25. Juli 2018 / 19:39 Uhr

Der VfL Wolfsburg will wieder ein Verein zum Anfassen werden

Der VfL Wolfsburg will wieder ein Verein zum Anfassen werden

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Kontakt mit VfL-Profis wie Maximilian Arnold und Robin Knoche ist für viele Fans etwas Besonderes. Für Marcel Schäfer gehört Identifikation mit den Leuten dazu. 
Der Kontakt mit VfL-Profis wie Maximilian Arnold und Robin Knoche ist für viele Fans etwas Besonderes. Für Marcel Schäfer gehört Identifikation mit den Leuten dazu. 
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Die Spieler sollen sich stärker mit Verein, Stadt und VW beschäftigen – Sportdirektor Marcel Schäfer ist die treibende Kraft: "Es ist selbstverständlich, in der Vorbildfunktion, die man als Fußballer hat, etwas zurückzugeben.“

Wenn Maximilian Arnold und Robin Knoche etwa, wie in der vergangenen Woche, Kioskbesitzer Giovanni Moschetto einen Besuch abstatten, dann passiert das natürlich in allererster Linie auf Geheiß des VfL Wolfsburg. Nur: In jüngerer Vergangenheit waren sogar Aktionen wie diese rar geworden. Das wird sich künftig wieder ändern. Entscheidenden Einfluss darauf hat auch der neue Sportdirektor Marcel Schäfer.

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Was so ein Besuch zweier Fußballprofis nicht alles auslösen kann. Strahlende Gesichter – klar, das sind sie tagtäglich gewohnt, aber Tränen? Die kommen nicht allzu oft vor. Der 83-jährige Moschetto aber musste sichtlich mit ihnen kämpfen – am Ende eher vergeblich. Dafür zeigte er sich einfach zu überwältigt. Einerseits, weil der VfL die gestiegene Miete für seinen Kiosk für ein Jahr übernimmt, andererseits aber vor allem, weil Arnold und Knoche die frohe Botschaft eben persönlich verkündeten, inklusive Trikotübergabe durch Schäfer. Der VfL ist ein Verein zum Anfassen – dieses Motto soll ab sofort wieder bewusster gelebt werden in Wolfsburg.

Kioskbesitzer Giovanni Moschetto mit den VfL-Profis Maximilian Arnold und Robin Knoche. 
Kioskbesitzer Giovanni Moschetto mit den VfL-Profis Maximilian Arnold und Robin Knoche.  ©

„Wir wollen als Mannschaft und Verein wieder präsenter sein in der Region! Und ich glaube, dass es für uns ganz, ganz wichtig ist, dass sich auch unsere Spieler damit auseinandersetzen, wo sie arbeiten und wer der Arbeitgeber ist“, sagt Schäfer. Der Fokus gehöre in allererster Linie schon auf den Platz, nichts anderes will man auch beim VfL. Doch der neue Sportdirektor, der es selbst wissen muss bei fast 500 Einsätzen als Profi, findet nicht nur, „dass dieser Job Millionen begeistert, uns allen Spaß macht und ein Privileg ist“, sondern dass es auch dazugehört, gewisse Projekte zu begleiten.

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Schon während seiner insgesamt zehnjährigen Zeit als VfL-Spieler war er jemand, der Stück für Stück mehr Verantwortung übernahm, in den Mannschaftsrat rückte, Kapitän wurde – und dem solche Dinge, im Gegensatz zu anderen Profis, wichtig waren. Er begann sich mit dem damaligen VfL-Manager Klaus Allofs auszutauschen, begann verschiedene Projekte nicht-sportlicher Art anzuschieben. Nun hat er sich dieses Thema wieder auf die Fahne geschrieben. „Aber nicht, weil wir da vielleicht etwas gutzumachen haben, die Vergangenheit wische ich jetzt einfach mal zur Seite“, so Schäfer. Sondern weil er immer noch Wert darauf legt: „Es ist selbstverständlich, in der Vorbildfunktion, die man als Fußballer hat, etwas zurückzugeben.“

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Felix Magath holte Marcel Schäfer im Sommer 2007 für 1,2 Millionen Euro von 1860 München zum VfL Wolfsburg Zur Galerie
Felix Magath holte Marcel Schäfer im Sommer 2007 für 1,2 Millionen Euro von 1860 München zum VfL Wolfsburg ©

Dass es in dieser Hinsicht Verbesserungspotenzial gibt, darüber ist man sich im Klub im Klaren. Besuche auf der Kinderkrebsstation, im Kinderheim oder bei der Wolfsburger Tafel sollen wieder vermehrt zustande kommen, dazu soziale Projekte initiiert und die Präsenz bei Volkswagen ausgeweitet werden. „Wir können stolz darauf sein, dass wir diesen Konzern an unserer Seite haben, auch deshalb, weil man diesbezüglich unheimlich viel voneinander lernen kann“, begründet Schäfer. Die Profis sollen ab sofort stärker mit den gewünschten Werten konfrontiert werden. Mit dem Verein, mit der Stadt, mit dem Werk. Und diese dann auch: leben.

Ein Hintergedanke dabei wird sicherlich auch sein, der Mannschaft die fehlende Identifikation, die den Spielern gerade in den vergangenen zwei Jahren oftmals vorgeworfen wurde, auszutreiben. Schäfer, selbst Paradebeispiel in Sachen Herzblut, weiß, dass das nicht von allein kommt. „Man kann ja nicht sagen: Identifiziert euch jetzt! Das funktioniert nicht. Und das geht auch nicht von heute auf morgen“, erklärt er, „man muss dazu Erlebnisse schaffen. Dann ist das für alle eine Win-Win-Situation.“