16. Februar 2016 / 13:57 Uhr

Der TSV 1893 Wahren steuert aktiv gegen den Trend

Der TSV 1893 Wahren steuert aktiv gegen den Trend

Marc Bohländer
SPORTBUZZER-Nutzer
Im vergangenen Sommer organisierte der TSV Wahren ein Nachwuchsturnier, u.a. mit Gästen aus Travnik. USER-BEITRAG
Im vergangenen Sommer organisierte der TSV Wahren ein Nachwuchsturnier, u.a. mit Gästen aus Travnik. © Christian Modla
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Der TSV 1893 Leipzig-Wahren im Norden der Messestadt ist mit einem idyllischen Vereinsgelände, elf Abteilungen und rund 600 Mitgliedern eigentlich sehr gut aufgestellt. Doch den Verein plagen Nachwuchssorgen im Fußballbereich.

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Leipzig. Axel Beckert lässt kurz seinen Blick über den aufgeweichten Rasen schweifen, bevor er ein Holztor aufschließt, das zu einer vereinseigenen Kanu-Anlegestelle an der Weißen Elster in Leipzig-Wahren führt. Der 1. Vorsitzende des TSV 1893 deutet auf ein pflanzenbewachsenes Denkmal: „Das einzige noch erhaltene für Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in ganz Leipzig.“

Hier, zwischen Auensee, Campingplatz und Fluss ist es an Beschaulichkeit fast nicht zu überbieten. Schwache Sonnenstrahlen dringen auf das Areal, zu den Füßen des Mahnmals sprießen erste Frühlingsblumen. Der TSV ist mit seinen elf Sektionen ein durchaus breit aufgestellter Verein. In der Halle soll bald neues Parkett verlegt werden, dank einer Bezuschussung wurden drei Tennis-Courts realisiert.

Den Fußballern aller Altersklassen stehen insgesamt drei Plätze zur Verfügung. Die 1. Herrenmannschaft, die in der Stadtklasse Leipzig im Mittelfeld rangiert, trägt ihre Partien auf dem Platz am Eingang des Geländes in der „August-Bebel-Kampfbahn“ aus. Erst wenn man um ihn und die Turnhalle herumgeht, wird deutlich, was sich noch alles dahinter verbirgt.

„Alle unsere Teams stehen aktuell im Ligabetrieb, außer den Bambinis“, erklärt Henry Leskovits. Der Jugendtrainer verantwortet seit dieser Saison gemeinsam mit Philipp Hof die F-Jugend der Wahrener. Obwohl die Fußballer mit rund einem Drittel bei den Mitgliedern stark vertreten sind, plagen die Trainer Nachwuchssorgen. „Es ist definitiv Bedarf da, in allen Altersklassen“, so Leskovits, der zuvor im nahen Böhlitz-Ehrenberg als Coach tätig war.

Alle Trainerstellen der Jugendmannschaften besetzt

„Wir als kleiner Verein in einer versteckten Lage haben es da nicht leicht. Schon die Vereine im unmittelbaren Umfeld greifen viel an Spielermaterial ab.“ Der fehlende Nachwuchs im Fußball ist kein exklusives Problem des TSV Wahren. Auch andere Vereine, die ähnlich abgelegen ihr Quartier haben, kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen. Indessen sind die Trainerstellen bei den Nordleipzigern alle komplett besetzt. Denn auf die Ausbildung werde großer Wert gelegt, beteuert der 40-Jährige.

„Richtig schwierig wird es vor allem, wenn es auf das Großfeld geht – da bekommen wir manchmal nicht die benötigten sechzehn Kicker zusammen. Es ist ganz einfach nicht genügend Zulauf da“, erläutern die Vereinsmitglieder während eines Rundgangs. Da die Wahrener auch eher im Breitensport verankert sind, sei der Leipziger Raum bereits die absolute Grenze. Vor Ort haben zum Beispiel auch der „Gehörlosenverein 1907“ und der „Laufclub Auensee“ ihre Zelte aufgeschlagen.

An der Weißen Elster will man sich dennoch nicht in sein Schicksal fügen und wurde bereits in der Vergangenheit aktiv. Im Sommer organisierte der TSV ein Kindergartenfest für Bambinis und F-Junioren. Damit sollten nicht nur potentiell neue Jungkicker angelockt werden, sondern auch der Familien- mit dem Breitensport verbunden werden.

Bedeutung des Ehrenamtes

In der rustikal-gemütlichen Vereinskneipe treffen sich die Oberen und fachsimpeln. Man habe die Trainerausbildung vorangetrieben in den letzten Jahren. Das sei nötig, denn es bewege manche Eltern auch eher dazu, die Kinder in den Verein zu schicken. Mit mehreren großen Namen in der Messestadt ist die Konkurrenz schließlich groß. „Auf dieser Ebene läuft das praktisch nur per Ehrenamt, bei uns sind das alleine 31 Personen“, erklärt Beckert.

Bei der Akquise neuer Spieler und Mitglieder laufe noch ganz viel über Mundpropaganda. Manchmal gelingt das, oft genug aber eben auch nicht. Im schlimmsten Fall führe so etwas zum Vereinssterben, so der einhellige Tenor in der Runde. So weit ist es beim TSV 1893 Leipzig-Wahren aber nicht. Und die Verantwortlichen steuern aktiv gegen den Trend. „Wir wollen Kinder an den Verein binden und mit unserer Nachwuchsarbeit erfolgreich sein“, erklärt Leskovits entschlossen. Die Atmosphäre in der Gaststube ist herzlich. In jedem Moment wird deutlich: So existiert die Basis des Leipziger Kleinfußballs: Getragen von viel Bereitschaft, Engagement und einer funktionierenden Gemeinschaft.

Bei allen Problemen und der Suche nach Lösungen bleibt aber heute auch noch Zeit für Heiterkeit. Als sich der Kassenwart nach der Ligazugehörigkeit des 1. Herrenteams erkundigt, erklärt er: „Theoretisch könnten wir also in zwölf Jahren Bundesliga spielen.“ Nach einem kurzen Innehalten revidiert er zwinkernd: „Nee, da bin ich bestimmt schon tot. Das muss schneller gehen!“ Gelächter schallt durch den Raum.

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