12. Februar 2020 / 11:10 Uhr

Der Platzwart: So feierte Hannover 96 den Sieg in Fürth

Der Platzwart: So feierte Hannover 96 den Sieg in Fürth

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Polonaise: Partystimmung nach dem Sieg in Fürth.
Polonaise: Partystimmung nach dem Sieg in Fürth. © imago images/Rüdiger Wölk / Collage
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Wie feierte Hannover 96 den Sieg gegen Fürth? Die letzte Kabinenparty war noch von Mirko Slomka organisiert worden – nach dem Sieg in Kopenhagen. Der Platzwart berichtet aus der 96-Kabine in Fürth.

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Gewonnen. Drei Punkte. Drei Tore. Elfmeter gehalten. In Unterzahl gespielt. Keine Verluste beim Aufwärmen. Hätte es am Sonntag in Fürth nicht einige 96-Konstanten gegeben – Gelb-Rot, Eigentor, Felipe verletzt, jeder dritte Ball mit Ansage zum Gegner –, die Verantwortlichen von Hannover 96 hätten diesen Spielverlauf inklusive Ergebnis und Tabellenstand empört als irreal oder bösen Karnevalsscherz zurückgewiesen.

Schließlich spielt man beim Tabellenvierten. In Fürth. Dreifacher deutscher Meister, letzter Titel ’26 – also quasi gestern. Ungeschlagen und ohne Gegentor in diesem Jahr. Und wie sagt eine alte Unterklassen-Weisheit: Wer in Regensburg verliert / und Wiesbaden nicht abserviert / bleibt in Fürth bei Sturm „Sabine“ / am besten gleich in der Kabine.

Wie feiert man einen 96-Sieg?

Allgemeine Irritation deshalb nach dem Spiel in der 96-Umkleide. Kein Sekt, kein Bier, stattdessen die übliche Kiste Pflaumensaft und ein Topf Graupensuppe für alle. Das Grundig-Radio ist auf Wetter und Verkehr eingestellt. Starker Sturm – 96 hat damit wenig Erfahrungen. Nachdem vorsichtshalber alle eine Urinprobe abgegeben haben, um die Gültigkeit des Spielergebnisses eindeutig sicherzustellen, herrscht allgemeine Ratlosigkeit: Wie feiert man einen Sieg? Die letzte Kabinenparty war noch von Mirko Slomka organisiert worden – nach dem Sieg in Kopenhagen. Martin Kind schlägt im Überschwang der Gefühle eine Polonaise vor, Gerhard Zuber würde mitmachen, aber sein Anwalt ist dagegen. Kind dreht eine Runde und kramt dann in seiner Drei-Punkte-Lederjacke.

Cedric Teuchert sucht auf Spotify Playlisten für Tabellenzwölfte, Martin Kind zieht triumphierend eine Musikkassette, Chrome II von K-tel, aus der Jacke. 90 Minuten mit den größten Hits der Les Humphries Singers, darunter „Mexico“ und „Mama Loo“, die Lieblingssongs von Rainer Zobel und Horst Höttges. Kind würde sich sofort auf die zweite Runde Polonaise machen, aber leider hat Torwart-Trainer Rolf Moßmann seinen AEG-Ghettoblaster das Wochenende an Dieter Schatzschneider verliehen. Schade. Immerhin verteilt er lustige Sonnenbrillen an die vier Torschützen, Waldemar Anton greift beherzt zu. Es gibt warmes Duschwasser für alle. Am Ende wird das gesungen, was Simon Stehle auf dem Handy hat. Eine Polonaise nach „Palmen aus Plastik“ kannte Kind noch gar nicht.

Ein einstelliger Tabellenplatz winkt

Stehle ist beim Sprinten auf den ersten 30 Metern schneller als Usain Bolt. Als Usain Bolt das hörte, soll er zurückgetreten sein. Da der 30-Meter-Lauf immer noch kaum eine Chance auf Olympische Spiele hat, musste Stehle sich eine andere Sportart suchen. Hannover 96 – perfekt! Hat an guten Tagen was mit Sport zu tun und an noch besseren sogar was mit Fußball. Wären Sarenren Bazee und Bebou noch da – Stehle und Maina hätten reelle Chancen auf eine 4x100-Meter-Finalteilnahme dieses Jahr in Tokio.

Noch schneller als Stehle ist übrigens nur noch Jürgen Klinsmann, der am Dienstag so schnell zurückgetreten ist, dass es noch nicht mal die bei der Hertha mitbekommen haben. Und das ist immerhin sein Ex-Arbeitgeber. Klinsmann hat die Hertha mit mächtig Windhorst innerhalb von nur zwei Monaten von Platz 15 auf Platz 14 geführt. Sie planen ein Denkmal für ihn, vielleicht eine Tonne mit Loch. Sein emotionaler Abschiedsbrief auf Facebook endet mit den Worten „HaHoHe, euer Jürgen“. Er hätte auch schreiben können „Ich bin kein Berliner“. Man merkt: Klinsmann lebt, was er tut.

Hannover 96 lebt auch wieder. Keine Minute zu früh. Am Sonnabend ist das Stadion voll, ohne dass ein Konzert stattfindet. Irritierend. Aber 96 braucht Konstanten. Deshalb: offizielle Zuschauerzahl wie immer 22 000. Ein einstelliger Tabellenplatz winkt. Voraussetzungen: Sieg mit neun Toren Unterschied gegen den HSV bei gleichzeitigem Unentschieden zwischen Darmstadt und Sandhausen plus Niederlage von Osnabrück. Und Martin Kind weiß, was gut für die jungen Männer ist: Er hat seine „Best of Small Faces“ schon zurückgespult.

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