19. Juli 2020 / 11:32 Uhr

Ein Heimspiel beim Döhrener Abendlauf zum Abschied von Detlef "Det" Seeska

Ein Heimspiel beim Döhrener Abendlauf zum Abschied von Detlef "Det" Seeska

Norbert Fettback
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„Es war immer ein Geben und Nehmen“. Detlef Seeska vor seinem Laufgeschäft in der Lavesstraße 3.
„Es war immer ein Geben und Nehmen“. Detlef Seeska vor seinem Laufgeschäft in der Lavesstraße 3. © Norbert Fettback
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Nicht nur für Sportler da sein, selbst einer sein - das war und ist das Credo von Detlef "Det" Seeska. Nun geht es in den verdienten Ruhestand.

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Ein Heimspiel zum Abschied – das jedenfalls passt bestens. Gestern Vormittag hat Detlef Seeska noch einmal seinen blauen Startbogen unweit der Schützenallee aufgebaut, mit Unterstützung von Freunden und langjährigen Wegbegleitern.

Seeska sagt leise servus

Zum Döhrener Abendlauf hatten sie alle ihr Kommen zugesagt. Dass es wegen der Corona-Pandemie diesmal nicht bei einem Wettkampf zur Sache geht, sondern virtuell, zählt in dem Fall weniger.

Seeska, den alle "Det" nennen, verabschiedet sich von der hannoverschen Laufszene. Nach 36 Jahren ist er dabei, einen Nachfolger für sein Sportgeschäft an der Lavesstraße zu suchen. Mit ihm verliert Hannover einen engagierten Unterstützer vieler ehrenamtlich ausgerichteter Laufveranstaltungen.

Aktiv nicht nur als Händler und Organisator: Detlef Seeska war auch ein erfolgreicher Triathlet – beim Halbdistanz-Wettbewerb 1988 am Schiedersee belegte er Platz zwei.
Aktiv nicht nur als Händler und Organisator: Detlef Seeska war auch ein erfolgreicher Triathlet – beim Halbdistanz-Wettbewerb 1988 am Schiedersee belegte er Platz zwei. © privat

Dazu gehört der Döhrener Abendlauf, bei dessen Organisation Seeska schon 1984 mithalf, nachdem er in der unweit gelegenen Fiedelerstraße eingezogen war und zugleich an der Lavesstraße im Zentrum von Hannover seinen Laufshop eröffnet hatte.

"Bank hielt es für eine Schnapsidee"

Es war das erste Geschäft dieser Art in Hannover. Und ein Schritt nicht ohne Risiko. „Die Bank, bei der ich wegen eines Gründerdarlehens nachfragte, hielt es für eine Schnapsidee und lehnte ab“, sagt der 63-Jährige.

So mussten Eltern und Schwiegereltern eine Bürgschaft aufs Haus übernehmen, damit der frischgebackene Diplom-Sportlehrer beruflich durchstarten konnte. An die Anfangszeit erinnert noch die Ladenkasse, die bis heute treu ihren Dienst tut. „Für 100 Mark gebraucht gekauft“, berichtet Seeska, als sei es gestern gewesen.

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Dass sie in den 36 Jahren häufig klingelte, was geschäftlichen Erfolg signalisiert, hatte nicht nur kommerzielle Gründe. Ausdauersportler mit gutem Equipment zu versorgen und Kunden eine solide Beratung zu bieten, sondern auch außerhalb seines Laufshops attraktive Angebote zu unterbreiten, das war Det stets wichtig.

Pionierarbeit geleistet

Zehn Jahre lang organisierte er zum Beispiel den Benther-Berg-Lauf, heute wie der Döhrener Abendlauf Teil der Laufpassserie der Region. Und er leistete in wahrstem Sinne Pionierarbeit: 1985 veranstaltete er Hannovers ersten Triathlon. Damals waren 250 Aktive in einer Sportart dabei, die in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte und bei der am Maschsee mit dem Europameister Klaus Klaeren ein Freund von Seeska aus Kölner Studientagen siegte.

Auch die ersten Inliner-Rennen in Hannover, die Duathlons am Zoo und am Rathaus sowie ein halbes Dutzend Nordic-Walking-Days trugen seine Handschrift.

Detlef Seeska, den alle nur "Det" nennen, verabschiedet sich von der hannoverschen Laufszene.

In seinem Ladengeschäft konnte Detlef Seeska auch Sportprominenz begrüßen – wie Carsten Eich (links), 15-facher deutscher Meister mit einer 10 000-Meter-Bestzeit von 27:41 Minuten. Zur Galerie
In seinem Ladengeschäft konnte Detlef Seeska auch Sportprominenz begrüßen – wie Carsten Eich (links), 15-facher deutscher Meister mit einer 10 000-Meter-Bestzeit von 27:41 Minuten. ©

„Ich habe das stets als mein Entree gesehen, um teilhaben zu können. Es war immer ein Geben und Nehmen“ , sagt der gebürtige Godshorner, der 1983 bei der ersten Triathlon-Weltmeisterschaft in Nizza Platz 20 belegte, den Marathon in 3:07 Sunden lief und mit 60 Jahren die Langdistanz des Polskaman-Triathlons in nicht minder beachtlichen 11:43 Stunden beendete.

Betrübte Gesichter und Tränen

Nicht nur für Sportler da sein, selbst einer sein – so sein Credo.

In dieser Woche haben die Mitglieder von Dets Raceteam von Seeskas Entscheidung erfahren. Es gab betrübte Gesichter, und es flossen Tränen. Über Jahrzehnte hatten sich auf seine Einladung hin in diesem freundschaftlich geprägten Verbund viele der besten Läufer aus Hannover zusammengefunden.

Sparkassen-Laufpass in Corona-Zeiten: Impressionen vom Misburger Volkslauf

Sparkassen-Laufpass in Corona-Zeiten: Impressionen vom Misburger Volkslauf Zur Galerie
Sparkassen-Laufpass in Corona-Zeiten: Impressionen vom Misburger Volkslauf ©

„Das hat mir neue Freundschaften gebracht, und es gab viele nette Aktionen miteinander auch außerhalb von Laufveranstaltungen“, sagt Gwendolyn Mewes (36), seit 2011 im Raceteam dabei und vielfache Siegerin in der „Laufpass“-Serie.

Im Geschäft an der Lavesstraße hatte sie mit acht Jahren ihr erstes Paar Spikes gekauft – und ist immer wiedergekommen. In Döhren war sie am Wochenende mit der kompletten Familie, also auch ihren vier Kindern, dabei und verabschiedete sich in gebührender Weise von "Det".

„Corona war und ist aber kein Grund für mich aufzuhören“

Dass mit seinem Rückzug in absehbarer Zeit der Laufshop in der Lavesstraße 3 schließt, ist nicht gesagt. Er berichtet von aussichtsreichen Gesprächen bei der Suche nach einem Nachfolger. In einer von Corona überschatteten Zeit sei dies jedoch keine so einfache Sache.

„Corona war und ist aber kein Grund für mich aufzuhören“, sagt er. Mit seiner Ehefrau Birgit, die im Geschäft die Buchhaltung erledigt, habe er sich das Ganze lange überlegt. Er sei inzwischen 63, gesundheitlich etwas gehandicapt, dazu habe es im vorigen Jahr „massive Personalprobleme“ gegeben, die mit viel Mehrarbeit kompensiert werden mussten.

Haben bald mehr Zeit füreinander: Detlef und Birgit Seeska mit Enkel Felix, hier beim Winterlauf im Georgengarten im Januar 2020. 
Haben bald mehr Zeit füreinander: Detlef und Birgit Seeska mit Enkel Felix, hier beim Winterlauf im Georgengarten im Januar 2020.  © Norbert Fettback

„Nach Corona wird sich die Laufszene nicht wieder so regenerieren, wie es zuvor war“, gibt er zu bedenken. Auch wenn viele in den vergangenen Wochen und Monaten das Laufen für sich neu entdeckt und vor allem Frauen den Kundenkreis erweitert hätten, werde der anhaltende Wegfall von Wettkämpfen Spuren hinterlassen. 

Der virtuelle „Laufpass“ der Region Hannover wird vorerst für alle abgesagten Veranstaltungen durchgeführt. Gelaufen werden kann wöchentlich auf der originalen Strecke oder einer der eigenen Wahl, jeweils bis einschließlich Sonntag.

Weitere Informationen gibt es unter www.marathon-hannover.de/laufpass-der-region/2020.