25. Februar 2021 / 08:42 Uhr

Der Wandervogel zieht nach Süden: Ex-Chemiker Markus Aerdken versucht sein Glück in Kenia

Der Wandervogel zieht nach Süden: Ex-Chemiker Markus Aerdken versucht sein Glück in Kenia

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
So lässt sich's leben: Markus Aerdken im kenianischen Sand.
So lässt sich's leben: Markus Aerdken im kenianischen Sand. © Privat
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18 Vereine stehen in der Spieler- und Trainer-Vita von Markus Aerdken. Er kickte für BSG-Chemie-Vorgänger FC Sachsen, den FC Eilenburg und trainierte Fortuna Leipzig. Nun hat es den 49-Jährigen nach Kenia verschlagen. Hier wollte er eigentlich nur Urlaub machen und ist geblieben.

Leipzig. Der Mann war schon als Fußballer ein Wandervogel, trägt südländische Lebensfreude in mitteleuropäischer DNA. Er war deutscher Junioren-Nationalspieler, inhalierte auf St. Pauli Zweiliga-Luft, kam später dann zum einstigen FC Sachsen Leipzig. Er trug das Hemd des FC Eilenburg und des FSV Krostitz, spielte American Football für die hiesigen Lions, schwang als Coach bei Fortuna Leipzig und dem Radefelder SV das Zepter. Und das ist nur ein kleiner Auszug aus seinem persönlichen Vereinsregister. Jetzt hat sich Markus Aerdken auf seine bislang längste Reise begeben, Rückkehr ungewiss. Aus einem Urlaub in Kenia erwächst eine zweite Heimat.

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Ein Sprung in den Pool am Morgen

Die Ferien in einem kleinen Küstenort am Diani Beach sind inzwischen zu einem fast zweimonatigen Trip angeschwollen. Kein Ende in Sicht. „Normalerweise will ich nach zwei Wochen Urlaub nach Hause. Aber hier vermisse ich nichts. Ich habe mehrere Freunde, die ich schon lange mal besuchen wollte. Jetzt habe ich es endlich gemacht und es geht mir einfach nur hervorragend“, erzählt der 49-Jährige am Telefon. Kein Wunder: Sein Leben am Äquator unter eitlem Sonnenschein erfüllt den Tatbestand der Glückseligkeit. Er wohnt in einer Ferienanlage direkt am Meer.

Markus Aerdken grüßt mit Fußball-Tricks aus Kenia

Die ersten allmorgendlichen Schritte enden direkt im Pool mit einer ausgiebigen Schwimmeinheit. Nach dem Frühstück wendet Markus Aerdken sich dem Salzwasser zu. Am 25 Kilometer langen Strand bolzt er spazierend Kondition und gleitet von Zeit zu Zeit ins lauwarme Wasser des Indischen Ozeans. Zwischendurch lässt er den Tennisschläger kreisen und erkundet die Umgebung. Vor ein paar Tagen hat er sich ein Moped zugelegt und versucht unfallfrei mit den einheimischen Eigenheiten klarzukommen. „Die fahren wie die Henker. Aber dafür alle ohne Helm.“

Außerhalb der Urlaubsregion und abseits der großen Städte ist er übrigens ein gefragter Mann, allerdings nicht wegen fußballerischer Verdienste, sondern seiner Hautfarbe. „Da kamen plötzlich 30, 40 Leute auf mich zu, wollten mich anfassen und Fotos mit mir machen, weil sie noch nie einen Weißen gesehen hatten“, erzählt Aerdken, der genüsslich in der Menge badete. „Ich kam mir vor wie Maradona und Pele zusammen.“

"Ich habe den Rückflug verfallen lassen"

Ansonsten sei Kaiser Fußball aber momentan relativ weit weg von ihm. Immerhin hat er neulich einen Platz in der Nähe ausgemacht, sich das Training angeschaut und kam nicht umhin, „ein bisschen“ mitzukicken. Vielleicht wird Markus Aerdken eines Tages in Anlehnung an Ansgar Brinkmann bekannt als der „weiße Kenianer“.

Markus Aerdken mit Kenianern am Strand.
Markus Aerdken mit Kenianern am Strand. © Privat

In heimatliche Gefilde scheint ihn jedenfalls nichts zurückzuziehen. „Eigentlich war nur ein Monat Kenia geplant, aber ich habe den Rückflug verfallen lassen. In Deutschland ist alles dicht und hier ist es so schön. Ich fliege zurück, wenn ich Lust habe.“ Wohl dem, der das kann. Man darf das durchaus auch als Flucht vor der Corona-Krise bezeichnen. „Ich merke hier davon so gut wie gar nix, außer dass die Restaurants um 21 Uhr schließen und man um 22 Uhr zu Hause sein muss.“


Ganz in Afrika bleiben, dass kann er sich trotzdem nur schwer vorstellen. „Ein halbes Jahr hier und ein halbes Jahr in Deutschland, das wäre mein Traum für die Zukunft.“ Schließlich besitzt er ein Haus in der Dübener Heide, lebt seit zwei Jahrzehnten in der Region. Und außerdem ist selbst das kenianische Paradies nicht perfekt. „Schlafen kann ich bei der Hitze nur mit einem Propeller unterm Bett und ein Bier kostet so viel wie eine Pizza“, erzählt Markus Aerdken mit lausbubenhaftem Zungenschlag. Irgendwas ist eben immer. Und irgendwas muss ihn ja auch zurück in die Leipziger Heimat treiben. Wenn er dann wieder Lust darauf hat.