23. Mai 2020 / 13:44 Uhr

Der Tag, an dem die Friedensfahrt durch Luckenwalde rollte

Der Tag, an dem die Friedensfahrt durch Luckenwalde rollte

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Berichterstattung über die Friedensfahrt 1967, als die Tour durch Luckenwalde kam. Roman Schmidt, Leiter des Heimatmuseums,  präsentiert die Ausgaben der Märkischen Volksstimme aus der damaligen Zeit.
Berichterstattung über die Friedensfahrt 1967, als die Tour durch Luckenwalde kam. Roman Schmidt, Leiter des Heimatmuseums, präsentiert die Ausgaben der Märkischen Volksstimme aus der damaligen Zeit. © Frank Neßler
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Radsport: "Sie kommen, sie kommen!" – am 17. Mai 1967 huschte das Peloton der Friedensfahrt  über Luckenwalder Straßen.

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"Es war mein Weg in den Radsport“, erinnert sich Ulf Seidel an die Internationale Friedensfahrt, die jeweils im Mai über Jahre hinweg das sportliche Geschehen in der einstigen DDR prägte. Der heutige Vereinsvorsitzende des Luckenwalder Radteams Seidel (RTS) verbindet mit der Etappenfahrt viele Erinnerungen.

„In den 1980er Jahren bin ich mit dem Fahrrad eigens nach Beelitz gefahren, um die Radsportler live zu sehen“, erklärt Seidel. Damals habe er mit großem Interesse die Berichterstattung rund um die Friedensfahrt verfolgt. „Die Namen der Radsportler, die das DDR-Sextett des Rennens bildeten, standen damals auf Seite eins in allen Zeitungen“, sagt Ulf Seidel. Er selbst saß immer gespannt vor dem Radio oder dem Fernseher, wenn mit der Friedensfahrt-Fanfare die Berichterstattungen über die jeweiligen Etappen begannen. Mit manchem Friedensfahrer pflegt der RTS-Vereinsvorsitzende heutzutage ein freundschaftliches Verhältnis. So mit Olaf Ludwig, der 1982 und 1986 FF-Gesamtsieger war.

Tausende Zuschauer säumten im Mai 1967 die Straßen, als die Friedensfahrt zum ersten Mal in ihrer Geschichte durch Luckenwalde kam.
Tausende Zuschauer säumten im Mai 1967 die Straßen, als die Friedensfahrt zum ersten Mal in ihrer Geschichte durch Luckenwalde kam. © Sammlung Luckenwalder Heimatmuseum
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In Luckenwalde stellte das Radteam Seidel bis vor einigen Jahren die Kleine Friedensfahrt als Wettbewerb auf die Beine. Ein wenig erinnerte sie dabei stets an die Atmosphäre der großen Friedensfahrt.

Deren Tross führte im Mai 1967 einmal durch Luckenwalde. Tausende säumten damals die Straßen der Kreisstadt, um die Radsportler bei der 20. Auflage der Etappenfahrt auf ihrem Weg von Berlin nach Leipzig zu sehen.

Begleitfahrzeug der französischen Mannschaft.
Begleitfahrzeug der französischen Mannschaft. © Sammlung Luckenwalder Heimatmuseum

Im Heimatmuseum hütet dessen Leiter Roman Schmidt einen Schatz: Zeitungsberichte und seltene Fotos von jenem Tag, als die Friedensfahrt zum ersten Mal nach Luckenwalde kam. „Der 17. Mai 1967 war für unseren Kreis ein besonderer Höhepunkt“, berichtete damals die Lokalredaktion der Märkischen Volksstimme, „der Kurs der 8. Etappe der Jubiläumsfahrt für den Frieden führte durch unseren Kreis. Wir wollen mit dabei sein, wenn die Fahrer aus 20 Ländern mit ihrem Begleitkonvoi über unsere Straßen rollen.“ In der Zeitung gab es sogar einen Countdown. Im sogenannten Friedensfahrtkalender wurden die Tage bis zum großen Ereignis rückwärts gezählt.

Erwartet wurde das Fahrerfeld am 17. Mai 1967 für die Zeit zwischen 13 und 13.55 Uhr. Schon ab 11 Uhr erklang Marschmusik in der Ernst-Thälmann-Straße (heute Boulevard). Die Spielmannszüge der Kinder- und Jugendsportschule Luckenwalde und der BSG Lokomotive Luckenwalde veranstalteten ein Platzkonzert. Zahlreiche Sportgemeinschaften, darunter die Kunstradfahrer und die Radballer der SG Stern, begeisterten das Publikum mit ihren Darbietungen.

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Die Friedensfahrer selber bekamen die Zuschauer nur kurz zu sehen. Der Zeitungsreporter notierte: „Dann endlich, die Zeiger des Marktturmes standen auf 13.40 Uhr. ,Sie kommen, sie kommen!’ – gellte der Ruf und im ziemlich geschlossenen Feld sausten die Giganten der Landstraße vorüber. Trotz der wenigen Sekunden, die sie an uns vorbeihuschten, war dieser Augenblick ein Erlebnis für die vielen Tausend, die den Friedensfahrern der XX. in unserem Kreis Spalier standen.“

Das nächste Radsport-Großereignis in Luckenwalde werden die Deutschen Meisterschaften im Radcross Anfang 2022 sein. Die Vorbereitungen dafür liegen nach den Worten von Ulf Seidel im Plan, auch wenn durch die Corona-Pandemie der eine oder andere geplante Termin verlegt werden musste.