18. November 2020 / 17:50 Uhr

„Der Spieler Dennis Bühn würde mit dem Trainer Dennis Bühn nicht glücklich sein“

„Der Spieler Dennis Bühn würde mit dem Trainer Dennis Bühn nicht glücklich sein“

Peter Konrad
Peiner Allgemeine Zeitung
Coach Dennis Bühn (Mitte) investiert viel Zeit in den MTV Groß Lafferde – 15 bis 20 Stunden pro Woche kommen zusammen.
Coach Dennis Bühn (Mitte) investiert viel Zeit in den MTV Groß Lafferde – 15 bis 20 Stunden pro Woche kommen zusammen. © Fotos: Büchler
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Seit seiner Geburt gehört Verbandsliga-Coach Dennis Bühn dem MTV Groß Lafferdes an, war als Handballer aber nur bis zur C-Jugend aktiv. Er habe Talent für andere Sachen gehabt, sagt der heute 41-Jährige, der früh zum Betreuer der ersten Mannschaft wurde.

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Mehr Vereinstreue geht nicht: Dennis Bühn ist 41 Jahre alt - und genauso lange gehört er auch schon dem MTV Groß Lafferde an. „Meine Eltern haben mich direkt nach der Geburt beim MTV angemeldet“, sagt Bühn lachend. Inzwischen ist sein Name untrennbar mit dem Lafferder Handballsport verbunden – er ist Identifikationsfigur und eines der Gesichter des Vereins. Zudem ist er ein gutes Beispiel dafür, dass eine Trainer-Laufbahn erfolgreich verlaufen kann, ohne höherklassig gespielt zu haben. „Um ein Jockey zu werden, muss man ja nicht als Pferd geboren sein“, sagte einst Arrigo Sacchi, der lediglich in den Niederungen des italienischen Amateurfußballs kickte, mit dem AC Mailand aber zweimal die Champions League gewann.

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Ähnlich sieht es auch Bühn, der sogar überhaupt nicht im Herren-Bereich gespielt hat, aber mittlerweile dennoch die Verbandsliga-Handballer des MTV coacht. „Die Erfahrungen, die man als Spieler macht, können für einen Trainer ein Vorteil sein, aber das ist nur ein Punkt von vielen. Viel wichtiger sind die Fähigkeiten im sozialen Bereich – und die eignet man sich vor allem in anderen Zusammenhängen an“, erklärt er. Die Kompetenzen im Umgang mit Spielern hat er sich insbesondere in der Arbeit mit dem Nachwuchs erworben, trainierte er doch mehrere Jugend-Teams – und dies sehr erfolgreich. Unter anderem wurde er 2017 mit der A-Jugend niedersächsischer Vizemeister. „Die Arbeit mit den Jungs hat mich enorm weitergebracht“, betont Bühn.

Im Jahr 2003 stieg der MTV Groß Lafferde in die Handball-Verbandsliga auf. Mit dabei: Dennis Bühn (hintere Reihe, Dritter von rechts) bereits in seiner Funktion als Betreuer.
Im Jahr 2003 stieg der MTV Groß Lafferde in die Handball-Verbandsliga auf. Mit dabei: Dennis Bühn (hintere Reihe, Dritter von rechts) bereits in seiner Funktion als Betreuer. ©

Geplant war eine solche Laufbahn indes nicht, da er einige Jahre zuvor mit dem Handball eigentlich schon abgeschlossen hatte, beendete er doch in der C-Jugend seine aktive Laufbahn. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht unbedingt das Talent dafür hatte und habe es deshalb auch sein lassen“, erläutert Bühn schmunzelnd. Spaß hatte er zwar durchaus, „aber zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht handballverrückt“. Anschließend versuchte er sich in einer anderen Sportart, doch das Interesse am Schießen mit dem Luftgewehr erlosch recht schnell wieder. Dass er danach doch wieder zum Handball fand, lag an seinem Onkel, der Trainer der ersten Herren-Mannschaft war. 1994 gelang es Karl-Heinz Bühn, seinen damals 15-jährigen Neffen zu überreden, ihn zu unterstützen. Erster Auftrag war, „ein Spiel zu filmen“, erinnert sich Bühn.

Wenig später kamen weitere Aufgaben hinzu: Presseberichte zu verfassen und das Kampfgericht zu besetzen. Und als in der Saison danach Reimund Schröter als Trainer verpflichtet wurde, übernahm Bühn die Rolle des Betreuers. „Von da an war ich mit dem Handball-Virus infiziert.“ Fortan wirkte er im Hintergrund als Koordinator, kümmerte sich um alle Belange des Teams.

Im Laufe der Zeit reichte ihm dieses Aufgabenfeld jedoch nicht mehr, sondern er wollte direkten Einfluss auf die Spieler nehmen. Also entschied er sich, als Coach im Jugendbereich einzusteigen. „Am Anfang hatte ich allerdings noch relativ wenig Erfahrung, wusste nicht immer genau, was ich tun sollte.“

Er lernte jedoch schnell dazu und profitierte dabei auch von den Trainern, denen er in den Jahren zuvor hilfreich zur Seite gestanden hatte. „Da wir viele Herren-Trainer hatten, konnte ich mir einiges abschauen, aber ich habe auf jeden Fall meinen eigenen Stil entwickelt“, betont Bühn.

Viel Wert legt er auf eine vertrauensvolle Atmosphäre, eine gute Kommunikation und ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Führung und Mannschaft. „Ich versuche, vieles gemeinsam zu lösen“, sagt er. Am Ende allerdings müsse einer den Hut aufhaben. „Und das ist eben der Trainer“, konstatiert Bühn, der seine Entscheidungen aber nicht allein trifft, sondern zusammen mit seinen Co-Trainern Steffen Slabon und Mathias Krause. „Die beiden sind immens wichtig. Wir ergänzen uns gut und bilden zusammen ein hervorragendes Team – mit solch engagierten Leuten zu arbeiten, ist schon toll.“

Weniger erfreut hingegen wäre der Verwaltungsfachangestellte über einen Spieler, „der so ist, wie ich in der Jugend war. An so einem würde ich als Coach verzweifeln, weil ich immer meine eigene Meinung und einen Dickkopf hatte – schon damals war ich mehr Trainer als Spieler“, erklärt Bühn.

Einfach sei das mit ihm bestimmt nicht gewesen. Und er weiß, wie er auf ein solches Verhalten reagieren würde. „Wir hätten keinen Spaß miteinander – der Spieler Dennis Bühn würde mit dem Trainer Dennis Bühn nicht glücklich sein“, konstatiert der Lafferder Coach. „Naja“, fügt er lachend hinzu, „immerhin habe ich nicht allzu lange gespielt und konnte deshalb auch nicht so viel nerven.“

Bereut hat er seinen Entschluss, in der C-Jugend aufzuhören, nie. „Nein, ganz und gar nicht, denn ich wäre nur ein Breitensport-Handballer geworden. Man soll das machen, was man kann – und das ist bei mir jedenfalls nicht der Job als Spieler.“ Als Trainer hingegen hat er noch einiges vor. Zunächst einmal möchte er das Team in der Verbandsliga etablieren, „und dann wollen wir den nächsten Schritt machen“, erläutert er. Heißt: Der Aufstieg in die Oberliga ist sein großer Traum – und dafür investiert er viel Zeit: Zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche nimmt der MTV in Anspruch. Für Bühn eine Selbstverständlichkeit. „Handball ist fester Bestandteil meines Lebens.“

Ob sein großer Aufwand am Ende mit dem Sprung in die vierte Liga belohnt wird, „kann keiner sagen. Denn das hängt von Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können. Aber wichtig ist, sich Ziele zu setzen und zu versuchen, diese auch zu erreichen“. Ein Muss sei die nächsthöhere Klasse indes nicht, sagt er. „Es wäre toll, wenn es klappt. Aber noch wichtiger ist für mich, dass einige Spieler, die ich in der Jugend ausgebildet habe, inzwischen bei mir im Herren-Team sind – das verbindet enorm“, betont Dennis Bühn. „Für uns Trainer gibt es nichts Besseres, als Spieler um uns herum zu haben, die Bock auf Handball haben, zu uns stehen und mit Leidenschaft bei der Sache sind.“