11. Juli 2019 / 15:38 Uhr

Der TSV Eintracht Bückeberge geht ohne Wehmut in die neue Saison der Kreisliga

Der TSV Eintracht Bückeberge geht ohne Wehmut in die neue Saison der Kreisliga

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Nina Bekemeier und Rüdiger Koch wollen den TSV wieder in ruhige Fahrwasser bringen. © Daniel Kultau
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Die Fußballerinnen des TSV Eintracht Bückeberge sind in der Kreisliga angekommen. Dabei gehörte das Team vor nicht allzu langer Zeit noch zu den besten aus ganz Niedersachsen. Wehmut herrscht jedoch nicht.

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Fünf Jahre ist es gerade mal her, dass die Fußballerinnen des TSV Eintracht Bückeberge zu den besten in ganz Niedersachsen gehörten. Das Team spielte ein Jahr in der Oberliga und reiste bei Auswärtsduellen zu Mannschaften aus Göttingen oder bis vor die Tore Hamburgs.

Nach drei Abstiegen seit dieser Zeit ist der TSV zur neuen Saison in der Kreisliga angekommen. Dem Trainerduo aus Rüdiger Koch und Nina Bekemeier ist trotzdem nicht bange – sie wollen mit der Eintracht den Neuanfang schaffen.

Gezielte Wahl

Schon seit dem Beginn der Rückrunde stehen die beiden an der Seitenlinie. Dass die TSV-Verantwortlichen auf die beiden kamen, war kein Zufall.

Seit 2012 stehen sie bei den jetzigen B-Juniorinnen an der Seitenlinie – einem Jahrgang aus dem in der neuen Saison sieben Spielerinnen zur Damenmannschaft hinzustoßen. „Vielleicht ist es ja auch ganz gut, dass wir mit ihnen nun in der Kreisliga ganz in Ruhe was aufbauen können“, mutmaßt Koch.

Nina Bekemeier kennt die Zeiten

Seine Trainerkollegin kennt die Oberligazeiten noch aus eigener Erfahrung, stand sie doch damals mit auf dem Platz. „Das war schon schön, dass wir uns Woche für Woche sportlich auf so hohem Niveau messen konnten“, erinnert sich die 25-Jährige. „Es war eine tolle Erfahrung, aber vielleicht auch ein Jahr über unseren Verhältnissen - am Ende haben wir nur knapp den Klassenerhalt verpasst.“

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Mit viel Kampf stellten sich Nina Bekemeier (Nummer 6) und der TSV in der Oberliga ihren Gegnerinnen gegenüber. © Archiv
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Nachdem sich Bekemeier mit den Grün-Weißen noch zwei Saisons in der Landesliga halten konnte, war der Abstieg im dritten Jahr nicht zu verhindern. „Da haben viele Spielerinnen den Verein verlassen“, erklärt die Studentin.

Die Folge: Der TSV ging mit einem extrem jungen Team in die Bezirksliga. „Der Großteil war erst zwischen 17 und 19 Jahre alt“, berichtet Koch.

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Meike Stapel (links) gehörte in der Oberliga zu den Säulen der Eintracht. © Uwe Kläfker

Dementsprechend unerfahren waren die jungen Kickerinnen auch und hatten mit dem Druck, als sich der Verein plötzlich auch in der Bezirksliga im Tabellenkeller wiederfand, zu kämpfen.

Was folgte, war ein vermeidbarer Abstieg, da die Mädels, trotz großen Einsatzes, vor allem die wichtigen Spiele nicht gewinnen konnten, analysiert Koch.

Frauenfußball auf dem Vormarsch

Früher hielten sich die Bückebergerinnen lange Zeit im Bezirk, stiegen sogar in die Landesliga auf und klopften bereits 2011 an die Tür zur Oberliga.

Nicht nur der vorläufige Höhepunkt des einstigen Schaumburger Aushängeschilds, sondern des Frauenfußballs in Deutschland. Die Weltmeisterschaft fand im eigenen Land statt, der Hype stieg ins unermessliche.

Plötzlich ist der Hype zuende

Das Deutsche Team ging als Topfavorit in das Turnier, kam jedoch mit dem Druck nicht zurecht und scheiterte bereits im Viertelfinale am späteren Weltmeister Japan. Als hätte jemand den Stecker gezogen war die Euphorie erloschen.

Inzwischen gibt es jährlich einen Tag des Mädchenfußballs, der laut des Deutschen Fußball Bundes besonders die Mädchen ansprechen soll, die bisher noch nicht selbst aktiv kicken. Die Landesverbände sollen sich um die Austragung kümmern, bezeichnend für den Stellenwert dürfte sein, dass man nach kurzem googeln auf die Seite des Niedersächsischen Fußball Verbands aufmerksam wird, dieser Link dann aber ins Leere führt – „Seite unbekannt“, heißt es.

„Da werden Haargummis, Anstecker, Aufkleber und Fußbälle verteilt“, bemerkt Spartenleiter Karsten Selsemeier . Ob dies wirklich nachhaltig ist, lässt auch er offen.

Frauen WM 2019 bringt keinen Zulauf

In diesem Jahr war wieder eine Frauen WM. Die USA gewannen, Deutschland flog mit einer jungen Mannschaft im Viertelfinale raus. Die mediale Präsenz hätte durchaus höher sein können, findet auch Bekemeier, die von keinem WM-Effekt berichten kann, denn junge Mädels, die nun selbst kicken wollen, hätten sich nicht gemeldet.

Früher hatte der Verein noch selbst Flyer entworfen, diese unter Schülern verteilt und Aushänge gemacht, doch inzwischen gäbe es einfach nur noch wenige, die sich aktiv vom Fußball infizieren lassen.

Großer Kader für die neue Saison

Umso erfreulicher für das Trainerduo, dass wenn die Vorbereitung auf die neue Saison am Montag startet ein kader von rund 40 Spielerinnen da sein wird. Niemand hat den Verein verlassen, auch erfahrene Kräfte wie Nicola Serinek und Kapitänin Lena Dittmann sind weiterhin an Bord.

„Davon werden wir vermutlich 30 durchgängig dabei haben“, schätzt Koch. Auf dieser Grundlage können zwei Mannschaften gemeldet werden, eine Elfer- und eine Neunermannschaft.“ Auch bei den C-Juniorinnen meldet der TSV ein Team.

Ob es dann in absehbarer Zukunft wieder gegen Teams aus Göttingen oder Hamburg geht ist unklar und dem Trainerteam auch nicht wichtig. Primär geht es den beiden darum, eine funktionierende Einheit aus den jüngeren und älteren Spielern zu formen. „Das und dass wir als eine Einheit auftreten, sind unsere erklärten Ziele“, so der 44-Jähriges.

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