07. April 2021 / 09:11 Uhr

Der Platzwart: Ziegenpeter und Haraguchi beim 96-Remis gegen den HSV auf der Sechs

Der Platzwart: Ziegenpeter und Haraguchi beim 96-Remis gegen den HSV auf der Sechs

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Genki Haraguchi traf gegen den HSV im Liegen zum 3:3-Ausgleich.
Genki Haraguchi traf gegen den HSV im Liegen zum 3:3-Ausgleich. © Swen Pförtner/dpa
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Hannover 96 und der Hamburger SV trennen sich unentschieden. Nachdem Aaron Hunt dreimal langweilig war vor dem Strafraum, war der Rest Routine für Hannover. Das 3:3 für 96? Reine Formsache, meint der Platzwart.

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Crunchtime in der 2. Liga, der April, die Woche der Wahrheit, wie man bei Hannover 96 sagt. Plan A: sieben Siege aus sieben Spielen. Die Quarantäneprofis von 96 haben sich eine Sieben-Spiele-Inzidenz von 21 zum Ziel gesetzt, um Greuther Fürth in der Tabelle nicht aus den Augen zu verlieren. Plan B: sieben Punkte aus sieben Spielen, um nicht da zu landen, wo der BTSV schon ist. In das Spiel gegen den HSV aus Hamburg gehen die Roten mit dem guten Gefühl von zwei Unentschieden in Folge und dem Wissen, dass es in den Nord-Freundschaftskicks mit der Gäste-Elf viel Harmonie gibt. Aber Vorsicht ist natürlich immer geboten. 96-Coach Kocak bringt die Ausgangslage im Remis-Derby so auf den Punkt: „Wir haben heute das Problem, dass wir auf einen Gegner treffen.“

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Ein Gegner? Hendrik Weydandt ist skeptisch und leiht sich sicherheitshalber per Ferndiagnose bei Felipe eine Speicheldrüsenentzündung aus, besser bekannt als Ziegenpeter. Robert Lewandowski pausiert gerade wegen einer Bänderdehnung, Neymar hat es an den Adduktoren, aber Ziegenpeter und Haraguchi auf der Sechs? Das ist neu im Weltfußball. Die Hamburger wissen schon vor dem Spiel: 96 ist immer für eine Überraschung gut, das wird nicht einfach.

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Denn irgendwas geht immer für Hannover 96 in den Nordduellen, beim letzten Aufeinandertreffen reichte kein Spiel immerhin für einen lockeren, ungefährdeten 1:0-Sieg. Dass die Hamburger auch im Rückspiel nicht unbedingt auf Sieg aus sind, unterstreichen sie gleich mit ihrer Startaufstellung. 96-Abstiegsheld Bobby Wood im Sturmzentrum, Schatto-Schreck Terodde auf der Bank. Alles läuft mindestens auf ein schiedlich, friedliches Unentschieden oder mehr hinaus, und so spielen die 96er zunächst auch.

Aaron Hunt ist dreimal langweilig

14. Minute, Hannovers Abwehr hält Abstand, Aaron Hunt ist am 16er langweilig, er schießt auf das Tor. Hunt ist nach Jürgen Sparwasser und Marco Bode der bekannteste Fußballer aus dem Harz ohne Talsperrenbezug im Nachnamen. Später wird Hunt zu Protokoll geben, dass ihm der rechte Fuß – im Normalfall nur dazu da, um im Kabinengang nicht gegen die Seitenwand oder im Harz in die Oker zu kippen – leider ausgerutscht sei. Es soll nicht wieder vorkommen. 96-Torwart Esser ist erleichtert.

34. Minute, Hunt ist schon wieder langweilig, immer noch kein Gegenspieler weit und breit. Er schießt erneut aufs Tor, dieses Mal mit links und ziemlich platziert. Das sieht aus wie Absicht. Aber kann man dem HSV aus Hamburg wirklich böse sein? Zumal sich 96 mit Fehlpässen und Fallrückziehern gekonnt gegen die drohende Niederlage stemmt und das 0:2 so gekonnt in die Pause rettet.

50. Minute, Hunt, Langeweile zum Dritten, bekanntes Ergebnis. Das letzte Mal so frei zum Schuss gekommen ist Hunt in Bremen, beim Einzeltraining. Neutrale Beobachter könnten glauben, das Spiel sei entschieden, aber Valmir Sulejmani weiß, dass 96 in solchen Situationen erst mit dem Toreschießen beginnt. 2013 in Nürnberg zum Beispiel, er war ja selbst dabei. Er hält nach Mame Diouf Ausschau und findet Genki Haraguchi – auch gut.

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Remis reine Formsache

Der Rest ist Routine. Spätestens als nach dem Haraguchi-Hammer sogar Marvin Ducksch trifft und ein erstaunlich formstabiler Bobby Wood auf der anderen Seite das macht, was er am besten kann, wissen die Hamburger, dass es nichts wird mit dem Sieg in Hannover. Das 3:3 für 96? Reine Formsache, man würde kein großes Aufheben darum machen, wenn es sich nicht um den Torschützen gehandelt hätte, der da auf dem Rasen saß. HSV-Sportdirektor Michael Mutzel sagte nach dem Spiel: „Das ist eigentlich nicht unsere Mannschaft.“ Nicht? Dann freuen wir uns in Hannover darauf, den Hamburger SV nächste Saison kennenzulernen. Immer wieder gerne.