11. Mai 2020 / 14:11 Uhr

"Wohl zu passiv": Schnelldenker Ilja Schneider mit Platz elf im Internetschach unzufrieden

"Wohl zu passiv": Schnelldenker Ilja Schneider mit Platz elf im Internetschach unzufrieden

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Unzufrieden: Ilja Schneider bleibt
 Rang elf bei der nationalen Endrunde im Internetschach.
Unzufrieden: Ilja Schneider bleibt Rang elf bei der nationalen Endrunde im Internetschach. © Debbie Jayne Kinsey
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Bei der deutschen Endrunde im Internetschach hat sich Ilja Schneider vom HSK Lister Turm mit dem elften Platz begnügen müssen. Der 35-Jährige siegte viermal, erreichte zwei Remis und zog siebenmal den Kürzeren. "Das war nicht gut", resümierte Schneider, der wohl "zu passiv" agierte.

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In nur dreieinhalb Stunden hat Schnelldenker Ilja Schneider es im heimischen Wohnzimmer durchgezogen. Bei der Endrunde im Internetschach belegte der Spieler von Oberligist HSK Lister Turm Platz elf. „Das war nicht gut, ich habe viele grobe Fehler gemacht. Es war schon bitter“, sagte Schneider, „ich bin am unteren Ende meiner Möglichkeiten geblieben.“

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"Das ist ein bisschen wie beim Tauziehen"

Eine normale Schachpartie dauert nicht selten vier Stunden oder länger, nur drei Minuten Bedenkzeit bleiben einem Spieler pro Partie in dieser Blitzschachvariante. Dazu kommen zwei weitere Sekunden für jeden selbst ausgeführten Zug. 13 Duelle „blitzten“ die Akteure im Modus jeder gegen jeden.

Der 35-jährige Oststädter siegte viermal und erreichte zwei Remis, es setzte sieben Niederlagen. Insgesamt bewertete Schneider seine Performance als „wohl zu passiv“, beim Blitzschach sei das aber die falsche Taktik. Man müsse den Gegner unter Druck setzen, dürfe sich nicht zu sehr zurückziehen. „Das ist ein bisschen wie beim Tauziehen. Wenn es erst mal in eine Richtung geht, ist es sehr schwer, das wieder zu drehen“, sagte der Internationale Meister.

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Genau das passierte ihm im Vergleich mit dem neuen Champion, Daniel Fridmann aus Bochum. „Ich hatte das Gefühl, deutlich besser zu stehen, war am Ende aber zu passiv“, so Schneider, der als Einziger seine Partien stream­te – also via Kamera am Computer zu sehen und zu hören war. Er kommentierte jeweils den Verlauf und raufte sich mitunter die Haare nach einem schwachen Zug. Oder wenn ihm in der Eile ein sogenannter Mausfehler unterlief, er sich einfach verklickte.

"Es war eine krasse Erfahrung"

Das Streamen habe wohl etwas Konzentration gekostet. „Ich hätte es schön gefunden, wenn auch die anderen das Publikum auf diese Weise mitgenommen hätten“, sagte der Sozialwissenschaftler und Bereichsleiter Flüchtlingsunterkünfte beim DRK Hannover.

Es gilt auch als probates Mittel gegen Schummeln. In diesem sehr starken Feld hatte Schneider aber das Gefühl, dass alles sauber war. Immerhin waren Profis dabei, denen eine Sperre gedroht hätte. „Es war eine krasse Erfahrung. Jetzt brauche ich erst mal ein paar Tage, um runterzukommen“, betonte Schneider.