09. November 2019 / 09:00 Uhr

Der VfL vorm Spiel gegen Bayer: Es geht um Punkte und um Glaubwürdigkeit

Der VfL vorm Spiel gegen Bayer: Es geht um Punkte und um Glaubwürdigkeit

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Unter Zugzwang: Die VfL-Verantwortlichen Oliver Glasner, Marcel Schäfer und Jörg Schmadtke.
Unter Zugzwang: Die VfL-Verantwortlichen Oliver Glasner, Marcel Schäfer und Jörg Schmadtke. © Boris Baschin
Anzeige

Nach dem 1:3 gegen Gent muss sich der VfL Wolfsburg am Sonntag gegen Bayer Leverkusen steigern - sonst behalten die Recht, die schon während der erfolgreichen Anfangsphase der Saison die Leistungen des VfL eher kritisch gesehen haben.

Anzeige
Anzeige

VL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen – der „El Konzernico“, wie der Heimklub das Spiel am Sonntag (15.30 Uhr) in der Werbung augenzwinkernd nennt, ist ein Spiel, das die Tabellenlage verändern kann. Der VfL würde sich mit drei Punkten wieder in der oberen Hälfte festsetzen, Bayer mit einem Sieg den VfL überholen. Für Wolfsburg geht es allerdings nicht nur um Punkte und Plätze – es geht auch (und vielleicht vor allem) um Glaubwürdigkeit.

Sechs Spiele hat der VfL jetzt nacheinander nicht gewonnen, darunter waren eine empfindliche Pleite (1:6 gegen Leipzig), ein enttäuschender Heim-Auftritt (0:0 gegen Augsburg) und zwei Spiele gegen Gent (2:2 und 1:3), die Wolfsburg beide hätte gewinnen müssen. „Wir schaffen es nach einem Rückstand nicht“, stellt Trainer Oliver Glasner fest, „den Glauben an uns wiederzufinden.“

Die Wölfe in Noten: Das ist die Einzelkritik zum Spiel des VfL Wolfsburg gegen die KAA Gent

<b>Pavao Pervan:</b> Der Österreicher erlebte einen ruhigen Abend, weil von Gent nur selten etwas nach vorn kam, die Bemühungen aber früh unterbunden wurden. Wenn der Torhüter doch mal gefragt war, war er zur Stelle. Bei allen Toren machtlos. - Note: 3 Zur Galerie
Pavao Pervan: Der Österreicher erlebte einen ruhigen Abend, weil von Gent nur selten etwas nach vorn kam, die Bemühungen aber früh unterbunden wurden. Wenn der Torhüter doch mal gefragt war, war er zur Stelle. Bei allen Toren machtlos. - Note: 3 ©
Anzeige

Und weil das so ist, verfestigt sich ein Verdacht: War die gute Laune, die nach 22 Pflicht- und Freundschaftsspielen ohne Niederlage geherrscht hatte, womöglich doch der Schwäche der jeweiligen Gegner zuzuschreiben? Denn schon als die Ergebnisse noch stimmten, stimmte im Spiel des VfL längst nicht alles – hinten gab’s Nachlässigkeiten, vorn zu wenig Konsequenz. Man „sollte nicht den Staub in den Ecken suchen“, kritisierte Jörg Schmadtke vor drei Wochen die Kritiker, denn: „Wir sind sowohl in der Defensive als auch in der Offensive gut. Wir haben mehr Punkte, als zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr.“ Eine Woche später legte Sportdirektor Marcel Schäfer nach, fand die öffentliche Bewertung des VfL „sehr negativ, zu negativ“.

VfL-Schwächen ausgenutzt

Das Liga-Spiel in Leipzig, die bis dahin schwerste Aufgabe der Saison, schien Schmadtke und Schäfer Recht zu geben, der VfL spielte nach 0:1-Rückstand noch 1:1, zeigte gegen das aktuell spektakulärste deutsche Fußball-Team eine reife Leistung. Doch dann folgten Spiele, in denen starke Gegner die VfL-Schwächen gnadenlos ausnutzten: Gent tat das gleich zweimal, Leipzig im Pokal besonders brutal, Dortmund in der Liga besonders cool. Und auch die Nullnummer zwischendurch gegen Augsburg gab eher denen Recht, die schon länger gesagt hatten, der VfL ist gar nicht so gut wie es scheint – obwohl er eigentlich immer gute Phasen im Spiel hat, allerdings nie über 90 Minuten.

Glasner bliebt auch gestern, am Tag nach dem 1:3 gegen Gent, bei seiner Einschätzung, dass es nicht die Schwäche der anderen war, die dem VfL den guten Saisonstart ermöglicht hatte. „Das wäre allen Mannschaften, gegen die wir am Anfang nicht verloren haben, gegenüber unfair und würde ihnen nicht gerecht werden“, sagt er. Damit liegt er auf einer Linie mit seinen Vorgesetzten, doch die Glaubwürdigkeit dieser Zuversicht schwindet mit jedem Spiel – intern wie extern: Lagen Schmadtke, Schäfer und Glasner mit ihrer Einschätzung des guten Starts womöglich doch falsch?

„Momentan ist alles ein bisschen Kopfsache“, findet Linksaußen Renato Steffen. „Wenn wir ein Gegentor kriegen, sind wir die ersten Minuten gelähmt. Dann kriegen wir oft noch ein weiteres, das ist nicht gut fürs Selbstvertrauen. Jeder ist Profi genug, dass er damit umgehen muss. Wir müssen sehen, dass wir gegen Leverkusen mal wieder ein Erfolgserlebnis haben.“ Denn die Gegner werden bis zur Winterpause nicht leichter.

Gemeinsame Laufrunde am Freitag

Glasner sucht vor dem Leverkusen-Spiel (dem letzten vor der Länderspiel-Pause) den Weg in die Köpfe seiner Spieler. Am Freitagvormittag gab es Einzelgespräche und eine gemeinsame Laufrunde mit Trainerstab und allen fitten Profis, unabhängig von ihren Einsatzzeiten am Donnerstag. „Wir wollen Einigkeit auch im Training zeigen“, so Glasner, „und haben versucht, in Gesprächen der Sache auf den Grund zu gehen.“ Was besprochen wurde, bleibt intern, aber die Themen liegen auf der Hand: Der VfL ist weiterhin vorn nicht durchschlagskräftig genug, hinten zu fehlerhaft – und wird insgesamt viel zu leicht nervös. Zudem macht sich das verletzungsbedingte Fehlen von Spielern wie Koen Casteels, Xaver Schlager, Admir Mehmedi und Daniel Ginczek immer stärker bemerkbar, aber sie alle werden auch Sonntag nicht dabei sein.

Und so weht auch ein Hauch von Ratlosigkeit durch den VfL. „Ich weiß nicht, was momentan in unseren Köpfen vorgeht“, so Steffen, „wir haben uns in den vergangenen Spielen immer selbst ein Bein gestellt.“ Was tun? „Ich bin kein David Copperfield“, sagt Glasner, „ich habe keinen Zaubertrick in petto.“ Aber: „Als wir miteinander gelaufen sind, hatte ich das Gefühl, dass die Köpfe langsam wieder nach oben gehen.“ Und da sollten sie im Sinne der Glaubwürdigkeit der VfL-Verantwortlichen auch am Sonntag 90 Minuten lang bleiben.

Bilder zum Spiel der Europa League zwischen dem VfL Wolfsburg und der KAA Gent

Wolfsburgs Josip Brekalo nimmt den Ball elegant an. Zur Galerie
Wolfsburgs Josip Brekalo nimmt den Ball elegant an. ©
Mehr zum VfL Wolfsburg
Hier #GABFAF-Supporter werden

Wir kämpfen für den Amateurfußball! Trage Dich kostenlos ein und Du bekommst unseren exklusiven Newsletter mit allem, was den Amateurfußball in Deutschland bewegt. Außerdem kannst Du jeden Monat 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein gewinnen und entscheidest mit, wofür #GABFAF sich als nächstes einsetzt.

ANZEIGE: 50% auf dein Jako Herbst-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN