08. Februar 2018 / 10:17 Uhr

Der Weg zum Ausbildungsverein: Wie Hannover 96 sich in Zukunft aufstellen will

Der Weg zum Ausbildungsverein: Wie Hannover 96 sich in Zukunft aufstellen will

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Horst Heldt und sein Team haben einen Plan für die 96-Zukunft.
Horst Heldt und sein Team haben einen Plan für die 96-Zukunft. © Lobback
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Waldemar Anton ist das Paradebeispiel bei Hannover 96. Er macht Karriere bei 96 und könnte irgendwann für eine hohe Millionenablöse den Verein wechseln. 96 hat das Ziel, Talente zu fördern und teuer zu verkaufen, das soll ein Modell der Zukunft werden.

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Die 96-Übernahme durch Martin Kind sollte frisches Geld in den Verein pumpen. Doch die angekündigte Kapitalerhöhung fällt vorerst aus. Erst, wenn der 50+1-Fall entschieden ist, wird 96 mehr in die Mannschaft investieren können. 

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Kind hat dazu „zwei Optionen“ genannt. Entweder die Gesellschafter stocken auf – oder neue stoßen zu den vier dazu. „Es gibt zwei, drei mögliche Gesellschafter aus der Region, die sich einbringen würden, wenn die Fragen rund um die 50+1-Regel geklärt sind“, weiß Kind.

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Jonathas wechselte 2017 für neun Millionen Euro in die Landeshauptstadt. Damit ist er der teuerste Neuzugang, den Hannover 96 je verpflichtet hat. ©

​Heldt will Spieler von 96 überzeugen

Droht eine Sparsaison, bis es so weit ist? „Wir haben Gestaltungsmöglichkeiten, um konkurrenzfähig zu sein“, sagt Horst Heldt. Der 96-Manager erklärt auch, wie er Spieler überzeugen will, zu 96 zu wechseln, obwohl er nicht mit dem dicken Geldbeutel werben kann.

„Am Ende entscheiden die direkten Gespräche mit den Spielern“, sagt Heldt, „es ist unsere Aufgabe, ihnen von unserem Weg zu erzählen.“ Dazu gehören laut Heldt auch Antworten auf die Fragen „Wer sind die Mitspieler, was streben wir an, wie sieht die Zu­kunft bei 96 aus?“. An Pirmin Schwegler und Waldemar Anton beschreibt Heldt, wie der 96-Weg geht.

​"Das Paradebeispiel ist Waldemar Anton"

Schwegler kam zu Saisonbeginn ablösefrei aus Hoffenheim. Als Mittelfeldchef ist er unersetzbar. Wenn er fehlt, hat 96 noch nicht gewonnen. „Pirmin hatte viele andere Möglichkeiten und hat vielleicht auch mal übers Ausland nachgedacht“, berichtet Heldt, „wir konnten ihn aber überzeugen, zu uns zu wechseln. Wir sind ein guter Verein, der Spielern ermöglicht, ihre Karriere fortzusetzen“, wie in dem Fall des 30-jährigen Schweg­ler.

„96 ist auch ein guter Verein, um die Karriere zu beginnen“, erläutert Heldt die zweite Säule der Mannschaftsplanung. „Das Paradebeispiel ist Waldemar Anton“, sagt der Manager, „er hat die perfekte Plattform, um sich zu entwickeln.“ Der 21-Jährige kommt aus der 96-Jugend und ist mittlerweile zum U-21-Nationalspieler gereift. „Wir können keinen Champions-League-Titel garantieren, aber wir können unsere Spieler in ihren Karriereschritten begleiten“, sagt Heldt.

15 Spieler kamen 2014 für Hannover 96 im Finale um die deutsche U19-Meisterschaft zum Einsatz. Das machen sie drei Jahre später:

Alexander Rehberg war 2016/17 Ersatztorwart bei Hannover 96 II in der Regionalliga, kam dort auf vier Einsätze – auch im letzten Spiel gegen Lüneburger SK Hansa stand er im Tor. Zur Saison 2017/18 hat er sich dem Ligakonkurrenten TSV Havelse angeschlossen. Zur Galerie
Alexander Rehberg war 2016/17 Ersatztorwart bei Hannover 96 II in der Regionalliga, kam dort auf vier Einsätze – auch im letzten Spiel gegen Lüneburger SK Hansa stand er im Tor. Zur Saison 2017/18 hat er sich dem Ligakonkurrenten TSV Havelse angeschlossen. ©

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<b>Ihlas Bebou:</b> 8,5 Millionen Euro zu 1899 Hoffenheim (2019) Zur Galerie
Ihlas Bebou: 8,5 Millionen Euro zu 1899 Hoffenheim (2019) © imago:

​Ziel: Talente fördern und teuer verkaufen

Irgendwann wird der schon jetzt umworbene Anton den nächsten Schritt zu einem größeren Verein machen – 96 kann dann auf eine hohe Millionenablöse hoffen. Das wäre der erhoffte Nebeneffekt – die 96-Einnahmen sollen langfristig durch Transfererlöse gesteigert werden. Talente fördern und teuer verkaufen, das soll ein Modell der Zukunft werden. Dazu müssen neue Antons im Nachwuchszentrum entdeckt werden. „Ein bis zwei Talente pro Saison zu den Profis bringen“, formuliert Kind als Ziel.

Aktuelles Saisonziel bleibt der Klassenerhalt, nach der angestrebten 96-Übernahme darf es etwas mehr werden. „Mittelfristig werden wir uns im Mittelfeld der Bundesliga bewegen“, hofft Kind, „mit der Chance, ab und zu international zu spielen.“