30. April 2022 / 10:23 Uhr

Der Suchende: Alexander Zverev steckt vor den French Open im nächsten Formtief

Der Suchende: Alexander Zverev steckt vor den French Open im nächsten Formtief

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Alexander Zverev steckt erneut in der Krise.
Alexander Zverev steckt erneut in der Krise. © IMAGO/MIS
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Die bisherige Saison von Deutschlands bestem Tennisprofi Alexander Zverev verläuft wie eine Achterbahnfahrt mit extremen Höhen und Tiefen. Aktuell steckt Zverev wieder in einem kräftigen Tief.

Die Sache mit der krummen Selbsteinschätzung wird ihm jetzt natürlich wieder um die Ohren gehauen, aber daran ist Alexander Zverev schon auch ein bisschen selber schuld. Deutschlands bester Tennisspieler hat sich einen Kommunikationsstil angewöhnt, der für einen Profisportler wie ihn sicher nicht ungesund ist, der aber doch ohne Not extrem viel Druck aufbaut.

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Zverev hatte auch vor seinem peinlichen Ausscheiden am vergangenen Mittwoch beim ATP-Turnier in München gegen den dänischen Teenager Holger Rune wieder ordentlich auf die Pauke gehauen: "Ich bin mit dem Gefühl hier, dass sich vieles ändern kann und ich das beste Jahr meines Lebens haben werde." Oder hier, dieser Satz: "Ich gehe jetzt mit 25 in die Richtung, wo der Höhepunkt meiner Karriere sein sollte."

Man fragt sich: Wie kann sich einer, der schon relativ lange auf der Tour unterwegs ist, doch immer wieder so irren und mit dem Gefühl für die eigene Stärke derartig danebenliegen? Nun muss man festhalten, dass die indiskutable 2:6, 3:6-Niederlage Zverev rein sportlich betrachtet nicht groß zurückwerfen wird. In der Weltrangliste bleibt er an Position drei. Weil er im vergangenen Jahr in München auch schon im Viertelfinale ausschied und dementsprechend weniger Punkte zu verteidigen hatte, sackt er im Ranking nicht ab.

Vor ein paar Monaten war die Welt für Zverev noch in Ordnung

Aber genau hier fängt das Pro­blem an: Es geht beim 25-Jährigen im Moment eher ums Absacken, als um das Erobern der Spitzenposition. Und, bitte nicht vergessen, genau das hatte Zverev nach der guten Saison 2021 mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille und dem Triumph bei den ATP-Finals zum Jahresabschluss ja selber als Ziel ausgegeben.

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Alles schien vor ein paar Monaten noch perfekt für ein noch größeres 2022. Die Nummer eins war in Reichweite, der lang ersehnte erste Grand-Slam-Erfolg seiner Karriere war nur noch eine Frage der Zeit. Aber schon der erste große Höhepunkt der Saison endete mit einer Enttäuschung. Bei den Australian Open in Melbourne schied der Deutsche nach der vierten Runde aus – und er fand auch sonst nicht statt. Rafael Nadals Wiederauferstehung und die Farce um Novak Djokovic bestimmten die Schlagzeilen in Down Under. Zurück in Europa schaffte es Zverev in Montpellier immerhin bis ins Finale, seinem einzigen bisher in diesem Jahr. Es folgte der vorläufige Tiefpunkt seiner Karriere mit der Schlägerattacke auf den Schiedsrichterstuhl in Acapulco, woraufhin Zverev vom Turnier ausgeschlossen wurde.

Der Hamburger hat sich in Mexiko auf einen Schlag selber sehr viel kaputt gemacht. Sportlich lief es bei den beiden Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami auch nicht viel besser. In der kalifornischen Wüste war schon nach zwei Matches Schluss, in Florida ging es immerhin bis ins Viertelfinale, in dem Casper Ruud aus Norwegen besser war. Der Start der Sandplatzsaison in Europa verlief dann zunächst vielversprechend. In seiner Wahlheimat Monte Carlo drang Zverev endlich mal wieder in ein Halbfinale vor, musste sich dort dann aber dem Weltranglistenfünften und späterem Turniersieger Stefanos Tsitsipas aus Griechenland geschlagen geben. Es schien bergauf zu gehen.

Zverev wirkt wie ein Suchender

Und dann kam München. "Das war bodenlos, mit das Schlechteste, was ich in den letzten sieben Jahren gespielt habe", sagte Zverev nach seiner Pleite gegen Rune und hatte dabei Tränen in den Augen. Der 25-Jährige spielt bis jetzt keine katastrophale Saison, aber eben auch keine gute. Die Ausschläge sind extrem und eigentlich ist fast alles für die eigenen Ansprüche zu wenig.

Zverev wirkt drei Wochen vor dem zweiten Höhepunkt des Tennisjahres, den French Open in Paris, wie ein Suchender. Daran konnte zumindest bisher auch sein neuer Coach Sergi Bruguera nichts ändern. Was man hört, ist, dass die neue Partnerschaft mit dem ehemaligen spanischen Major-Sieger nicht problemlos verlaufen soll. Aber auch das passt in das diffuse Bild, das der Deutsche gerade abgibt.

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