07. Januar 2022 / 15:19 Uhr

„Der vielen Verordnungen überdrüssig“: Ministerin Köpping reagiert auf Kritik aus Nordsachsen

„Der vielen Verordnungen überdrüssig“: Ministerin Köpping reagiert auf Kritik aus Nordsachsen

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Bereits im März 2021 machten die Bad Dübener Sportvereine auf dem Bad Dübener Marktplatz über ihre prekäre Lage aufmerksam. Sozialministerin Petra Köpping reagierte auf ein Schreiben des Turnvereins.
Bereits im März 2021 machten die Bad Dübener Sportvereine auf dem Bad Dübener Marktplatz über ihre prekäre Lage aufmerksam. Sozialministerin Petra Köpping reagierte auf ein Schreiben des Turnvereins.
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Regeln hier, Lockdown da, Teil-Lockdown dort: In Sachsen gibt es endlich neue Perspektiven für den Sport und doch viele alte Probleme. Dafür gab es Kritik, unter anderem vom TV Bad Düben - auf die Sozialministerin Petra Köpping ungewöhnlich deutlich antwortet.

Leipzig. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat Öffnungsperspektiven für den Sport in Aussicht gestellt. Unter 2G (Außensport) beziehungsweise 2G+ (Halle) könnten Erwachsene endlich wieder zur Tat schreiten. Doch das viele Hin und Her der vergangenen Wochen und Monate und die kaum vorhandene Planungssicherheit treibt die Vereinsverantwortlichen weiter um. Mit entsprechender Kritik wandte sich Steffen Brost vom TV Bad Düben an die zuständige Ministerin Petra Köpping (SPD). Die hat nun mit einer überraschend offenen Antwort reagiert.

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Ministerin ist der „Verordnungen überdrüssig“

Brost hatte in seinem Schreiben an die Ministerin unter anderem das Regel-Wirrwarr sowie ständige Lockdowns und Teil-Lockdowns kritisiert. „Viele haben mittlerweile Motivationsprobleme, weil sie nicht wissen, für was trainieren wir aktuell eigentlich. Ein ewiges Hickhack, das macht die Vereine kirre“, so TV-Vorsitzende. In den vergangenen zwei Jahren konnten von den geplanten 35 Wettkämpfen für die Turner etwa nur fünf durchgeführt werden. Außerdem sei es unverständlich, warum unter 16-Jährige bislang trainieren dürfen, während 17- und 18-Jährige, mit denen sie teilweise in die gleiche Klasse gehen würden, ausgeschlossen blieben. „Dass es Sachsen nach zwei Jahren Pandemie nicht hinbekommt, da geeignetere Mittel zu finden, als den Handel, Vereine und so weiter kaputt zu machen und teilweise Menschen in Existenznot bringt, ist ein Armutszeugnis für unseren Freistaat“, so Brost.

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Die direkten Worte trafen scheinbar den Nerv der Ministerin. Die reagierte unter anderem wie folgt: „Wir alle sind der vielen Verordnungen überdrüssig und niemand hat Lust, eine Maske zu tragen. Und mancher Missstand hat wirklich seine Wurzeln in Entscheidungen in der Vergangenheit, die sich heute als falsch herausstellen. Trotzdem müssen wir alles tun, um uns und unsere Mitmenschen zu schützen“, heißt es in ihrem Antwortschreiben. Und weiter: „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf die entsprechend reagiert wird, ändern sich laufend, unser Wissen von heute ist dem von vor einem Jahr Meilen voraus.“


Brost verweist derweil darauf, dass „Vereine bis heute keine Pandemietreiber sind.“ Köpping entgegnet, Sport sei allerdings auch eine Gelegenheit, soziale Kontakte zu knüpfen. Das sei wunderbar und ein menschliches Grundbedürfnis, aber leider mit Corona zu einer Gefahr geworden. „Auch geimpfte und geboosterte Personen können, wenn auch in geringerem Umfang, das Virus weitertragen. Dass Kinder und Jugendliche zusammen in eine Klasse gehen, die noch oder wegen ihres Alters nicht mehr am Vereinssport teilnehmen können, ist in der Tat sehr unbefriedigend und schwer nachvollziehbar.“ Immer wenn eine Altersgrenze oder ähnliches gesetzt werde, sei es mit einer fairen Behandlung der „Grenzbereiche” schwierig.

Volleyballer sollen laut Verband am 22. Januar starten

Selbst wenn sie 2G plus umsetzen, stehen die Regionalliga-Volleyballer des SV Bad Düben vor einem Problem, weil sie ihre Turnhalle der Bundespolizei nicht nutzen können. „Klar ist im Innenbereich die Gefahr der Ansteckung ein bissel größer, aber natürlich nervt es, dass wir inzwischen schon wieder seit fast zwei Monaten nichts machen dürfen“, sagt Trainer Kevin Phillipp. Umso verwunderlicher war eine Benachrichtigung des Staffelleiters, die am gestrigen Freitag bei den Mannschaften der Regionalliga einflatterte. Demnach soll am 22. Januar der erste Spieltag des neuen Jahres steigen – unter 2G plus. Ob das überhaupt alle Vereine erfüllen können, ist jedoch fraglich.

Ohnehin erscheint die Vorgehensweise einigermaßen widersprüchlich. Denn selbst wenn in der ab 14. Januar gültigen neuen Corona-Verordnung entsprechende Lockerungen für Sachsen verabschiedet würden, gäbe es ein Problem: Laut Spielordnung des Volleyballverbandes sind 14 Tage Vorbereitung geplant. Man muss kein Mathematiker sein, um eine gewisse Diskrepanz zu errechnen. Spielwart Frank Eberhardt gibt sich trotzdem optimistisch: „Ich weiß aber auch, dass es Mannschaft gibt, die in dieser Zeit trainieren konnten und ihre Spiele durchführen könnten.“ Bei weiteren Entscheidungen der Bundesregierung wolle man die Regelungen zum Neustart der Liga anpassen. Auch eine Verlängerung der Saison bis Ende Juni wäre demnach theoretisch möglich.