06. Oktober 2019 / 09:54 Uhr

Der unglaubliche Hulls beschert BG Göttingen Auswärtspleite

Der unglaubliche Hulls beschert BG Göttingen Auswärtspleite

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Matchwinner Jordan Hulls (rechts) zieht zum Korb, Dennis Kramer kann ihn nicht stoppen.
Matchwinner Jordan Hulls (rechts) zieht zum Korb, Dennis Kramer kann ihn nicht stoppen. © Becker
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Nichts war es mit dem Dreier bei s.Oliver Würzburg: Die BG Göttingen ging im ersten Auswärtsspiel der BBL-Saison im zweiten Viertel regelrecht ein und kassierte letztlich eine 75:90 (38:51)-Niederlage – die Pleite trug die Handschrift von Jordan Hulls.

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Das hatte sich die BG Göttingen ein wenig anders vorgestellt: Nach der guten Leistung in der Defense beim Pokalcoup in Frankfurt hatten sich die Verantwortlichen des Basketball-Bundesligisten auch bei s.Oliver Würzburg etwas ausgerechnet. Dass es im ersten Auswärtsspiel der noch jungen BBL-Saison dann aber vor 2981 Zuschauern eine 75:90 (38:51)-Abreibung gab, hing eng mit dem Gala-Auftritt von Würzburgs Jordan Hulls zusammen – der offenbar immer gegen Göttingen zur Hochform aufläuft.

Dabei hatten die Veilchen ein ordentliches erstes Viertel gespielt. Terry Allen präsentierte sich derart treffsicher, dass er zusammen mit seinem Würzburger Namensvetter Noah Allen die ersten zehn Punkte markierte. Kurz nach Spielbeginn hieß es 5:5 – sämtliche Zähler gingen auf das Konto von Spielern namens Allen.

s.Oliver Würzburg - BG Göttingen, BBL 2019/20

s.Oliver Würzburg - BG Göttingen, BBL 2019/20 Zur Galerie
s.Oliver Würzburg - BG Göttingen, BBL 2019/20 © Becker
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Während Noah Allen danach leer ausging, überwand Terry Allen schnell die Zehn-Punkte-Marke und hatte bis zur Halbzeit 15 Zähler auf dem Konto. Zweiter Faktor für den erfolgreichen Göttinger Auftritt im ersten Viertel waren immens viele Turnover, die sich der Gastgeber leistete. Dazu schwächelten die Würzburger an der Freiwurflinie.

Vor dem zweiten Durchgang lag s.Oliver mit 21:20 in Führung, und die mitgereisten BG-Fans freuten sich auf ein Spiel zweier Teams auf Augenhöhe. Womit sie, aber auch BG-Headcoach Johan Roijakkers nicht rechneten, war die Jordan Hulls-Lawine, der die Gäste schlicht und einfach nichts entgegenzusetzen hatten.

Stats:

Würzburg

Hulls (24 Punkte/4 Dreier/2 Rebounds/3 Assist), Obiesie (0/0/0/0), Haßfurther (0/0/0/2), Richter (7/1/ 3/1), Bowlin (6/1/2/2), Koch (19/5/6/0), Wells (13/0/2/9), Chapman (0/0/2/0), Allen (5/1/6/1), Hoffmann (4/0/2/2), Fischer (12/0/8/2). Teamwerte: Feldwürfe 62% (34/55), Dreier 60% (12/20), Rebounds 40 (11 off./29 def.), Fouls 13, Turnovers 22, Assists 22. 

BG Göttingen

Lockhart (3 Punkte/1 Dreier/2 Rebounds/3 Assists), Anderson (14/4/2/3), Lasisi (3/1/1/0), Kramer (8/0/6/2), Carter (16/0/3/1), Andric (0/ 0/0/1), Mönninghoff (0/0/0/0), Allen (21/4/7/1), Hundt (10/3/2/14). Teamwerte: Feldwürfe 41% (28/58), Dreier 37% (13/35), Rebounds 23 (10 off./13 def.), Fouls 18, Turnover 13, Assists 25.

Hulls traf aus fast allen Lagen, und die BG-Defense, die bereits zu Beginn hier und da gewackelt hatte, wirkte zunehmend orientierungslos. Dazu kam eine fantastische Dreierquote des Gastgebers. Entlastung? Fehlanzeige, weil vorn der eifrige Bennet Hundt, der letztlich mit zehn Punkten und einer persönlichen BBL-Bestmarke von 14 Assists ein Double-Double auflegte, allein überfordert war.

Allein? Ja, weil Kyan Anderson erneut zu wenig in Erscheinung trat. Die Würfe des US-Amerikaners fielen nicht, die vom Trainer geforderte Aggressivität ließ der Neuzugang zumindest in der Phase, als er am nötigsten gebraucht wurde, vermissen. Erst im Schlussdurchgang, als schon fast alles verloren war, war er präsenter – warum eigentlich erst so spät?

Dem Spiel seinen Stempel drückte im zweiten Viertel, das mit 30:18 an den Gastgeber ging, ein anderer Spieler auf: Hulls, der bis zur Pause auf 21 Punkte kam, was Roijakkers, der den Lauf mit mehreren Auszeiten vergeblich zu stoppen versucht hatte, ziemlich ärgerte: „Ich denke, dass wir das Spiel schon in der ersten Halbzeit verloren haben. Ich muss noch mal in meinem Scoutingreport nachsehen, ob drin steht, dass Jordan Hulls Dreier werfen kann. Das war in der letzten Saison schon ein Problem, und auch heute hat er den Unterschied ausgemacht“, schimpfte der Niederländer.

Nach der Pause hieß dann die Devise: Keine Dreier von Hulls mehr zulassen! Aber es war zu spät: Göttingen fand zwar wieder ins Spiel und arbeitete sich heran, aber die Konzentration auf Hulls ermöglichte gleichzeitig anderen s.Oliver-Akteuren wie Koch zu scoren.

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Beim Dreier zum 45:53 markierte BG-Neuzugang Lasisi, der wieder genesen ist, seine ersten BBL-Punkte (25.), doch am Ende machte Wells den Deckel drauf – es setzte sich am Sonnabend auch die größere individuelle Qualität der Gastgeber durch. Und: Zwölf von 20 Dreiern saßen, die BG-Quote lag bei lediglich 37 Prozent.

Worüber in der kommenden Trainingswoche zu sprechen sein wird, ist aber die eigene Defensivleistung: „Wir haben den Ball zu spät gestoppt“, resümierte Allen, der mit 21 Punkten BG-Topscorer war. „Unsere Verteidigung war einfach sehr schwach“, fasste ein frustrierter Headcoach Roijakkers dem Auftritt zusammen. Der unglaubliche Hulls hatte die Veilchen-Defense zerschmettert.

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