07. Oktober 2020 / 09:30 Uhr

Der Platzwart: Als Martin Kind im 96-Transferpoker „die Linie der Vernunft nicht verlassen will“

Der Platzwart: Als Martin Kind im 96-Transferpoker „die Linie der Vernunft nicht verlassen will“

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das Erfolgsgeheimnis von 96-Boss Martin Kind: die „Linie der Vernunft“.
Das Erfolgsgeheimnis von 96-Boss Martin Kind: die „Linie der Vernunft“. © imago images/Noah Wedel
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Warum verläuft der Transfersommer bei Zweitligist Hannover 96 so reibungslos, harmonisch, unwidersprochen und zielgerichtet? Die Antwort liegt vollumfänglich bei Martin Kind, findet der Platzwart.

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Um Hannover 96 muss man sich keine Sorgen machen. Das hat mehrere Gründe. Zum Beispiel strategisches Denken. Natürlich war es kein Zufall, dass das Spiel gegen Eintracht Braunschweig am 3. Oktober angesetzt wurde.

Vordergründig wegen Feiertag, in Wahrheit als Drohgebärde zwei Tage vor Schließung des Transferfensters, um notfalls alle Derbyverlierer auf den letzten Drücker vom Aufstiegsaspiranten an den HSV verschachern zu können. Denn der HSV kauft ja wie immer jeden, der nicht bei drei auf dem Mast ist, um wie immer das Saisonziel Platz vier zu sichern.

Zu- und Abgänge: Das sind die Sommertransfers von Hannover 96 (Saison 2020/21)

<b>Zugänge:</b> Simon Falette (vorerst ablösefrei, von Eintracht Frankfurt) Zur Galerie
Zugänge: Simon Falette (vorerst ablösefrei, von Eintracht Frankfurt) ©

Bei Hannover 96 kann so was nicht passieren. 96 trennt sich von vornherein ordnungsgemäß von der gesamten Mannschaft, verabschiedet vor der Saison sogar Spieler, die später den BTSV versenken – und versucht dann bis zum letzten Tag, den Kader wieder aufzufüllen.

Kenan Kocak nennt es „Puzzle“, das letzte Teil heißt Falette und wurde drei Stunden vor Transferschluss eingesetzt.

Warum klappt das alles so reibungslos, harmonisch, unwidersprochen und zielgerichtet? Die Lösung liegt wie immer vollumfänglich bei Martin Kind, der bereits im Frühjahr das Erfolgsgeheimnis verriet: die „Linie der Vernunft“. Die wollte er im Bezug auf Kaderplanung und seinen Geldspeicher bereits im Frühjahr erarbeiten.

Die Position Außenverteidiger gibt es nicht mehr

Gesagt, getan: Prib, Bakalorz, Felipe und Zieler wurden mit vernünftigen Abfindungen weggeschickt, die Spielposition Außenverteidiger nach Sichtung aller Verkäufe aus Vernunftsgründen aufgelöst und das Trainingslager vernünftig gekürzt.

Dann die vernünftige Niederlage in Osnabrück, ohne die sie bei 96 jetzt schon den Rathausbalkon für die Aufstiegsfeier schmücken würden.

Vernünftig auch der Transfer von Simon Falette. Angeblich Wunschspieler von Trainer Kocak, tatsächlich der Innenverteidiger, bei dem nur drei Buchstaben vom Felipe-Trikot mit der Nummer 5 gekratzt werden müssen.

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Und als der Transfer von Falette nun hakte, weil Falette nachdrücklich den Eindruck vermittelt hatte, dass ihm jeder Erstligist selbst in Usbekistan lieber ist als Zweitklassigkeit, zog Kind wieder seine Zauberschnur und bekundete, er wolle im Transferpoker „die Linie der Vernunft nicht verlassen“.

Wenig später saß Falette im Auto Richtung Maschsee, Medizincheck auf der Rückbank, Hintertür Geschäftsstelle, Unterschrift, während im Fanshop E, I und P durch A, E und TT ersetzt werden.

Freundschaftsspiele in Risikogebieten ...

Dann Foto mit dem runderneuerten Trikot – und ab zu zwei Länderspielen, den ersten guinesischen, für die 96 einen Spieler abstellen muss. Freundschaftsspiele in Risikogebieten, genau das also, was sich Vereinstrainer momentan wünschen.

Die Aussicht für Puzzle-Falette, drei Tage nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise auch ohne 96-Training in der Startelf gegen Paderborn zu stehen, sind also hervorragend.

Er kennt seine Mitspieler zwar noch nicht, aber im Spiel lernt er sie schneller kennen. Sie tragen ihre Namen auf dem Rücken. So bekommt Kocak sein letztes Puzzleteil schnell auf Linie. Die Linie der Vernunft.