburg, Mainz, Augsburg –, müssen sich die „Roten“ mit Retortentruppen wie Stuttgart, Dresden, St. Pauli, Kaiserslautern, Düsseldorf, Union und diesem Braunschweig rumschlagen. 96 ist natürlich Favorit und neuerdings offizielle Führungskraft des norddeutschen Hurrafußballs. Die Vorbereitungszeit geht als „Prätoritum“ in die Vereinsgeschichte ein. Der Platzwart, auch in der 2. Liga dabei, fasst zusammen.

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■ Hannover, 14. Mai 2016: Um 17.22 Uhr, 14 Sekunden nach Saisonschluss, geht auf der Geschäftsstelle von Hannover 96 ein Fax ein. Jörg Schmadtke, hauptamtlicher Zampano beim hannoverschen Ex-Klassenkameraden 1. FC Köln, legt ein erstes Angebot für 96-Abwehrspieler Salif Sané vor: 3,50 Euro. Martin Bader und Martin Kind beugen sich wortlos über den Zettel. Nach zwei Minuten bricht Martin Bader das Schweigen: „Zu wenig“, murmelt er. Martin Kind sieht Bader an und mahnt: „Das sind fast acht Mark.“ Wieder Schweigen. Fünf Minuten später setzt Kind die Transfergrenze für Sané bei 10 Millionen Euro an und lädt seinen leitenden Angestellten zu einem frischen Glas Leitungswasser ein.

■ 25. Juni: Germania Walsrode, der 1. FC Kaiserslautern der Bezirksliga 2 Lüneburg und der Schrecken des TSV Winsen/Luhe, wird von Hannover 96 mit 10:0 überrollt. Am Folgetag schafft der TSV Barsinghausen beim 1:10 einen Ehrentreffer. Trainer Daniel Stendel erwägt den Einbau des Mannschaftsteils Abwehr in sein Spielsystem.

■ 27. Juni: Auf dem Xerox 400 in der Geschäftsstelle geht erneut ein Fax aus Köln ein: Schmadtke hat sein Angebot nachgebessert und bietet nun 3 500 000 Euro. Kind und Bader sitzen und schweigen. Kind holt den Taschenrechner und Leitungswasser, Bader blättert gedankenverloren im Telefonbuch von Nürnberg.

■ 7. Juli: Verteidiger Christian Schulz schließt sich einem österreichischen Club an, der vorne im Vereinsnamen mit „Sturm“ beginnt. Ein Fehler?

■ 10. Juli: Hannover 96 besiegt Ramlingen/Ehlershausen und den TuS Norderney mit insgesamt 26:0. Dazwischen liegt eine Fährüberfahrt mit der „Frisia III“ ab Norddeich. Salif Sané läuft voran, er ist der Einzige, der in der Fahrrinne stehen kann. Stendel erwägt, in den letzten Testspielen wieder mit acht Angreifern zu spielen.

■ 18. Juli: Niclas Füllkrug wird vorgestellt. Ein junger Mann aus Ricklingen, der die Stammestraße kennt und Stammespieler werden will. Als er den neugierigen Journalisten gerade seine Ziele erläutern will, geht die Tür auf, Martin Harnik kommt rein und erklärt seine Ziele – exakt in den Worten, die Füllkrug sich aufgeschrieben hatte. Der Konkurrenzkampf im Sturm hat begonnen.

■ 20. Juli: Salif Sané hört BAP und freut sich auf den Asche-Mittwoch. Im „Kölner Stadtanzeiger“ liest er, dass sich dieses Hannover 96 schon wieder verstärkt hat und nun besser besetzt ist als vergangene Saison. Der Senegalese versteigert seine Karnevalsausrüstung auf Ebay, die Pappnase bringt 3,50 Euro. 96 verliert gegen Angstgegner Osnabrück 0:1, Schmadtke bessert eilig sein Angebot auf fünf Millionen nach. Leitungswasser in der 96-Chefetage, Kind und Bader haben bunte Hüte aufgesetzt.

■ 23. Juli: Nach einem 5:2 gegen Nimwegen erwägt Stendel, in den verbleibenden Testspielen vorn nur noch drei Tore schießen zu lassen und in der Abwehr den eigenen Keeper mit misslungenen Abseitsfallen zu überraschen. Vorzügliche Umsetzung des Plans gegen Halle, Aue und Norwich.

■ 2. August: Sané ist verkauft. Für 50 Millionen zu Manchester City. Ätsch, Schmadtke. Martin Kind möchte den Mega-Deal nicht öffentlich kommentieren, auch Martin Bader genießt und schweigt. Für den 96-Spieler mit der Rückennummer 5 liegt ein Angebot aus Polen vor. Colonia Warschau bietet 3,50 Euro.