22. Februar 2021 / 09:06 Uhr

Der SV Merkwitz kämpft in der Pandemie: Viele Absagen und ein herber Verlust

Der SV Merkwitz kämpft in der Pandemie: Viele Absagen und ein herber Verlust

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Die Hoffnung auf bessere Fußballzeiten lebt beim SV Merkwitz.
Die Hoffnung auf bessere Fußballzeiten lebt beim SV Merkwitz. © Christian Kunze
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Soziale Kontakte fehlen allen im Verein: Der SV Merkwitz muss in der Corona-Krise auch auf seine traditionellen Hallenturniere verzichten. Die Männermannschaft in der Fußball-Kreisklasse hat einen ihrer besten Spieler verloren, vermeldet aber auch einen Neuzugang

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Nordsachsen. „Keine Fußballrückrunde, Anwesenheitslisten, Masken am Sportplatz, Stühle auseinander rücken, Sport ohne Zuschauer. Es ist wohl überwiegend Corona, was dieses Jahr in Erinnerung bleibt.“ So hieß es in der Weihnachtsbotschaft des Vorstandes . Und für die 165 Mitglieder des SV Merkwitz, unter ihnen 108 Kinder und Jugendliche, hat sich seit Dezember nichts zum Positiven verändert.

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Podestplatz noch nicht aus den Augen

Im Gegenteil. Kein Training, keine Punktspiele, keine Hallenturniere. Die Männer- und Frauenmannschaft sowie die vielen Nachwuchsteams der vor allem im Jugendbereich erfolgreichen Rand-Oschatzer sehnen sich nach dem Tag X, nach Lockerungen der Pandemie-Bestimmungen, nach gemeinsamen Aktivitäten, nach dem gewohnten Vereinsleben. „Still ruht der See“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Falk Zschäbitz, „das tut uns in der Seele weh, und wie sehr die sozialen Kontakte allen fehlen, merke in jedes Mal, wenn ich jemanden aus dem Verein auf der Straße treffe und wir ins Gespräch kommen. Aber wir werden wohl noch eine Weile warten müssen. Vielleicht geht es im April wieder los und wir können wenigsten wie geplant noch die Hinrunde zu Ende spielen.“ Das einzig Positive sei, das es noch keine Abmeldungen im Verein gebe. Die Hoffnung auf bessere Zeiten lebt.

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Der SV Merkwitz hat darauf verzichtet, Trainingsvideos an seine Mannschaften zu verschicken. „Das ist bei uns schwer umsetzbar. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in unteren Amateurklassen unterwegs sind, und gehen davon aus, dass alle Spieler darum bemüht sind, sich individuell fit zu halten“, erklärt Falk Zschäbitz.

Im vergangenen Jahr hatten die Merkwitzer ihre Männermannschaft freiwillig aus der Kreisliga zurückgezogen, weil die Personaldecke immer dünner wurde und man sich nicht vorführen lassen wollte. „Diese Entscheidung hat nicht allen gefallen, wir waren ja gerade erst aufgestiegen und hatten sportlich den Klassenerhalt geschafft, aber sie war notwendig“, betont Falk Zschäbitz, „wir wollten und mussten neu aufbauen.“


Max Thomas geht, Franz Gründler kommt

Der Re-Start in der Kreisklasse verlief durchwachsen. Das Team von Trainer Rene Zwetkoff gewann immerhin drei der sechs ausgetragenen Herbst-Partien und erreichte zwei Remis. Das bedeutet derzeit Platz fünf, allerdings mit gewaltigem Rückstand auf Spitzenreiter Traktor Naundorf. „Aber die Mannschaft hat ordentlich mitgehalten und einen Podestplatz noch nicht aus den Augen verloren“, sagt der 42-jährige Zschäbitz, „irgendwann wollen wir natürlich wieder höherklassig spielen.“

Doch das kann dauern, zumal wirklich gute Akteure kaum zu halten sind. So haben die Merkwitzer vor kurzem einen ihrer besten Spieler abgeben müssen. Max Thomas schloss sich zum 1. Januar Nordsachsenliga-Favorit Blau-Weiß Wermsdorf an. Falk Zschäbitz hat Verständnis für die Entscheidung des erst 19-jährigen defensiven Mittelfeldmanns: „Diese Chance musste er einfach nutzen. Max ist ein Riesentalent, er kann locker in der Kreisoberliga mithalten und vielleicht dann auch in der Landesklasse.“

Spendentopf bleibt diesmal leer

Der Wechsel sei sauber abgelaufen. „Max hat uns rechtzeitig informiert, wir wussten seit September, dass er uns verlassen wird.“ Coach Rene Zwetkoff habe zwar nicht Hurra geschrien, aber: „Ich kenne Max seit der G-Jugend, er war im Nachwuchs fast immer Kapitän und stets ein Vorbild. Er hatte bei uns sieben Nachwuchstrainer, die jetzt darauf stolz sein können, so ein Talent geformt zu haben.“ Die Merkwitzer Herren haben aber auch einen Neuzugang zu verzeichnen. Mit Franz Gründler konnte ein 26-jähriger defensiver Mittelfeldspieler vom FSV Barleben (Verbandsliga Sachsen-Anhalt) gewonnen werden.

Seit 1999 organisiert Falk Zschäbitz Hallenturniere für den SV Merkwitz, in den vergangenen Jahren umfasste die Budenzauber-Serie stets 15 bis 18 Veranstaltungen bei Männern, Frauen und in diversen Nachwuchs-Altersklassen – aber diesmal mussten die Turniere zugunsten der Leipziger Elternhilfe für krebskranke Kinder gestrichen werden. „Das ist bitter, unser Spendentopf war immer gut gefüllt.“

Dorf- und Vereinsjubiläum müssen verschoben werden

Ganz aufgegeben hat der Fußball-Abteilungsleiter aber noch nicht. Zumindest das Elternturnier, bei dem die Merkwitzer Erwachsenen gemeinsam mit ihren Sprösslingen dem Ball nachjagen und das traditionell den Abschluss der Serie bildet, soll im Frühjahr noch als Freiluftveranstaltung stattfinden, wenn die Pandemie-Bestimmungen es denn zulassen. „Das wäre dann ein toller Neustart für unser Vereinsleben.“

Auch zwei große Jubiläen konnten nicht begangen werden. 2020 wurde das Dorf Merkwitz 700 und der SVM 60 Jahre alt. Insgesamt sechs Veranstaltungen waren bei den Feierlichkeiten geplant. Wann sie in einem würdigen Rahmen nachgeholt werden, steht noch nicht fest. Niemand weiß, wann wieder gefeiert werden darf. Und wann der Ball wieder rollt.