08. Dezember 2021 / 14:12 Uhr

Der Platzwart: Neues von der Reiß-Leine - oder vom ganz normalen 96-Trainerchaos

Der Platzwart: Neues von der Reiß-Leine - oder vom ganz normalen 96-Trainerchaos

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jan Zimmermann ist es nicht mehr, Uwe Rösler doch nicht, Daniel Thioune auch nicht - Christoph Dabrowski vielleicht doch länger. Die Strömung in der 96-Trainer-Reiß-Leine ist mal wieder stark.
Jan Zimmermann ist es nicht mehr, Uwe Rösler doch nicht, Daniel Thioune auch nicht - Christoph Dabrowski vielleicht doch länger. Die Strömung in der 96-Trainer-Reiß-Leine ist mal wieder stark. © Moritz Frankenberg / imago images / Florian Petrow
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Es ist mal wieder viel los bei Hannover 96, wenig zu spüren von besinnlicher Adventszeit. Der Platzwart ordnet die wilden Trainertage bei den Roten gewohnt sachlich und nüchtern ein - für alle, die den Überblick verloren haben.

Trainertage bei Hannover 96. Eine ganz normale Woche Anfang Dezember beim lustigsten Zweitligisten aller Zeiten.

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Montag: Hannovers Hausgewässer heißt nicht umsonst Reißleine. 96 stellt nach nur acht sieglosen Spielen in Serie Jan Zimmermann frei, also den Trainer, dessen „Auffassung von Fußball hervorragend zur künftigen Philosophie und Strategie von Hannover 96“ passt. Hat Martin Kind bei der Vorstellung von Zimmermann im Mai gesagt. Was Kind nicht gesagt hat: Philosophie und Strategie von Hannover 96 sind Arbeitsgrundlagen von extremer Beweglichkeit, chamäleongleich und voll flexi. Zum Trost wird Zimmermann bei der Verabschiedung umgehend zum sympathischsten Ex-Trainer aller Zeiten ernannt.

Dienstag: Während sich Zimmermann von der Mannschaft verabschiedet, glühen in der 96-Geschäftsstelle die Handy-Leitungen. Kohfeldt weg, Korkut weg, Kocak trainiert international, außerdem sind Trainer, die mit der Buchstabenkombination k.o. anfangen, im Abstiegskampf so passend wie Jens Keller. Die Folge: Hektik. Ein neuer Mann muss her, am besten jetzt mal wieder einer mit Erfahrung. Am Sonntag kommt Hamburg. Ein gewisser Daniel Thioune ruft an. Thioune ist nicht gerade ein alter Hase, aber er kennt den nächsten Gegner von früher. Das passt perfekt zur Philosophie und Strategie von Hannover 96. Jedenfalls für ein Spiel. Voll flexi halt. Thioune ist Favorit.

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Mittwoch: Uwe Rösler stellt sich bei Martin Kind vor. Rösler kennt den HSV nicht, aber er hat Fleetwood Town zu dem gemacht, was es heute ist: Drittletzter in der dritten englischen Liga. Englische Liga, Geld und Glamour. Martin Kind ist beeindruckt und legt seine Lieblingsplatte von Fleetwood Town auf: „Don‘t stop“. Also erzählt Rösler weiter – vom Angriffsfußball des FC Liverpool, der Stimmung an der Anfield Road und einem Nichtabstiegsplatz bei Saisonende. Das passt ganz hervorragend in die Philosophie und Strategie von Hannover 96. Rösler ist jetzt Top-Favorit. Christoph Dabrowski, auch kein alter Hase, leitet seine erste Trainingseinheit.

Donnerstag: Thioune ist raus, Rösler sieht wie der sichere Sieger aus, Dabrowski soll für ein Spiel Trainer sein, anschließend soll sein Nachfolger verkündet werden.

Freitag: Dabrowski sagt der Mannschaft, dass er gern drei Punkte gegen den HSV hätte, wegen Nichtabstieg und so. Die Spieler beraten sich, finden die Idee grundsätzlich gut, merken aber an, dass dafür mindestens ein eigenes Tor nötig wäre und wie das denn gehen solle.

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Sonnabend: Die Mannschaft stimmt der Sache mit den drei Punkten zu. Irgendwie wird der Ball schon reingehen.

Sonntag: Irgendwie ist der Ball reingegangen. 96 gewinnt mit Christoph Dabrowski gegen den Hamburger SV. Drei Punkte, kein Gegentor und Luft im Abstiegskampf. Das passt perfekt zur Philosophie und Strategie von Hannover 96. Dabro ist der Übergangskönig, der Inter-Heiland und wird, sehr zur Freude von Rösler, vom 2. Advents-Trainer zum 2021-Reste-Trainer befördert. Wenn er nach Iglostadt auch noch Ingolstadt besiegen sollte, würden sie in der Geschäftsstelle einen neuen Vertrag ausdrucken. Wenn er Bremen wegputzt, unterschreiben sie den vielleicht sogar. Bei Aufstieg hieße Hannover nicht mehr Hannover, sondern Dabrovnik. Versprochen. Wenn das mit Ingolstadt und so nicht klappt, findet sich eine andere Lösung. Es wird auf jeden Fall eine sein, die perfekt zur Philosophie und Strategie von Hannover 96 passt.