04. November 2018 / 13:53 Uhr

Deshalb ist RB Leipzig in dieser Saison auf dem Weg zu einem Spitzenteam

Deshalb ist RB Leipzig in dieser Saison auf dem Weg zu einem Spitzenteam

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Die Leipziger feiern nach dem 0:3 Sieg gegen Hertha BSC
Die Leipziger feiern nach dem 0:3 Sieg gegen Hertha BSC © 2018 Getty Images
Anzeige

Zehn Pflichtspiele ohne Niederlage, siebenmal davon zu Null. Gute Aussichten in drei Wettbewerben, trotz eines kleinen Kaders. Ein Blick auf die Gründe des aktuellen Höhenflugs von RB Leipzig unter dem neuen und alten Trainer Ralf Rangnick.

Willi Orban wollte am Samstagabend schnell nach Hause, seinen 26. Geburtstag mit einem Glas Rotwein ausklingen lassen. Daraus wurde nichts: Die Nationale Dopingagentur ließ den Kapitän von RB Leipzig nach dem starken 3:0-Sieg in Berlin zur Urinkontrolle antanzen. Trotzdem wird das Olympiastadion auch nach dem dritten Torfestival sein Lieblingsspielort in der Fremde bleiben.

Anzeige

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom Leipziger Sieg in Berlin am 03.11.2018

Mit einer spielerisch überzeugenden Leistung holt RB Leipzig bei der Hertha aus Berlin drei wichtige Punkte. 3:0 heißt es nach 90 kurzweiligen Minuten mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. Zur Galerie
Mit einer spielerisch überzeugenden Leistung holt RB Leipzig bei der Hertha aus Berlin drei wichtige Punkte. 3:0 heißt es nach 90 kurzweiligen Minuten mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. ©

Der Erfolg im Duell gegen den bisherigen Favoritenschreck Hertha BSC vereinte alle Komponenten, die zum aktuellen Höhenflug der Rasenballer beitragen. Eine erste Bilanz nach zehn Bundesligapartien, 21 Pflichtspielen und 119 Tagen Trainer Ralf Rangnick.

DURCHKLICKEN: RB Leipzig bei Hertha BSC in der Einzelkritik

(1) Peter Gulacsi: In der ersten Halbzeit mit Gymnastik beschäftigt, in der zweiten ähnliches Bild. Note 2 Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: In der ersten Halbzeit mit Gymnastik beschäftigt, in der zweiten ähnliches Bild. Note 2 ©

Der Kader

Klein aber fein. Drei Neuzugänge, nur 18 Feldspieler. Was zu Saisonbeginn wie eine Hypothek wirkte, hat sich als echter Vorteil erwiesen, seitdem die Fitnessrückstände behoben worden sind. „Wir haben eine Situation, in der jeder Einzelne mit einem richtig guten Gefühl in die Startformation gestellt werden kann“, sagt der RB-Coach. Stürmer Yussuf Poulsen meint: „Der Trainer hat alle Spieler die im Kader sind, richtig gut in Form gebracht. Egal wer eingesetzt wird, er erfüllt seine Rolle zu 100 Prozent. Wir haben alle ein Leistungsniveau, das richtig hoch ist.“ In der Winterpause im Januar kommen mindestens zwei Neue hinzu.

Die Rotation

Zu Beginn der Saison haperte es bei vielen Wechseln in den englischen Wochen an Automatismen. Inzwischen ist es fast egal wer spielt. Jeder Profi fühlt sich gebraucht. Beispiel Berlin: Forsberg und Augustin sind verletzt. Bruma und Cunha springen in die Bresche. „Heute haben diejenigen, die bisher in der Bundesliga ein bisschen weniger gespielt haben, eine Chance bekommen und wir haben phantastisch gespielt“, freute sich Keeper Gulacsi. Der Portugiese bereitete das 2:0 von Werner mit einem starken Solo vor. Cunha glänzte bei seinem Startelfdebüt in der Liga mit dem ersten Tor im Fußball-Oberhaus. „Wir rotieren mit einem gewissen Maß. Da kann sich auch jeder gut einfinden, wenn nicht jedes Mal zwei neben einem neu sind“, erklärte Timo Werner.

Anzeige

DURCHKLICKEN: Die Stimmen zum Spiel

Peter Gulacsi (RB Leipzig): Dass wir nun sechs Pflichtspiele in Folge zu null gespielt haben, ist ein Verdienst der gesamten Mannschaft, da wir sehr gut gegen den Ball agieren. Wir haben wieder eine super Leistung auf den Platz gebracht. Dieser Sieg ist auch in der Höhe absolut verdient. Es macht mir großen Spaß, den Jungs von hinten zuzuschauen. Zur Galerie
Peter Gulacsi (RB Leipzig): "Dass wir nun sechs Pflichtspiele in Folge zu null gespielt haben, ist ein Verdienst der gesamten Mannschaft, da wir sehr gut gegen den Ball agieren. Wir haben wieder eine super Leistung auf den Platz gebracht. Dieser Sieg ist auch in der Höhe absolut verdient. Es macht mir großen Spaß, den Jungs von hinten zuzuschauen." ©

Die Abwehr

Über Monate war die Defensive die Achillesferse der Mannschaft. „Wir waren letzte Saison hinten nicht so stabil und haben zu viele Gegentore kassiert. Das hat dafür gesorgt, dass wir uns nicht für die Champions League qualifiziert haben. Es war ein klares Ziel unseres Trainers, das wir das diese Saison besser machen müssen“, erklärt Torhüter Gulacsi. Zum Start dieser Spielzeit setzte sich das Dilemma zunächst fort. Inzwischen stellt RB mit nur neun Gegentreffern in zehn Partien die beste Defensive der Liga. Das liegt auch an der Flexibilität: Dreier-/Fünfer oder Viererkette, mögliche Anpassungen während eines Spiels. Dahinter ist der ungarische Nationalkeeper Gulacsi in bestechender Form. „Unser Torwart hat wieder ein sehr, sehr gutes Spiel abgeliefert. Das ist nicht zum ersten Mal so. Er hält alles, was er halten muss und noch mehr“, lobt Poulsen.

Drei Wettbewerbe

Unnötige Punktverluste in der Liga in den englischen Wochen? Schnee von gestern. Der Tanz auf drei Hochzeiten klappt bislang hervorragend: Im DFB-Pokal ist der Einzug ins Achtelfinale dank des Erfolgs gegen die TSG Hoffenheim bereits gesichert. Am Donnerstag kann die Rangnick-Elf in Glasgow schon zwei Spieltage vor Schluss der Gruppenphase das Überwintern in der Europa League klar machen. In der Bundesliga sind die Leipziger in der Spitzengruppe dabei. „Wir wollen in allen drei Wettbewerben so lange wie möglich dabei sein“, sagt Gulacsi.

Mehr zu RB Leipzig

Der Trainer

„Es waren heute ein paar Überraschungen in der Startelf. Es war aber auch so gedacht, dass wir wieder frisch sind und gegen den Ball gut arbeiten können“, erklärte Gulacsi nach dem 3:0 in Berlin. RB Leipzig ist schwer ausrechenbar – sowohl in seiner Anfangsformation, als auch im Spielsystem. Der neue Chefscout Lars Kornetka hat aus Leverkusen viel Erfahrung mitgebracht, Rangnick ist als Taktikfuchs bekannt. „Was unser Trainer bisher geleistet hat, ist überragend. Er macht einen Doppeljob, hält die Spieler scharf. Jeder ist hoch motiviert“, erklärt der ungarische RB-Torhüter. Die Verantwortlichen ernten aber auch die Früchte aus dem internationalen Premierenjahr: „Wir haben aus der letzten Saison sehr viel mitgenommen. Gerade was Trainingssteuerung und Regenerationsmaßnahmen angeht. Davon profitieren wir“, sagt Kapitän Orban.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.