30. September 2021 / 12:09 Uhr

Der Witz-Elfer von Wolfsburg und das Standbild-Problem: Schmadtke will's schnell abhaken

Der Witz-Elfer von Wolfsburg und das Standbild-Problem: Schmadtke will's schnell abhaken

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Szene des Spiels: Guilavogui trifft den Ball, das Standbild rechts zeigt den Kontakt mit dem Gegenspieler - und ist für VfL-Manager Schmadte ein möglicher Grund für die Fehlentscheidung.
Die Szene des Spiels: Guilavogui trifft den Ball, das Standbild rechts zeigt den Kontakt mit dem Gegenspieler - und ist für VfL-Manager Schmadte ein möglicher Grund für die Fehlentscheidung. © Boris Baschin
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Ein falsche Interpretation des Standbilds hat womöglich zum Witz-Elfmeter geführt, über den sich der VfL Wolfsburg auch am Tag nach dem 1:1 in er Champions League gegen Sevilla noch ärgert. Manager Schmadtke will das Thema schnell abhaken - denn am Samstag geht's bereits wieder um Bundesliga-Punkte.

Nein, Bulgarisch könne er nicht - und es sei auch eine "der wenigen Sprachen, in denen mir kein Schimpfwort bekannt ist", gab Jörg Schmadtke mit einem Schmunzeln zu. Am Mittwochabend hätte es dem Manager des VfL Wolfsburg auch kaum geholfen, als der bulgarische Schiedsrichter Georgi Kabakov einen Witz-Elfmeter gegen den VfL pfiff und damit aus dem möglichen 1:0-Sieg im Champions-League-Spiel gegen den FC Sevilla ein 1:1 wurde. "Auf nationaler Ebene", so Schmadtke, "spreche ich schon mal mit Schiedsrichtern, die man lange kennt und bei denen man weiß, wie man sich zu nehmen hat." International werde einem sowas "eher negativ ausgelegt", auch wenn es nur darum gehe, "etwas zu verstehen".

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Zu verstehen war der Elfer für Sevilla in der Tat nicht. Josuha Guilavogui spitzelte den Ball weg, Erik Lamela kam mit seinem Schussversuch zu spät, dann berührten sich Guilavoguis Fuß und das Bein des Argentiniers. Videoschiedsrichter Kevin Blom aus den Niederlanden griff ein, Kababov schaute sich die Szene auf dem Monitor an - und traf dann die Fehlentscheidung. Warum? Der Verdacht: Kabakov ließ sich vom Standbild beeindrucken, auf dem Guilavoguis Sohle Lamelas Schienbein trifft - hat das dem VfLer als böse Absicht ausgelegt. Das Bewegtbild aber zeigt, dass es das nie und nimmer war. "Das war nicht fragwürdig", so Schmadtke, "sondern eine klare Fehlentscheidung." Auch für ihn ist die fehlerhafte Interpretation des Standbild "eigentlich die einzige denkbare Erklärung".

Der Fehler passt zur Schiri-Leistung insgesamt - eine klare Linie war nicht zu erkennen, Gelbe Karten schienen Kabakovs wichtigtes Kommunikationsmittel im Umgang mit den Spielern zu sein, der Kicker gab zu Recht die Note 6 fürs Schiedsrichter-Team. Dass der Bulgare Verwarnungen in hoher Zahl aussprach, ist übrigens nichts Neues: In seinen jetzt neun nationalen und internationalen Einsätzen dieser Saison zeigt Kabakov schon 41 Mal (!) Gelb.

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<b>Koen Casteels: </b> War da, wenn er gebraucht wurde, aber der Kapitän wurde eher selten gebraucht. Beim Elfmeter machtlos. Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: War da, wenn er gebraucht wurde, aber der Kapitän wurde eher selten gebraucht. Beim Elfmeter machtlos. Note: 3 ©

Ein Punkt gegen Sevilla statt möglicher drei - die VfL-Spieler waren entsprechend aufgebracht, am meisten Maximilian Arnold: "Das ist schon ein bisschen bodenlos. Ich weiß nicht, ob die das erste Mal den Videobeweis benutzt haben. Sowas kann man in der Champions League nicht pfeifen." Nach einer kleinen Beruhigungsphase fügte der Mittelfeldmann dann hinzu: "Der Schiedsrichter ist auch nur ein Mensch und macht Fehler. Aber ich hoffe, dass die von der UEFA das Spiel intern auch aufarbeiten.“

Trainer Mark van Bommel suchte nach dem Abpfiff das Gespräch mit Kabakov. "Meine einzige Frage an ihn war: Warum hat er diese Entscheidung getroffen? Aber ich habe darauf keine Antwort gekriegt", so der Niederländer. Und aus seiner Sicht kann es darauf eigentlich auch keine Antwort geben: "Jeder im Stadion und vor dem Fernseher ist sich einig, dass das kein Elfmeter ist." Die Schiri-Experten von "Collinas Erben" schlugen sich via Twitter auf die Wolfsburger Seite: Der Referee hab Guilavoguis Zweikampfführung "als rücksichtslos bewertet, daher Gelb-Rot. Allerdings war der Kontakt kaum zu vermeiden, weil der Angreifer sein Bein zum Gegner streckt, ohne den Ball spielen zu können. Guilavogui ist hier eigentlich kein Vorwurf zu machen."

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Der Schiri sah es anders, zeigt Guilavogui auch noch Gelb-Rot - und zwei Punkte sind für den VfL futsch. "Das sind Tatsachen, die wir nicht mehr wegdiskutiert bekommen", so Schmadtke. Seine Schlussfolgerung: "Wir müssen uns darum bemühen, dass wir unabhängig von fehlerhaften Schiri-Entscheidungen sind." Sprich: Das zweite oder dritte Tor nachlegen, damit auch ein Witz-Elfer nichts mehr am Sieg ändert: "Das muss das Ziel für uns sein." Die Chancen dazu waren am Mittwochabend da, die größte hatte Wout Weghorst, scheiterte allein vorm Tor unglücklich an der Hacke von Sevilla-Keeper Bono.


Bitter: Mit einem Sieg hätte sich "die Tabellenlage entscheidend verändert", so Schmadtke. "Wir hätten vier Punkte, Sevilla nur einen. Das wären ganz andere Voraussetzungen für die nächsten Spiele gewesen." Am 20. Oktober tritt der VfL bei RB Salzburg an, zwei Wochen später gastieren die Österreicher in Wolfsburg. Und: Es geht auch um sehr viel Geld: 2,8 Millionen Euro hätten Wolfsburg für einen Sieg kassiert, das Remis bringt 930.000 Euro.

Noch wichtiger allerdings: Dass der Blick schnell wieder nach vorn geht, am Samstag steht das Bundesliga-Heimspiel gegen Gladbach an. "Schon am Mittag nach dem Spiel redet keiner mehr über diesen Elfmeter", so Schmadtke. "Wir stellen den Sachverhalt dar, äußern uns dazu - und müssen gleichzeitig einen Haken dran machen. Wir dürfen das nicht in den Rucksack packen und bis Samstag mitschleppen." Der Trainer sieht's genauso. "Wir müssen wieder spielen - am Samstag um 15.30 Uhr", so Mark van Bommel. "Ob wir bereit sind oder nicht."