23. Oktober 2019 / 08:38 Uhr

Der Platzwart: Kind+1 - Die 96-Thronfolger kommen

Der Platzwart: Kind+1 - Die 96-Thronfolger kommen

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind will sein 96-Erbe an seinen Sohn Alexander weitergeben.
Martin Kind will sein 96-Erbe an seinen Sohn Alexander weitergeben. © Christian Behrens / Florian Petrow
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96-Profiboss Martin Kind hat seine Nachfolge bestimmt. Sein Sohn Alexander und der Tenniskumpel-Sohn Raoul Roßmann sollen mal die Geschicke der 96-Profis lenken. Ein Vorteil liegt auf der Hand: Die Fanszene im Norden könnte Banner, Aufkleber und Schmähgesänge einfach weiterverwenden.

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Hannover 96, das ist gelebte Kontinuität. Wer als Fußball-Fan ein Faible für eine stabile Mischung aus Heimschwäche, Chancenwucher, Verletzungspech, Misswirtschaft, Vereinsquerelen und Flanken ins Seitenaus hat, landet früher oder später bei 96. Auch auf der Führungsebene verzichtet 96 seit 1997 weitgehend auf Experimente. In dieser Zeit erlebte die Welt drei Päpste, vier US-Präsidenten sowie die fünfte Hochzeit von Gerhard Schröder, aber bei 96 schmeißt nach wie vor nur einer den Laden: Martin Kind.

Ein einstelliger Tabellenplatz, gesichertes Mittelfeld – an ambitionierten Zielen mangelt es 96 nicht. Sportlich also alles im Lot, Trainerfrage geklärt, Winterpause noch weit, da bleibt Zeit, perspektivisch zu denken und mal richtig einen rauszuhauen. Also hat Martin Kind laut über seine Nachfolge nachgedacht. Ergebnis: Die Thronfolge ist geregelt. Martin Kind wird das Zepter an Alexander Kind weiterreichen. Das ist sein Sohn. Juristen prüfen gerade, ob für diesen Vorgang Erbschaftssteuer anfallen könnte.

Doppelspitzen sind bei 96 gute Tradition

Dynastische Erbfolgeregelungen, im alten Mesopotamien bei den Habsburgern oder in Nordkorea hat man damit allerbeste Erfahrungen gemacht. Die Fugger sind auf diese Weise reich geworden und haben so den FC Augsburg in der 1. Bundesliga etabliert. Wer erinnert sich nicht an Martin Fugger und seinen Sohn Dr. Alexander Fugger – ein Erfolgsmodell, bis heute.

Um ganz sicher zu gehen, hat Martin Kind dem jungen Kind Raoul Roßmann an die Seite gestellt. Das ist der Sohn von Tenniskumpel Dirk Roßmann. Doppelspitzen sind bei 96 gute Tradition und haben abseits des Spielfeldes eigentlich immer super funktioniert, man denke nur an Claassen/Gerber oder Slomka/Schmadtke.

„Wir setzen auf das Hannover-Modell"

Zur Begründung für den geplanten Generationenwechsel sagte Kind, der Ältere: „Wir setzen auf das Hannover-Modell. Diese beiden stehen für Kontinuität, und die Stadt muss froh sein, wenn diese beiden auch die Verantwortung für den Verein übernehmen.“ 73 Jahre Sozialdemokratie, und schon musst du als aktiver Regionsbewohner die begriffsstutzige Stadt ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie gefälligst froh zu sein hat, wenn das Tandem Kind/Roßmann in die Verlängerung geht.

Laien mögen sich das Hannover-Modell vielleicht ein wenig heterogener vorgestellt haben, und Kritiker könnten beklagen, dass den Vorschlag ein Hauch von Vetternwirtschaft umwehen könnte, aber da hält Martin Kind dagegen. Wenn man seine Personalien ablehnen würde, müsse man schon gute Argumente liefern. Nicht so einen Blödsinn wie Vetternwirtschaft. Alexander ist Sohn. Nicht Vetter. Er, Kind, habe solche Sachen immer „professionell gelöst“ und stets „vernünftige Personalentscheidungen“ getroffen.

Falls in diesem Punkt Zweifel aufkommen: einfach die zehn Sportlichen Leiter und 17 Trainer fragen, die unter Kind bei 96 gearbeitet haben. Kind würde seinem Nachfolger natürlich beratend zur Seite stehen. Alles bliebe also beim Alten. Außerdem, so Kind, hätten die beiden Söhne Alexander und Raoul bereits zugesagt. Ja, dann.

Kommandozentrale Kokenhof bleibt erhalten

Zugegeben, das Modell Kind+1 hat unbestritten Vorteile. Türschilder und Telefonlisten könnten 1:1 übernommen werden, die Fanszene im Norden könnte Banner, Aufkleber und Schmähgesänge einfach weiterverwenden. Alles Wichtige rund um 96 würde weiterhin in Großburgwedel geregelt werden, die legendäre Kommandozentrale Kokenhof bliebe erhalten. Zahlreiche Ex-Bundesliga-Trainer könnten die 96-Voreinstellung in ihren Navis übernehmen. Sportlich gesehen gingen der junge Hörgerätemacher und sein Partner ihr neues Amt hinreichend unvorbelastet an – könnte auch eine Chance sein. Oder wie man in der Branche sagt: Besser Taube in der Hand als Spatzen auf dem Dach.

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