31. August 2016 / 10:14 Uhr

Der Platzwart: Salif Sané. Ein Mann will in die Bundesliga

Der Platzwart: Salif Sané. Ein Mann will in die Bundesliga

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Gedrückte Stimmung in Beraterkreisen: Die güldene Transferzeit neigt sich ihrem Ende entgegen. Heute ist Stichtag: Wer jetzt keinen neuen Vertrag hat, bekommt keinen mehr. Wer jetzt noch in Wolfsburg oder Hannover ist, wird es lange bleiben.

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Paris St. German soll jetzt 75 Millionen geboten haben. Für Julian Draxler. Warum, muss man fragen, ist 96-Traditionskicker Valdet Rama dann für weniger als 15 Millionen von 1860 zu den Würzburger Kickers transferiert worden? Und warum muss sich 96 überhaupt um Geld scheren, wenn man die C-Jugend für eine geschätzte Milliarde Euro jederzeit an englische Mittelklassevereine verkaufen könnte.

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So gesehen kann man sich bei 96 auf den Sport konzentrieren. Auf den neuen Spitzenreiter, und bei der Reparatur dieses Tabellen-Systemunfalls auf unseren wichtigsten Spieler: Salif Sané. Der Mann, der nicht nur 1. und 2. Liga kennt, sondern auch 1. und 2. Mannschaft. Der Mann, der wie kein anderer für Hannover 96 steht, meistens in der Abwehr und neuerdings auch immer öfter in der Öffentlichkeit.

Alles Gerüchte!

Ohne sein Zutun ist Sané in der hektischen Transferzeit ein wenig ins Gerede gekommen. Es hieß, er habe einen Bruder in Bremen, einen Koffer in Köln und einen Werksausweis in Wolfsburg. Alles Gerüchte. Sané ist Hannoveraner durch und durch, hat angeblich gerade sogar die hannoversche Staatsbürgerschaft beantragt, beim nächsten Schützenfest soll er einen eigenen Festwagen bekommen. Einer seiner beiden Berater hat gesagt: „Salif will in die Bundesliga!“ Soll er ja. Nur die Ruhe.

Salif Sané merkt gerade, wie sehr sich Hannover 96 um ihn bemüht. Sein Dienstfahrzeug wurde vom Verein zum Winterreifenwechsel in die Werkstatt gebracht und kommt am 1. September zurück. Der 96-Handycheck war für Sané natürlich kostenlos, dass danach die SIM-Karte fehlte, ist bedauerlich. Martin Kind besorgt persönlich eine neue, am Donnerstag.

Rührend, wie sich 96 um Sané bemüht

Bis dahin dürfen Sané und seine beiden Berater die technische Infrastruktur der Geschäftsstelle nutzen – wenn sich die Netzkabel der Fax-Geräte wieder einfinden und der Wlan-Router endlich wieder läuft. Dass die Geschäftsstelle praktisch von der Außenwelt abgeschlossen ist – völlig normal. Am Donnerstag wird alles besser.

Trotz der technischen Probleme scheut Hannover 96 weder Zeit und Kosten, Salif Sané noch enger ins Vereinsgefüge einzubinden. Es ist praktisch immer ein Vereinskamerad bei ihm, man ist aktiv: Pfahlsitzen in der Eilenriede, Ching-Chang-Chong mit Geld, Nacktbaden in Yukon Bay, zwischendurch immer wieder mal eine Partie Malefiz an Orten ohne Verkehrsanbindung, und hinter Sané läuft immer Martin Kind und spielt „If you leave me now“ auf der Ohrkulele – man kann praktisch gar nicht voneinander lassen.

Offenes Transferfenster Schuld an Grippe

Sané honoriert die Bemühungen der Kollegen mit Dauergähnen und einer Sommergrippe. Grund: Sané findet bei offenem Transferfenster einfach keinen Schlaf. Im Pokalspiel durfte er dann sogar 50 Minuten ganz nah neben dem Trainer sitzen. Ein beiderseitiger Höhepunkt gelebter Vereinstreue.

Post hat Sané schon seit Wochen nicht mehr bekommen, Unbekannte haben seinen Briefkasten mit Zement ausgegossen. Morgen, Donnerstag, soll der Briefkastenreinigungsdienst kommen. 96 übernimmt die Rechnung. Und Sané kann wieder ruhig schlafen. Das Transferfenster ist zu.