06. Februar 2019 / 10:14 Uhr

Der Platzwart: Wie Hannover 96 das Rennen um "Ehrentürke" Kagawa verlor

Der Platzwart: Wie Hannover 96 das Rennen um "Ehrentürke" Kagawa verlor

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Shinji Kagawa zeigt seine Krallen lieber in der türkischen Sonne als im unterkühlten Hannover.
Shinji Kagawa zeigt seine Krallen lieber in der türkischen Sonne als im unterkühlten Hannover. © imago/Seskim Photo
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Es wäre der Sensationstransfer der Winterpause gewesen: Shinji Kagawa von Borussia Dortmund zu Hannover 96. So kam es aber nicht. Besiktas Istanbul machte das Rennen und 96 schaute in die Röhre. Wie kam es dazu? Der Platzwart mit einer Chronolgie des "Deadline Day" der Winter-Transferperiode.

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Ein Freitag im Januar, zwei Stunden vor Transferschluss. Nach gescheiterten Verhandlungen mit der AS Monaco ist Borussia Dortmunds Shinji Kagawa wieder auf dem Markt. DER Shinji Kagawa. Asienlegende, Deutscher Meister, Pokalsieger. Und Fußballer. Passt streng genommen nicht ins Profil von Hannover 96.

Aber Neutrainer Thomas Doll hat gleich nach der ersten Trainingseinheit Tabellensüdwind gespürt und hektisch eine To-do-Liste angefertigt. Ganz oben steht „Nichtabstieg“, darunter „Punkte“, „Tore“, „Unfallfrei über die Mittellinie kommen“, „Drei Pässe am Stück“ und „Offensivspieler“. Neben „Offensivspieler“ steht mit Edding „Shinji Kagawa!“.

Heldt trifft Watzke in fensterlosem Kartoffelspeicher

Horst Heldt macht sich an die Arbeit, blättert im Internet. Er weiß: Wenn er Shinji Kagawa nach Hannover holt, werden sie Vinnhorst nach ihm benennen und irgendwo in der Eilenriede ein Heldt-Denkmal bauen. Heldt greift zum Festnetztelefon, das Fräulein vom Amt stellt eine Verbindung zu Aki Watzke her. Man vereinbart ein kurzfristiges Treffen auf halber Strecke in einem fensterlosen Kartoffelspeicher in Holzwickede.

Zur gleichen Zeit im Morgenland: Auch bei Besiktas Istanbul hat man Kunde von Kagawa. Der geschäftsführende Vereinssultan entscheidet: kaufen. In der Türkei ist man mit Transfers nicht so zimperlich wie in Deutschland. Der Zweitligist Elazigspor hat vor ein paar Tagen einfach mal 22 Transfers in zwei Stunden durchgezogen. Ohne Manager! Horst Heldt ist ebenso gewarnt wie motiviert.

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Hannover - der Nippon Niedersachsens

Eine Auswahl feinster türkischer Süßspeisen erreicht Kagawa noch in Monaco, ein Besiktas-Barbier schneidet ihm auf dem Rückflug von Monaco nach Deutschland kostenlos die Haare, Undercut und Ohrenhärchenfackeln inklusive. Es gibt Çay aufs Haus. Beim Aussteigen wird Kagawa ein handgeknüpfter roter Teppich ausgerollt – er darf ihn natürlich mitnehmen.

Derweil im zentralen Kartoffellager Holzwickede: Hannover 96 und Borussia Dortmund stehen kurz vor einer Einigung. Sakai, Kiyotake, Yamaguchi, Asano, Haraguchi, Hiroshima-Hain, 12 Sushi-Bars zwischen Linden und Podbi, jetzt noch Kagawa – 96 wird endgültig zum Nippon Niedersachsens.

Martin Kind könnte sich vorstellen, als kleine Geste des Willkommens die schmale Ihmequerung am Schwarzen Bären in Tenno-Ohnesorg-Brücke umzubenennen. Vielleicht müsste ein 96er mal mit Kagawa über Hannover und den anstehenden Sensationswechsel reden. Die Verhandlungsdelegation schickt Kagawa ein Selfie aus dem schummrigen Kartoffelsilo. Alle Daumen hoch.

Goldenes Steak für Kagawa

Shinji Kagawas Handy brummt, eine Whatsapp von Watzke. Total dunkel, der Japaner erkennt nur Watzkes Zähne. Die Hauswand gegenüber zeigt seit seiner Rückkehr aus Monaco in leuchtenden Farben einen Sonnenuntergang am Bosporus – hat der Besiktas-Fassadenmaler über Nacht gemacht.

Im Treppenhaus sind Kagawa Bauchtänzerinnen und Musiker aufgefallen, dampfende Shishas auf dem Parkplatz, ein türkischer Aushilfskoch mit Sonnenbrille schneidet unaufgefordert für Kagawa ein goldenes Steak auf – untypisch, so was kannte er selbst aus Dortmund nicht. Sein Wohnzimmer ist sehr akkurat mit bunten Geldscheinen tapeziert, die Kemal Atatürk zeigen. Es klingelt an der Haustür.

Martin Kind und Horst Heldt verkünden auf der Pressekonferenz vor dem Leipzig-Spiel die Einigung mit dem BVB und den Wechsel von Shinji Kagawa zu Hannover 96. Der sitzt zu diesem Zeitpunkt bereits im Privatjet Richtung Süden. Hannover 96 hat keinen Privatjet. 96 braucht 14 Stunden bis Marbella. Einen Tag später weht durch Hannover 90 Minuten lang kühler Ostwind und danach eisiger Nordwind. Shinji Kagawa schießt für Besiktas in zwei Minuten zwei Tore und wird noch am Abend Ehrentürke auf Lebenszeit. Seien wir ehrlich: Er hätte sowieso nicht zu uns gepasst.

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