28. April 2015 / 22:45 Uhr

Der Platzwart: Martinique – eine Hommage an MK für MK zum 70+1.

Der Platzwart: Martinique – eine Hommage an MK für MK zum 70+1.

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Bei vielen Leute kommt 96-Präsident Martin Kind nicht gut weg. Es heißt, er habe zwar Ahnung von Fußball, von Wirtschaft aber keinen Schimmer. Trotzdem: Wo wäre der Verein heute ohne den alerten Unternehmer? Eine Bestandsaufnahme zum Zeitpunkt 70+1.

Herzlichen Glückwunsch, Martin Kind! Der größte Präsident aller Zeiten in der Vereinsgeschichte von Hannover 96 hat in diesen Tagen Geburtstag gefeiert.

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Er wurde 70+1.

Kind hat seinen Ehrentag wie immer in aller Bescheidenheit begangen. Wo andere Menschen von ähnlichem gesellschaftlichen Rang die Messeparkplätze dekorieren und Motörhead oder sogar Teufelsgeiger Charly Neumann aufspielen lassen, teilt sich der Jubilar mit den engsten Vertrauten eine Flasche Apfelschorle, sammelt das Pfandgeld ein und geht zeitig zu Bett. 

Askese-Stübchen in Kleingeldwedel

Auch sonst macht Kind kein großes Aufheben um seine Person. Zum Beispiel bei der jüngsten Jahreshauptversammlung des Vereins. Die Komplettübernahme der Profiabteilung? Für Martin Kind kaum der Erwähnung wert. Bei anderen Vereinen, man denke an Traditionsklubs wie Hoffenheim, folgten auf eine vergleichbare Situation mehrwöchige Volksbelustigungen und eine Krönungszeremonie im Dom zu Sinsheim.

Bei 96? Nichts davon. Kein Hermelin, keine Sänfte, keine Inthronisierungsprozession Richtung Marktkirche, weshalb 96-Fan und Wahl-Hannoveraner Elton John seine eigens komponierte Ohrkerzenhymne „Candle in the Kind“ zum wiederholten Male nicht zum Vortrag bringen konnte. Stattdessen endet auch dieser besondere Tag für Martin Kind wie jeder andere in der 96-Geschäftsstelle: Schauen, ob überall Licht aus ist, das Wechselgeld stimmt und Dirk Dufner ein Kissen unter dem Kopf hat.


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Dann geht es an der Galerie gerahmter Excel-Tabellen – der einzige Luxus, den er sich gönnt – den Flur entlang zum Auto, auf der Fahrt in den Norden erklingt sein Lieblingslied. „Kind of Magic“. Zur Feier des Tages noch ein Absacker in seiner Lieblingskneipe, dem Askese-Stübchen in Kleingeldwedel? Nein, lieber nicht.

Die Kritiker des 96-Chefs zielen ins Leere. Martin Kind, ein Alleinherrscher? King Kind? Im Gegenteil! Er weiß Verantwortung zu delegieren. Wirklich wichtige Aufgaben übernehmen im Verein immer andere: Würstchengrillen, Bier ausschenken, Karten aufladen. Hat Martin Kind sich schon mal als Trainer ins Spiel gebracht? Natürlich nicht! Er hat Vertrauen und übernimmt lediglich die unangenehmen Aufgaben. Ver- und entlassen, das ist seine Devise dieses bescheidenen Visionärs. Dass er 75 Prozent Anteile an Großburgwedel hält, weiß kaum jemand. Und: Hat sich je jemand über den Namen der Insel Martinique Gedanken gemacht?

Ein passionierter Multitasker

Und alles nur für die Menschen. Schon bei der Hauptversammlung zeigte Kind, wie sehr ihm die Basis am Herzen liegt. Über einen Tagesordnungspunkt der Versammlung wurde sogar dreimal abgestimmt, in welchem Verein, in welcher Demokratie dieser Welt gibt’s das noch? Dass Martin Kind in allen wichtigen Vereinsgremien das Sagen hat, bedeutet lediglich, dass der Mann ständig mit sich selbst ringen muss.

Bekommt die Schachsparte ein neues Brett aus poliertem italienischen Marmor oder die Profifußballer einen neuen italienischen Innenverteidiger aus Belgien, gerne auch unpoliert? Kind versucht stets, alles möglich zu machen, er ist passionierter Multitasker. Und er ist ein Mann, der zu seinem Wort steht. Für ihn gilt: ein Verein, eine Familie, ein Kind. Und keine Chance für Heuschrecken! Die 96-Billardsparte? Kann Red Bull sich abschminken. Dart und Sportkegeln werden auch künftig bei 96 eine Heimat haben, niemand muss befürchten, künftig für Paris Saint-Germain oder Roman Abramowitsch darten oder kegeln zu müssen. Das sind die wahren Errungenschaften dieses Mannes. Da wird die sportliche Situation in der Sparte Herrenfußball fast zur Nebensache. 

Endlich zuhause angekommen, gönnt sich Kind dann doch noch was. Ein Glas Kräuterlikör, Marke Sechsämtertropfen. Er hat es sich verdient.