29. Juni 2020 / 16:43 Uhr

Der Schuldenberg der HSG Schaumburg Nord hat sich 2019 mehr als verdoppelt

Der Schuldenberg der HSG Schaumburg Nord hat sich 2019 mehr als verdoppelt

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Auf dem Sportplatz in Waltringhausen finden sich die Mitglieder der HSG Schaumburg Nord ein. © Daniel Kultau
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Die äußeren Bedingungen der Jahreshauptversammlung der HSG Schaumburg Nord waren top. Die Verantwortlichen hatten auf den Sportplatz in Waltringhausen geladen und unter Einhaltung der Abstandsregeln unter der untergehenden Abendsonne die Veranstaltung abgehalten. Inhaltlich dürften einigen Mitgliedern jedoch die Kinnlade runtergefallen sein.

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Der Schuldenberg hatte sich im Vergleich zu 2018 mehr als verdoppelt. Das zweite große Thema des Abends, die Eigenständigkeit der Handballspielgemeinschaft, ging auch nicht einstimmig und ohne Gesprächsbedarf über die Bühne.

Katastrophales Ergebnis

Der HSG-Vorsitzende Felix Lattwesen sprach von einem „katastrophalen Ergebnis“, als er die Zahlen vorstellte. So hatte die HSG im Jahr 2019 Einnahmen in Höhe von 154.366,11 Euro. Die Ausgaben lagen bei 179.216,54 Euro. Ein dickes Minus von fast 25.000 Euro. Die Verbindlichkeiten betragen damit 32.950 Euro, 2018 waren es 14.950 Euro.

„Da fällt einem die Kinnlade runter“, so Lattwesen, der im Anschluss sogar die Frage stellte, ob der Vorstand noch in der Lage wäre, den Verein weiterzuführen. Eine Antwort darauf gab es nicht. Dafür aber auf die Frage, wieso es zu so einem Ergebnis kommen konnte. Einerseits habe es an den hohen Kosten im Bereich „Bezahlter Sport“ gelegen. Gemeint ist damit vor allem die erste Herrenmannschaft aus der Oberliga. Unter anderem aus steuerrechtlichen Gründen habe die HSG alle Spieler gegenüber der Berufsgenossenschaft gemeldet. „Das sind unglaublich hohe Kosten“, erklärt Lattwesen. Andererseits pumpt die HSG viel Geld in die Jugendarbeit. Der Rotstift wird nun im Herrenbereich angesetzt, so der Vorsitzende, der erklärte auch auf den sportlichen Erfolg verzichten zu können.

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Die Jugendarbeit solle weiter intensiviert werden. Unter anderem wurde eine zweite FSJ-Stelle geschaffen (wir berichteten). „Uns war schnell klar, dass wir den Weg in der Jugend fortsetzen wollen“, so Lattwesen. „Es ist die einzig sinnvolle Investition, um den Verein nachhaltig am Leben zu halten.“ Der HSG-Haushaltsplan für 2020 sieht durch sehr viele Kürzungen so aus, dass der Verein mit einem Plus von 4.900 Euro das Jahr beenden würde. Durch weitere Tilgungen würde der Schuldenberg so auf 22.550 Euro schrumpfen. Aktuell beträgt er laut Lattwesen 23.200 Euro.

Unklare Zukunft

Aufgrund des Coronavirus sei es jedoch noch völlig unklar, wann die Saison wieder starten und es wieder Erlöse geben würde. Und auch die Gespräche mit einigen Sponsoren gestalten sich deswegen aktuell sehr schwierig. Auf die Frage eines Mitglieds, ob die HSG darüber nachdenke eine außenstehende Person als finanziellen Berater einsetzen zu wollen, sagte Lattwesen, dass dies aktuell nicht geplant sei. Wie in jedem anderen Verein, solle die Mitgliederversammlung zukünftig dieses Organ sein.

Durch die schiefe Finanzlage gab es auch beim zweiten großen Thema des Abends noch Gesprächsbedarf. Die HSG wollte sich vollständig von den sieben Stammvereinen trennen. Unter anderem ging es um versicherungstechnische Gründe. So verletzte sich ein Spieler in der vergangenen Saison und es kam die Frage auf, wer dafür haftet? Der Spieler war nur Mitglied im Stammverein, aber nicht in der HSG. Eine rechtliche Grauzone, so beschrieb es Lattwesen, die man nun verlassen wolle. Bisher waren diese sieben Vereine in der Rolle als HSG-Aufsichtsrat tätig.

Gegenwind

Gegenwind gab es von Mitglied Tobias Knüttel, der aufgrund der Finanzen und der unklaren Planungslage lieber noch ein Jahr abwarten wollte. „Ich halte es in diesem Jahr für keine gute Idee“, so Knüttel. Lattwesen, der wiederholt energisch für die Zustimmung warb, erklärte, dass er den Einwand nachvollziehen könnte. Trotzdem warb er energisch für eine Eigenständigkeit. „Ich werde den Weg der Überbrückung ansonsten selber auch nicht weitergehen“, erklärte Lattwesen, der damit jedoch nicht vom Rücktritt sprach, sondern davon, sein Engagement zurückfahren zu wollen. Zu müde sei er von den Diskussionen mit den sieben Stammvereinen. („Ich bin am Ende.“).

Schuldenberg mehr als verdoppelt
Tobias Knüttel (links) möchte mit der EIgenständigkeit der HSG Schaumburg Nord lieber noch ein Jahr warten. Der HSG-Vorsitzende Felix Lattwesen (rechts) hört zu. © Daniel Kultau
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Außerdem sei bereits zu viel Energie in die Vorbereitung dieses Schrittes geflossen. Dem Vorsitzenden war die Erleichterung anzumerken, als die Satzungsänderung mit lediglich zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen bei insgesamt 51 Stimmberechtigten angenommen wurde. Die Eigenständigkeit kann nun also kommen.

Zu guter Letzt nickten die Mitglieder auch noch das neue Modell für die Mitgliedsbeiträge mit lediglich vier Enthaltungen ab. Auch ein eingereichter Antrag, in dem sich die HSG in ihrer Satzung gegen Rassismus, Diskriminierung und Co. stellt, und sich für einen fairen Sport positioniert, wurde durchgewunken.