03. August 2021 / 20:34 Uhr

"Wird noch lange nachwirken": Deutsche Handballer nach bitterem Olympia-Aus gegen Ägypten bedient

"Wird noch lange nachwirken": Deutsche Handballer nach bitterem Olympia-Aus gegen Ägypten bedient

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
 Für die deutschen Handballer ist bei Olympia nach dem Viertelfinale Schluss.
Für die deutschen Handballer ist bei Olympia nach dem Viertelfinale Schluss. © IMAGO/Moritz Müller
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Für die deutschen Handballer ist bereits im Viertelfinale der Olympischen Spiele in Tokio Endstation. Der Frust saß nach der Pleite gegen Ägypten und dem geplatzten Traum vom Olympia-Halbfinale tief. Ein Stimmungsbild.

Timo Kastening warf eine Wasserflasche wütend durch die Mixed Zone. Im Hintergrund jubelten die Ägypter. Kastening wollte einfach nur noch weg. Für Deutschlands Handballer ist die vor acht Jahren bereits ausgegebene Goldmission schon im Viertelfinale geplatzt. Die DHB-Auswahl unterlag 26:31 (12:16). Heimflug statt Halbfinale.

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"Die Enttäuschung ist riesig. Das wird noch lange nachwirken", sagte Uwe Gensheimer. Philipp Weber sprach ohne Umschweife von einem "beschissenen Gefühl". Und Juri Knorr, der mit 21 Jahren Jüngste im Team, brachte es auf den Punkt: "Ägypten war bereiter. Die wollten das mehr, sind mehr in die Zweikämpfe gegangen, waren aggressiver, in allem einen Tick entschlossener." Seine Enttäuschung konnte er nicht in Worte fassen. "Wir haben unser schlechtestes Spiel abgeliefert – und das zum falschen Zeitpunkt."

Es waren keine zehn Minuten im Yoyogi-Nationalstadion gespielt, da war auch dem Letzten klar, dass die Mission eine schwere werden würde. Denn auf der Anzeigetafel stand ein 1:6. Die Abwehr fand keinen Zugriff, Andreas Wolff fasste im Tor keinen Ball an, und der Angriff fand keine Lösungen. Wenn doch, endeten sie bei Keeper Karim Hendawy. Mit 18 Paraden wurde der zum Albtraum für Weber und Co.

Deutschland auch nach dem Seitenwechsel schwach

Das Bild, es änderte sich auch nach der Pause nicht. Hilflos, chancenlos, ideenlos. Die Deutschen rannten gegen eine ägyptische Wand, sie kamen nie näher als auf drei Tore heran. Als der Rückstand acht Minuten vor Schluss auf sechs angewachsen war (21:27), war der Halbfinaltraum geplatzt.

Bundestrainer Alfred Gislason gestand hinterher: "Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir hatten es heute nicht verdient weiterzukommen." Was für den Isländer als erste Erkenntnis bleibt, ist, "dass wir der Realität ins Auge sehen müssen. Wenn Deutschland weiter oben angreifen will, brauchen wir mehr Zeit für die Nationalmannschaft, vergleichbar mit Ägypten oder Frankreich." Denn Zeit ist das, was Gislason nicht (bekommen) hat. Die Nationalspieler sind im Verein mit Meisterschaft, Pokal und internationalen Wettbewerben dauerbelastet. Doch das ist schon seit Jahren so. In Tokio rächte es sich nun.