04. Januar 2021 / 14:40 Uhr

Der unterschätzte Held im Tor: RB Leipzigs Peter Gulacsi ist ligaweit Spitze

Der unterschätzte Held im Tor: RB Leipzigs Peter Gulacsi ist ligaweit Spitze

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Peter Gulacsi bejubelte den Einzug ins Achtelfinale der Champions League lautstark. Und Coach Julian Nagelsmann wusste im Anschluss, beim wem er sich bedanken musste.
Peter Gulacsi bejubelte den Einzug ins Achtelfinale der Champions League lautstark. Und Coach Julian Nagelsmann wusste im Anschluss, beim wem er sich bedanken musste. © Picture Point
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Siebenmal hielt Peter Gulacsi in dieser Bundesliga-Saison seinen Kasten sauber. Kein anderer Keeper steht aktuell besser da. Trotzdem wird RB Leipzigs Erfolg öffentlich nicht so häufig mit den Leistungen des Ungarn in Verbindung gebracht. Dabei hat der 30-Jährige eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt.

Leipzig. Wenn vom derzeitigen Erfolg von RB Leipzig die Rede ist, fallen viele Namen. Natürlich Angelino, immerhin ist der Spanier der Top-Scorer des Teams. Natürlich Marcel Sabitzer, der die Roten Bullen als Kapitän führt. Natürlich Dayot Upamecano, der als Abwehrchef die Defensive zusammenhält. Der Name Peter Gulacsi wird seltener genannt, dabei ist der ungarische Keeper nicht nur innerhalb des Vereins die unumstrittene Nummer eins, sondern auch ligaweit Spitze.

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Trotz Unterbeschäftigung immer bereit

In sieben von 14 Partien der aktuellen Bundesliga-Saison blieb der 30-Jährige ohne Gegentor, musste insgesamt nur neunmal hinter sich greifen. Damit führt er das Ranking der Keeper im deutschen Fußball-Oberhaus deutlich an. Zum Vergleich: Welttorhüter Manuel Neuer konnte bisher nur zweimal die weiße Weste waren, kassierte insgesamt 21 Gegentore.

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Mai 2016: Gulacsi feiert den Aufstieg  Zur Galerie
Mai 2016: Gulacsi feiert den Aufstieg  ©

Gulacsis besondere Stärke im Moment: Trotz Unterbeschäftigung über weite Teile einer Partie im richtigen Moment hellwach zu sein und einen Blitzreflex auszupacken. In 14 Liga-Duellen ließ die ohne Frage bärenstarke Leipziger Abwehr bisher nur 38 Schüsse auf das Tor zu, also knapp drei pro Spiel (Werte laut bundesliga.de). Bei diesen gilt es dann, auf dem Posten zu sein. So geschehen am Samstagabend, als Gulacsi in Stuttgart in der 86. Minute gegen den völlig frei vor dem Kasten aufgetauchten Waldmar Anton rettete. Es wäre das 1:1 gewesen, RB hätte trotz mehrerer Großchancen nur einen Punkt beim VfB mitgenommen. „Pete ist sehr wichtig für’s Team. Wenn er dann heute noch so einen Big Save hat, ist das schon top“, lobte Coach Julian Nagelsmann denn auch folgerichtig.

Gulacsis Reflexe haben den Roten Bullen in den vergangenen Wochen des Öfteren Zähler und vor allem auch die Achtelfinalteilnahme in der Champions League (und damit einige Millionen Euro) gerettet. Denn im entscheidenden Rückspiel gegen Manchester United war es der Ungar, der in der Schlussphase gegen Teamkamerad Nordi Mukiele eine Glanztat auspackte, um ein Eigentor und damit das 3:3 zu verhindern. Mit dem Unentschieden wäre RB raus gewesen aus der Königsklasse. „Die Schlussphase hat mich Tage meines Lebens gekostet“, bekannte Sportdirektor Markus Krösche im Anschluss. Gulacsi selbst tanzte im Anschluss auf dem Tisch in der Kabine inmitten seiner Kollegen.

Schwere Jahre in England

Damals kassierte er ebenso wie am vergangenen Samstag ein dickes Sonderlob von seinem Trainer. Der spricht mit viel Achtung von seinem Schlussmann. „Man muss ihm hoch anrechnen, dass er in der Spieleröffnung jetzt einen ganz anderen Stil hat, als das in den Jahren zuvor der Fall war“, so Nagelsmann. „Er hat die vier Jahre vor meiner Zeit ja überwiegend lange Bälle gespielt und inzwischen eine große Anpassung durchlebt.“

Diese Mentalität, sich reinzuarbeiten und nicht aufzugeben, auch wenn’s schwierig ist, hat Gulacsi in seiner Karriere schon des Öfteren unter Beweis gestellt. Im Alter von 17 Jahren wechselte der Keeper 2007 von MTK Budapest zur U19 des FC Liverpool. Doch aus dem erhofften Durchbruch in der Premier League wurde nichts. Statt dessen wurde der Ungar von der Anfield Road aus gleich dreimal verliehen: zu Hereford United, den Tranmere Rovers und zu Hull City. Im Sommer 2012 ging es schließlich zum FC Red Bull Salzburg, zwei Jahre später dann nach Leipzig.


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Nagelsmann: "Arbeitet kontinuierlich"

„Er hatte in England einen schweren Stand. Er hatte am Anfang hier einen schweren Stand“, umreißt Julian Nagelsmann diese Jahre. Tatsächlich eroberte Peter Gulacsi erst allmählich den Platz im Leipziger Tor. Der gehörte in der Saison 2015/16 zunächst noch Fabio Coltorti. Allerdings verletzte sich der Schweizer im Februar 2016. Und Gulacsi nutzte seine Chance, feierte mit den Messestädtern den Aufstieg in die Bundesliga. Seitdem herrscht er im RB-Tor.

„Er hat in seiner Karriere Täler erlebt. Es zeichnet ihn aus, dass er sich da durchgebissen hat, dass er kontinuierlich arbeitet“, lobt sein Coach. Verbesserungspotential? Das gibt es natürlich auch beim 30-Jährigen, den das englische Fußballmagazin „Four Four Two“ im Frühjahr zum besten Keeper der Bundesliga kürte. „Er kann im Entscheidungsverhalten immer noch besser werden“, so Nagelsmann. „Da kann er noch ein paar Situationen anders lösen.“