23. Februar 2016 / 22:06 Uhr

Der Platzwart: Nach Grexit und Brexit kommt Hexit – 96 tritt aus der 1. Liga aus!

Der Platzwart: Nach Grexit und Brexit kommt Hexit – 96 tritt aus der 1. Liga aus!

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Lange Gesichter nach dem Spiel gegen Augsburg. 96 ohne Punkte, ohne Tore, ohne Chance. Vielleicht wäre das Spiel anders ausgegangen, hätte Thomas Schaaf auf ein paar bekannte Gesichter gesetzt.

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Sonntagabend, viertel nach sechs, Halbzeitpause im Spiel Hannover gegen Augsburg. Die Schwaben führen 1:0, die Roten unterhalten ihr Publikum wie gewohnt mit hohen Bällen und Stellungsfehlern, beim neuen 96-Power-Move „Gegenseitig umrennen“ sind diesmal Gülselam und Prib dran. Zungeschnalzen auf der Westtribüne.

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Im VIP-Bereich findet ein Ehemaligentreffen statt. Man feiert 14 Jahre Fußballoberhaus. Das Timing der Vereinsverantwortlichen ist damit deutlich besser als das der Spieler unten auf dem neuen Rasen.

Wer übernimmt den Job Prib umzurennen?

96-Coach Thomas Schaaf betritt den Raum, er wirkt unrasiert, unverstanden und ansatzweise unzufrieden. Außerdem tropft er den teuren Teppich mit hannoverschem Regen voll. Schaaf entdeckt Mario Eggimann und Kostas Konstantinidis, die beiden machen gerade routiniert den Weg zum Büfett dicht. Dieter Schatzschneider, der alte Fuchs, hat sich wie früher im Rücken der Abwehr über freie Nebenräume von hinten an die kalten Platten geschlichen.

Schaaf hat nicht viel Zeit. 15 Minuten, dann muss er wieder raus. Am besten mit ein paar Fußballern, Alter egal, Kondition wäre gut, aber nicht entscheidend. Eggimann und Konstantinidis melden sich. Eggimanns Körper besteht mittlerweile zu 90 Prozent aus Voltaren, Konstantinidis ist 43, hat aber die körperliche Konstitution eines 42-jährigen Stahlarbeiters. Auf Nachfrage bestätigt der Grieche, auch für ihn sei es überhaupt kein Problem, Edgar Prib umzurennen. Er hat den Job. Gülselam muss zittern.

Kann Schaaf die Tormaschine Sobiech rausnehmen?

Thomas Schaaf stolpert über Altin Lala. Schaaf fällt, Lala hebt gewohnheitsmäßig beide Arme in Richtung Schiri-Kabine. Lala auf dem Platz, und halb Augsburg würde sich kaum mehr aus der Kabine trauen. Schaaf muss nicht lange nachdenken. Lala hat den Job. Augsburg muss zittern.

Auch im Sturm wird Schaaf fündig, Thomas Brdaric sichert Hilfe zu, der Mann ist natürlich immer noch pures Dynamit, und Autofahren kann er auch. Im Gegensatz zu Marcelo, der als jüngster Ehemaliger natürlich ebenfalls zum Treffen erschienen ist – Ehrensache. Und dann ist da noch Babacar N’Diaye. Der Mann hat bei den Fans mehr Sympathiepunkte als 96 Gegentore. Wenn Schaaf Baba aufs Feld schicken würde, könnte die Stimmung zugunsten der „Roten“ kippen. Aber er müsste Tormaschine Artur Sobiech rausnehmen, mit drei Treffern zweitbester Schütze der Saison. Schaaf zögert.

96 plant doch schon seit drei Jahren für die zweite Liga!

Beim Hinausgehen fällt Schaafs Blick auf einen alten Mann in der Ecke. Es ist Martin Kind. Kind hat einen Bart. Der Präsident sagt, er plane für die 2. Liga. In Wirklichkeit plant der 96-Patriarch seit drei Jahren für die 2. Liga, sehr erfolgreich im Übrigen. Der Hexit, der Ausstieg von Hannover 96 aus der maroden und vom FC Bayern dominierten Bundesliga, ist von langer Hand vorbereitet, 96 erfüllt alle Voraussetzungen eines gestandenen Zweitligaclubs.

15 Minuten vorbei, Schaaf muss zurück zur Mannschaft. Ein gewisser Klaus Wunder stellt sich ihm vor, sagt, er habe mal 33 Tore für 96 geschossen. Ein Wunder? Vielleicht die letzte Hoffnung. Andererseits hat 96 gerade mit einem jungen Stürmer einen Vertrag geschlossen. Sein Name: Feierabend. Er kann nichts dafür.

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